WLan für alle – Die Sorglosbox soll offene Netze vor Abmahnungen schützen

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Die sorglose Zeit währte nur kurz. Wer früher Cafés oder Kneipen besuchte, nutzte die offenen WLan-Netze der Gastronomen, um kostenlos im Internet zu surfen. Dann kam das sogenannte Störerhaftung-Urteil des BGHs aus dem Jahr 2010. Fortan wurden alle Anbieter offener Netze in Haftung genommen. Verstößt ein Nutzer des Service durch illegale Downloads gegen geltendes Recht, wird der Anschlussinhaber per Gesetz gezwungen, seine Surf-Pforten zu schließen. Die Folge war eine flächendeckende Sperrung der offenen Netze in Deutschland. Die Angst vor Abmahnungen obsiegte. Die schwarmfinanzierte „Sorglosbox“ soll das nun ändern.

WLan für alle – Die Sorglosbox soll offene Netze vor Abmahnungen schützen

Und es könnte tatsächlich funktionieren. Momentan befindet sich das kleine Gerät in der Beta-Phase. Es ist ein vorkonfigurierter Router. Kostenpunkt: schlappe 20 Euro. Wer die „Sorglosbox“ für sein WLan-Netz verwendet, muss in Zukunft keine Abmahnungen mehr fürchten. Diese gehen direkt an das Projekt „sorglosinternet“ und landen dort mehr oder weniger im Papierkorb.

Hintergrund ist ein Gesetz, das Telekommunikationsanbieter von der Haftung befreit. Was ursprünglich für Access-Provider à la Telekom Hotspots vorgesehen war, wird von den „sorglosinternet“-Initiatoren über einen rechtlichen Umweg wieder den Menschen zugänglich gemacht, die ihr Internet mit Gästen teilen wollen.

Die technische Schutzfunktion der „Sorglosbox“ ist denkbar einfach. Der Router stellt eine Verbindung zu einem VPN-Server her, der als Access-Provider vor etwaigen Strafverfolgungen geschützt ist. Die IP-Adresse, die im Falle eines illegalen Downloads ermittelt wird, stammt somit nicht länger vom Anschlußinhaber, sondern vom Server des „sorglosinternet“-Projektes. Hier landen dann auch die Abmahnungen jener Kanzleien, die sich auf illegale Downloads spezialisiert haben.

Und hier wird die Sache interessant. Laut Wolfgang Lauterbauch, Projektgründer bei „sorglosinternet“, will man mit dem Gerät den Gastronomen aus der Rechtspatsche helfen und gleichzeitig den Druck auf die Politik erhöhen. Die sieht er nämlich in der Pflicht, die massenhaften Abmahnungen durch Kanzleien besser zu reglementieren.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass weniger die Musikverlage oder die Filmwirtschaft von den Abmahnungen profitieren, sondern die spezialisierten Kanzleien, die aus der geltenden Rechtsprechung ein gutes Geschäft gemacht haben. Eine wirtschaftliche Eigendynamik, die für viele Netzaktivisten ein ernsthaftes Problem darstellt.

Mit „sorglosinternet“ wollen die Macher somit nicht zu Straftaten aufrufen, sondern freie Internetzugänge in der Öffentlichkeit wieder ermöglichen. Folgt man der Logik des Projektes, dann müssen 98% der deutschen Internetnutzer, die Rechtsverstöße jener 2% ausbaden, die illegal downloaden – und die Anbieter offener W-Lan-Netze zahlen dafür die Rechnungen.

Gleichzeitig werden über das Projekt erstmals die Zahl der verschickten Abmahnungen und die Namen der verantwortlichen Kanzleien einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Grund für die Abmahnungen – also wer was heruntergeladen hat – wird hingegen nicht erhoben. Diese Daten bleiben anonym. Für politischen Sprengstoff ist also gesorgt.

Quelle: indiegogo /taz 

 

 

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