Dead Space 3 Test: Von diesem Spiel kriegt man das Schreien

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Rund acht Stunden sind vergangen und ich schaue auf die Uhr. Wie lang denn noch? Seit etwa sechs Stunden will ich bereits nicht mehr, war zunächst geschockt, dann sauer und will jetzt einfach nur noch, dass es endlich aufhört. Es ist einer dieser Momente im Alltag eines Spielejournalisten, wo das Hobby, das zum Beruf wurde, zur nervenden Arbeit ausartet. Dass es hier um eine Spielreihe geht, dessen Erstling ich verehrt habe, macht es kaum besser.

Dead Space 3“ heißt das Ding, ein Spiel, auf das man nach einem großartigen ersten Teil und der immer noch sehr guten (aber zu routinierten) Fortsetzung durchaus gespannt sein konnte. Bis die E3 2012 kam, einen Koop-Modus als Highlight ankündigte und die Präsentation in reinstes Actiongewitter tauchte. Natürlich fragt sich der geneigte Fan zu Recht, ob das denn noch „Dead Space“ sei.

Ist es nicht! Natürlich sind die Eckpfeiler noch vorhanden. Die herrlich widerlichen Nekromorph sind drin, die Marker, der Glibber und das „strategic dismemberment“. Wo aber einst bedrohliche Lichtstimmung und die exzellente Soundkulisse für schleichenden Terror sorgten, hat sich Visceral Games jetzt auf Spieldesign für Begriffsstutzige geeinigt. Wann immer ihr hier einen Raum betretet, schmeißt man euch einfach ein dutzend Gegner an den Kopf und weiter geht's.

Möglicherweise soll das Terror erzeugen (siehe Resident Evil), mir jedoch macht es Kopfschmerzen. Und das nicht etwa wegen des Konzepts, sondern weil es nicht funktioniert. Isaac, der sich immer noch wie ein Panzer steuert, ist zu Träge, das Waffenhandling zu starr, die Magazine zu schnell leer, der Schaden zu gering. Viele Gefechte arten in wüste Verrenkungen aus, weil die neuerdings extrem flinken Nekromorphs im Nu überall um euch herum wuseln.

Es steht außer Frage, dass die bloße Wiederholung des zweimalig erprobten Rezeptes auch nicht für Begeisterungsstürme gesorgt hätte. Aber dieser Wandel ist keine Evolution, sondern einfach nur falsch. Er spielt sich frustrierend, nutzt sich im Handumdrehen ab und funktioniert in jedem Drittklasse-Shooter besser. Das neue Deckungssystem ist völlig unnötig, dafür sind die Gegner schlicht zu dumm. Die KI der menschlichen Widersacher ist sogar ein Desaster.

Das neue Crafting-System, mit dem EA den Spielern auch Echtgeld aus den Taschen ziehen will (denn die richtig guten Waffen sind derart teuer, dass wir uns davon nicht eine leisten konnten), sorgt dafür, dass man auch im späten Spiel noch von jedem Standardgegner mehrere, nervige Minuten aufgehalten wird.

Und wenn es schon dicke kommt, dann eben richtig: Neben all den Mängeln findet nun auch noch das eigentlich in „Dead Space 2“ ausgemerzte Backtracking wieder den Weg ins Spiel. Immer wieder schickt euch das Spiel hin und her, gegen Ende des Spiels bereist ihr einige Gänge und Räume drei Mal und mehr. Und wieso muss ich vor jeder (!) Tür stets und ständig mehrere Sekunden warten, bis es weitergeht? So wird das Umhergerenne irgendwann zur Ultraqual.

Und immer noch seid ihr nicht mehr als bloßer Laufbursche für den kleinen Mann im Ohr: Über Funksignal heißt es dann „Schalte den Strom wieder an. Und jetzt noch den Fahrstuhl. Oh, jetzt ist der Strom wieder aus. Geh die Gasleitung flicken.“ Viel erwarte ich nicht von den Quests eines Action-Titels, aber ein Mindestmaß an Motivation sollten sie schon erzeugen. Rätsel gibt es zwar auch wieder, aber die könnte auch meine Cornflakes-Schüssel lösen.

Inszenieren kann sich „Dead Space“ immer noch nicht. Die Handlung ist redundant, zumal sie ohnehin nur über Funkgespräche funktioniert. Zwischensequenzen gibt es nur wenige und wenn, passiert praktisch nichts. Die seltenen Storyhöhepunkte, gehen dann auch noch baden –  selbst der emotionalste Moment verpufft eben, wenn er lediglich über das rauschende Knistern eines Intercom-Signals transportiert wird.

Was ist es dann überhaupt, was „Dead Space 3“ noch ausmacht? Was es kann? Nun, als Fans von Sci-Fi-Horror wie „Alien“ oder „Event Horizon“ genießen Tobi (der es ebenfalls durchgespielt hat) und ich die Atmosphäre. Teil 3 hat einige wenige Setpieces, die stimmungsvoll sind, obgleich man viele davon schon aus den Vorgängern kennt. Der Soundtrack ist abermals klasse, Licht und Ton spielen leider keine Rolle mehr. Grafisch ist „Dead Space 3“ den Limitationen der aktuellen Konsolengeneration erlegen.

Fazit:

Als Dead Space 2008 erschien, schrieb ich in meinem überschwänglichen Test: „Eines der wenigen Spiele, von denen ich dringend eine Fortsetzung möchte.“ Heute, nur fünf Jahre später, möchte ich mich für meine alten Gedanken einfach nur Ohrfeigen. Wie konnte ich nur so naiv sein und glauben, dass diese Reihe genau so roh, ungestüm und unverbraucht bleiben würde, wie sie begann...

EA hat aus dieser einstigen Horror-Perle eine Marke gemacht, fein säuberlich auf Massentauglichkeit getrimmt, nachdem jegliche Spur von Seele oder Herz entfernt wurden. Der klaustrophobische Grusel ist stumpfem Geballer gewichen, die einst faszinierende Mischung aus groteskem Design und dichter Atmosphäre hat sich zur Routine gewandelt, ohne Abwechslung, ohne Esprit.

„Dead Space 3“ gleicht sich damit stark an „Resident Evil 6“ an – auch das ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst, den wohl nur Serienneulinge lieben können. Allerdings: Dead Space und seine Spielmechanik waren auf pointierte Action ausgelegt, die im neuen Terror-Gewand nicht mehr funktioniert – mehr als Frust bleibt am Ende nicht. Und ein neuerlicher Aufruf: Bitte EA, hört auf dieses Spiel fortzusetzen – immerhin habt ihr gerade mal zwei Spiele gebraucht, um aus einem Meisterwerk ein Desaster zu machen. Reife Leistung.

Wertung: 69%

Weitere Themen: Dead Space 3 Demo, gamescom 2013 – Alle Infos, das Gewinnspiel und wo ihr uns treffen könnt, Electronic Arts


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