Kickstarter Report – Revolution oder Seifenblase: Wir lassen die Spiele entscheiden

von

Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Spätestens seit dem unglaublichen Erflog von Tim Schafers „Double Fine Adventure“ wissen wir: Die Spielewelt ist reif für die Idee des Crowdfunding. Was letztes Jahr noch als nett gemeintes Finanzierungskonzept für die zahlungskräftige Kulturelite gehandelt wurde, boomt aktuell wie Sau. Immer mehr interessante Projekte tauchen dieser Tage auf Kickstarter & Co auf, etliche Spiele sind bereits vollständig finanziert und werden gerade entwickelt. Über 100 Millionen Dollar wurden 2011 auf Kickstarter mobilisiert. Crowdfunding ist innerhalb kürzester Zeit zum wichtigsten Geschäftsmodell der gesamten Indie-Szene avanciert. Doch selbst die mächtigste Idee ist wertlos, wenn sie nicht gut umgesetzt wird. Wir haben uns die vielversprechendsten Games einmal genauer angesehen und stellen sie euch in unserem Crowdfunding Report vor.

Kickstarter Report – Revolution oder Seifenblase: Wir lassen die Spiele entscheiden


Als wir uns im April 2011 mit den Betreibern der Crowdfunding-Seite pling.de zum Interview trafen, ahnten wir bereits, dass da etwas Großes auf die Kulturwelt zukommen würde. In unserem Gespräch mit David Heberling und David Holetzeck ging es damals nicht nur um das Konzept der Schwarmfinanzierung, sondern auch um das kleine Spieleprojekt „Saber Rider and the Star Sheriffs“, welches zu dieser Zeit mit dem Motto „Von Fans für Fans“ auf pling.de für Unterstützung warb. Kurz nach unserem Interview rollte das Spiel zur Trickfilmserie dann mit einem Etat von 15.490 Euro vom Stapel. Mehr als genug, um das leidenschaftliche Privatprojekt von Game Designer Chris Strauß zu finanzieren.

Wie „Saber Rider and the Star Sheriffs“ wurde 2011 gleich mehreren Indie-Projekten ein unverhoffter Geldsegen zuteil. Crowdfunding ließ die unausgesprochenen Träume von Entwicklern und Spielern wahr werden. Meist waren es Nischenprodukte, denen die etablierten Publisher zuvor eine klare Absage erteilt hatten. Vergessene Kultspiele, radikal entschlackte Hardcoretitel, innovative Genrehochzeiten, verspulte Lachnummern oder kunstvolle Reflektionen über das Spielen an sich – mit anderen Worten genau die Art von Projekt, die einen marktwirtschaftlich denkenden Finanzier Sätze wie „Danke, wir melden uns dann bei ihnen“ sagen lässt.

Kickstarter – Scheitern als Chance

In dieser Hinsicht fungieren Crowdfunding Portale wie Kickstarter.com immer auch als Sammelbecken für gescheiterte Ideen. Entweder die Publisher schätzten das Absatzpotential dieser Spiele als zu gering ein oder aber die Entwickler gingen ihrer Meinung nach ein zu hohes Risiko ein. Es genügt schon ein Blick auf die aktuellen Verkaufscharts, um zu erkennen, wie sehr die Geldgeber im Games-Business echte Wagnisse scheuen. Fast alle großen Titel tragen dieser Tage eine Zahl im Namen. Fortsetzungen minimieren das Risiko – Experimente gelten hingegen als gefährlich.
Das Crowdfunding macht aus dieser vermeintlichen Schwäche eine Stärke. Mut zum Experiment und fehlende Massentauglichkeit werden mit treuer Anhängerschaft und dem nötigen Kleingeld belohnt. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein.

Ob uns das Phänomen der Schwarmfinanzierung in dieser Form erhalten bleibt, ist noch vollkommen offen. Sollte der Boom anhalten, droht das Konzept des Crowdfunding zum Beispiel durch seine flächendeckende Anwendung zu verwässern. Die Folge könnten Missbrauch und Inflation des überzeugenden Grundgedankens sein. Auch muss man sich fragen, wie die Unterstützer zu ehrgeiziger Projekte mit echten Enttäuschungen umgehen werden. Schließlich ist das Crowdfunding keine Garantie für gute oder – schlimmer noch – fertiggestellte Spiele.

Crowdfunding – Zu schön, um wahr zu sein?

Die wahrscheinlich wichtigste Frage lautet aber: Was machen die mächtigen Akteure im Spielmarkt, wenn das Crowdfunding für sie zu einem ernsten Problem wird? Immerhin macht sie das neue Geschäftsmodel mit einem Schlag überflüssig. Die Distribution erfolgt in der Regel digital und auch die Werbung ist unnötig, da die Kunden über ihre enge Unterstützung längst an das Produkt gebunden sind. Dass man das Phänomen in den Chefetagen der Publisher genaustens beobachtet, lässt sich hier und da bereits erahnen. So binden zum Beispiel Publisher wie Ubisoft die Fans mit Hilfe von Umfragen sehr viel mehr in die Entstehungsprozesse ihrer Spiele ein. Dürfen wir bald selbst entscheiden, ob es ein neues „Assassins Creed“ geben wird, welches Szenario es umsetzt, welche Storyelemente verwendet werden – und viel wichtiger, wollen wir das überhaupt?

Wie auch immer die Zukunft des Crowdfunding aussehen wird, es gibt zahlreiche Gründe, seine Gegenwart zu genießen. Wir möchten euch ein paar dieser Gründe nun kurz vorstellen und freuen uns wie immer auf euer Feedback. Welches der hier vorgestellten Spiele gefällt euch, was lässt euch vollkommen kalt und natürlich: Was ist eure Meinung zum Crowdfunding? Ist es die erhoffte Branchen-Revolution oder wird die Hype-Blase bald platzen? Los geht´s...

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

Anzeige
GIGA Marktplatz