Crossout: Was braucht ein gutes Free-to-play-Action-Spiel?

Sandro Kreitlow
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Free-to-Play-Titel stehen häufig in der Kritik. Zu viele von ihnen haben den Spielern bereits das Geld aus den Taschen ziehen wollen, ohne dass der Spielspaß im Fokus lag. Crossout will zeigen, wie Free-to-Play richtig geht.

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Crossout - Launch Trailer

Neben den Schlagwörtern Pay2Win und Abzocke nennen Spieler oft auch andere negative Aspekte von Free-to-Play-Spielen: Suchtfaktor, minderwertige Qualität, unfreundliche Spieler-Gemeinschaften oder eintönige Spielgestaltung. Auch Crossout basiert auf dem Free-to-Play-Modell. Doch dabei achten die Entwickler von Targem Games und ihre Publisher Gaijin Entertainment ganz genau darauf, ein faires Free-to-Play-Spiel zu entwickeln, wie Dennis Wierzbowski, PR & Partner Communications Manager bei Gaijin Entertainment, erzählt.

Was ist Crossout?

Crossout ist ein postapokalyptisches Action-MMO, das vom etwa 100-Mann-großen Team von Targem Games stammt. Titel wie Hard Truck: Apocalypse werden weiterhin unterstützt und verfeinert, ein Großteil der Entwickler arbeitet jedoch an Crossout. Dennis nennt es gern Crafting & Combat MMO. Du bist einer der Überlebenden und musst dein Fahrzeug zusammenbauen, um für die Ressourcen zu kämpfen. Ein Alleinstellungsmerkmal dabei ist das Crafting-System. Mad Max-Fans kommen hierbei auf ihre Kosten. Die Kinofilm-Reihe von George Miller war hier Inspiration. So kannst du allerlei Räder und Ketten auswählen, oder aber du entscheidest dich für beides.

So spielt sich Crossout

Die Entwickler wollten sich also von vornherein abheben. Doch das ist gar nicht so leicht im Free-to-Play-Bereich, der schnell in die Kritik gerät. Im Hinterkopf sind dabei fälschlicherweise vor allem oft Pay-to-Win-Spiele aus dem Mobile-Markt.

Warum überhaupt Free-to-Play?

Free-to-Play ist nur eines von mehreren Geschäftsmodellen der Videospielindustrie, zu denen auch Buy-to-Play zählt. Warum sich die Entwickler zum zweiten Mal ausgerechnet für dieses Modell entschieden, erklärt Dennis:

„Wir haben uns bereits dank Hardtuck eine Menge Wissen angeeignet, sowohl im Betrieb, als auch in der Umsetzung. Deswegen war die Entscheidung, wieder in diesen Bereich zu gehen naheliegend, da wir auf Kompetenzen zurückgreifen können und ein großes Potenzial sehen, weil du natürlich als Spieler in das Spiel schauen kannst, ohne dass du Geld bezahlst. Zum Vergleich: Momentan läuft die Early-Beta-Phase, an der du nur mithilfe eines gekauften Paketes teilnehmen kannst, wobei wir gleich schon sehen, dass nicht so viele Spieler erreicht werden, wie in einem fertigen Free-to-Play-Titel.“

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Zudem ist es für die Entwickler ein immenser Vorteil, in Early-Beta-Phasen auf das Feedback der Spieler hören zu können, um unter anderem ein besseres Matchmaking zu ermöglichen.

„Du hast abgesehen von dem Download keine Einstiegshürde bei einem Free-to-Play-System. Bei Pay-to-Play-Titeln wie die ganz großen Battlefields und Call Of Dutys hast du den Nachteil, dass es im schlimmsten Fall nach einem Jahr nur noch wenige spielen, da bereits der nächste Titel vom gleichen Entwickler veröffentlicht wird. Bei Enlisted (einem anderen Spiel des gleichen Publishers, Anm.d.Red.) haben wir sogar unsere Crowdfunding-Unterstützer gefragt, ob sie lieber einen Free-to-Play oder aber einen Pay-to-Play-angelehnten Titel haben wollen. Das Ergebnis: Zwei Drittel wollten ein Free-to-Play-System. Der Willen ist eben da.“

Abgesehen davon ist laut Dennis der Lebenszyklus eines Free-to-Play-Spiels einfach länger. Während Entwickler eines „normalen“ Spiels, das auf den Markt kommt, erst im Nachfolger aus Fehlern des vorherigen Spiels lernen können, bietet sich für Free-to-Play-Entwickler die Möglichkeit, permanent auf das Feedback hören, um das Spiel ständig zu verbessern.

Berechtigte Kritik an Free-to-Play?

Beim Begriff Free-to-Play sehen inzwischen viele Spieler gleich rot. Oft wird sofort erwartet, dass die Entwickler dein Geld aus der Tasche ziehen wollen. Die Kritik ist teilweise berechtigt, die Gratwanderung zwischen einem fairen Free-to-Play-System, das dennoch Gewinn abwirft und Pay-to-win oder einfach schlichter Abzocke, sehr schwierig.

„Das ist tatsächlich keine einfache Aufgabe. Aber: In keinem guten Free-to-Play-System kann sich jemand Vorteile erkaufen, die ein anderer Spieler sich nicht erspielen kann. Wenn es beispielsweise eine gute Waffe im Spiel gibt, die du dir nur kaufen kannst, dann ist das für Spieler schlecht. Die Prämisse für uns war: Wir machen keine unfairen Vorteile, die man sich erkaufen kann. Bei Crossout sind es auf der einen Seite ausschließlich optische, individualisierte Sachen, wie Farbdosen und Verschönerungen für dein Fahrzeug und auf der anderen Seite Abkürzungen: Das, was jemand durch längeres Spielen erreicht, kannst du schneller erreichen, indem du dafür bezahlst.“

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Crossout: Gamescom 2015 Gameplay trailer

Statistiken beweisen: Von den Spielern, die in Free-to-Play investieren, geben die meisten nur kleine Beiträge aus, gleichzeitig gibt es aber auch einige wenige, die viel Geld zahlen. Das Crossout-Entwicklerteam schaut dabei grundsätzlich auf die breite Masse, da möglichst viele Spieler erreicht werden wollen, statt nur ein Nischentitel zu sein. Auch Leute, die nichts oder wenig ausgeben wollen, sollen befriedigt werden.

Um das zu erreichen, werden regelmäßig Events stattfinden, bei denen Spieler hilfreiche Inhalte gewinnen können. Bei Warthunder (einem weiteren Spiel des gleichen Publishers, Anm.d.Red.) konnte so der Großteil aller Spieler gebunden werden. Hinzu kommen Spieler, die fast alle Premium-Inhalte freigespielt haben, ohne Geld ausgegeben zu haben, sondern einfach an den regelmäßigen Events teilgenommen haben.

Zum Open-Beta-Release konntest du dich bereits fünf Fraktionen anschließen mit unterschiedlichen Ausrüstungen, um unterschiedliche PvP-Missionen und PvE-Modi zu spielen. In-Game-Geld kannst du schon erhalten, indem du Ressourcen, die du dir erspielt hast, an andere Spieler verkaufst. All das und noch viel mehr ist seit dem offiziellen Release möglich.

Ob Targem Games mit Crossout ein faires Free-to-Play-Modell gelungen ist? Davon kannst du dich selbst überzeugen, denn das postapokalpytische MMO ist bereits in vollem Umfang spielbar.

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