Counter-Strike: Global Offensive Test – Shoot it like it’s 1999

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Ich dachte, ich würde keine Multiplayer-Games mehr mögen. Ich habe in den Anfangstagen von “Counter-Strike: Source” täglich im Clan gespielt und habe da sogar mal den einen oder anderen Kill gelandet. Nach ein, zwei Jahren legte sich meine Begeisterung langsam, aber sicher wieder und konnte durch keinen Mehrspieler-Shooter neu entfacht werden. Egal ob “Call of Duty”, “Battlefield” oder “Halo“: Nach einigen Stunden, im besten Falle Tagen, habe ich die Lust verloren. Meine Schlussfolgerung war klar: MP-Shooter sind einfach nichts mehr für mich. Und dann kam “Counter-Strike: Global Offensive“.

Die Existenz vom mittlerweile vierten offiziellen „Counter-Strike“-Ableger an sich ist schon ein kleines Mysterium. Mit „Condition Zero“ wurde versucht, dem Mehrspieler-Grundgerüst eine Singleplayer-Kampagne zu verpassen – ein Plan, der gründlich misslang. „Source“ dagegen hübschte 2004 die in die Jahre gekommene 1.6-Version extrem auf und nun macht „Global Offensive“ ...ja, was eigentlich? Auch acht Jahre nach ihrer erstmaligen Nutzung werkelt noch immer die Source-Engine im Hintergrund. Das Spiel sieht zwar merklich besser aus als „CS: Source“, rechtfertigt an sich aber keinen neuen Release.

Trotzdem ist „Global Offensive“ nun erschienen, trotzdem habe ich es mir gekauft und trotzdem habe ich erneut Stunden damit verbracht. Der Grund dafür ist auch gleichzeitig der größte Kritikpunkt: Es hat sich kaum etwas verändert. Noch immer laufe ich durch die gleichen Maps mit den größtenteils gleichen Waffen , nutze die gleichen Routen... und habe gleich viel Spaß. Die „Counter-Strike“-Formel funktioniert erneut tadellos – womöglich besser denn je. Denn heutzutage hat man sich so sehr an Run & Gun-Shooter wie „Call of Duty“ gewöhnt, dass das Waffenverhalten von „CS“ zunächst geradezu abschreckend wirkt. Wer mit der AK 47 mehr als zwei Kugeln auf einmal verschießt, trifft wegen der Streuung nichts mehr. Anstatt wild durch die Gegend zu springen, sobald man angeschossen wird, heißt es nun ruhig bleiben und schnell reagieren.  Das ist noch lange nicht der Realitätsgrad, den man etwa aus „ARMA 2“ gewohnt ist, aber trotzdem eine ganz andere Liga als „Medal of Honor“ und Co.

Zu den wenigen Neuerungen gehören die beiden neuen Spielmodi Arms Race und Demolition. Bei Arms Race seid ihr auf einer von zwei kleinen Maps unterwegs und bekommt für jeden Kill eine neue Waffe zugeteilt. Habt ihr mit 26 verschiedenen Waffen (die im letzten Drittel immer schlechter werden) einen Kill erlangt müsst ihr zuletzt mit dem Messer ran. Wer als erstes mit dem Messer einen Kill bekommen hat, gewinnt. Bei Arms Race geht jede Illusion von Taktik verloren und stattdessen gewinnt derjenige mit dem schnellsten Abzugsfinger und den schnelleren Reaktionen. Das kann eine nette Abwechslung vom taktischen „Counter-Strike“-Alltag sein, hat wegen seiner zwei Mini-Maps aber nur wenig Langzeitmotivation.

Demolition dagegen kombiniert die klassischen „Counter-Strike“-Modi mit Arms Race und entfernt die Möglichkeit, sich selbstständig Waffen zu kaufen. Stattdessen bekommt ihr mit jedem Kill automatisch eine neue Waffe. Mit sechs neuen Maps bietet dieser Modus sogar ordentlich etwas zu entdecken. Skurril und ärgerlich ist es aber, dass all diese Maps ausschließlich im Demolition-Modus spielbar sind. Obwohl das grundsätzliche  Spielprinzip rund um das Bombenlegen und Geiseln retten identisch ist, sind sie nicht im klassischen Modus verfügbar – dort gibt es lediglich Remakes alter Karten und das sind ebenfalls nur acht Stück. Auf dem PC macht das nicht wirklich viel aus: Dort ist fest damit zu rechnen, dass dank Mod-Support neue Maps schon bald im Überfluss verfügbar sein werden. Auf der Xbox 360 dagegen wird es kritischer: Da ist die Befürchtung absolut berechtigt, dass Valve uns demnächst mit einer Wagenladung DLCs erschlägt.

Eine der wenigen neuen Waffen, die spielerisch einen wirklichen Unterschied machen, ist der Molotov Cocktail. Damit deckt ihr einen kleinen Bereich der Map mit Feuer ein und verhindert so das Durchkommen. Insbesondere in engen Passagen kann so für einige Sekunden ein Rush verhindert und ein Hinterhalt zurechtgelegt werden. Ansonsten beschränken sich die Änderungen auf Details. Dust1 bietet den Terroristen nun unter der Brücke einen neuen Durchgang, während die Galil weder beim Aussehen noch beim Waffenverhalten etwas mit seinen Vorgängern gemein hat.

Auf dem PC fällt das auf Analogsticks ausgelegte Kreismenü negativ auf, kann aber durch die altbekannten Tastenkombinationen umgangen werden. Etwas irritierend: Granaten und Ausrüstung kauft man nicht mehr per Druck auf die „O“-Taste, stattdessen sind sie nun ebenfalls im normalen Kaufmenü zu finden.

Fazit:

„Counter-Strike: Global Offensive“ ist ein großartiges Spiel, weil „Counter-Strike: Source“ und „Counter-Strike 1.6“ ebenfalls großartige Spiele sind. Grafisch hat sich nicht genug getan, um den Kaufpreis von 13-15€ zu rechtfertigen. Es gibt also drei Gründe, wieso ihr euch „CS:GO“ kaufen solltet:

  1. Ihr seid Konsolenspieler und bisher noch nicht in den Genuss des einzigartigen Gameplays gekommen.
  2. Ihr habt „Counter-Strike: Source“ ausgelassen und wollt ein ordentliches, grafisches Update.
  3. Ihr braucht eine neue Ausrede, um erneut der „Counter-Strike“-Sucht zu verfallen.

Der dritte Punkt traf in meinem Fall zu. Obwohl sich die Neuerungen stark in Grenzen halten und die Verbesserungen gegenüber „CS: Source“ fast unmerklich sind, konnte ich Entwickler Hidden Path einfach nicht böse sein. Im Grunde habe ich 13€ bezahlt, um Dank ein paar neuer Texturen und eines neuen Interfaces erneut mein „Counter-Strike“-Feuer zu entfachen. Viel mehr gibt es in „Global Offensive“ nicht, doch mehr braucht es auch gar nicht.

Wertung: 87%

Weitere Themen: Global Offensive Steam, Valve


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