Deadly Premonition Director’s Cut Test: Ein Desaster, das wütend macht

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Ich bin traurig. Traurig und wütend. Auf der Xbox 360 habe ich Deadly Premonition zwei Mal durchgespielt und empfehle es seit knapp drei Jahren jedem, der gewillt ist, mir zuzuhören. In meinen Kopf hatte ich den Test für den PS3-exklusiven Director's Cut schon fertig geschrieben – wie ich die seltsame Faszination dieses unvergleichlichen Spiels in Worte fassen würde. Wie ich erkläre, warum es trotz furchtbarer Spielmechaniken zu den unterhaltsamsten Games der letzten Jahre gehört. Stattdessen muss ich etwas anderes schreiben: Deadly Premonition: Director's Cut ist der schlechteste Port dieser Konsolengeneration, absolut unspielbar und eine riesengroße Frechheit.

Mir ist noch nie ein Spiel untergekommen, das bei mir Übelkeit oder Kopfschmerzen auslöste. “Deadly Premonition: Director's Cut” hat das geändert – wegen einer technischen Umsetzung, für die sich offensichtlich der betrunkene Barkeeper der dem Entwicklerstudio gegenüberliegenden Kneipe verantwortlich zeigte. Anders kann ich mir nicht erklären, was hier passiert ist.

Die Mindest-Grenze für eine einigermaßen flüssige Spielerfahrung liegt bei 30 Bildern pro Sekunde – mittlerweile ist dies der Standard bei Konsolenspielen. Es gibt Ausnahmen, in denen die Framerate mal nach unten einbricht – schon bei wenigen Bildern pro Sekunde weniger ruckelt es dann merklich. Dark Souls etwa wurde berühmt für sein Blighttown-Areal, in dem die Framerate komplett zusammenbricht.

“Deadly Premonition: Director's Cut” unterbietet Blighttown locker – allerdings nicht nur in speziellen Arealen, sondern immer. Die Framerate krebst regelmäßig an der zweistelligen Grenze herum. Wenn es sehr gut läuft und gerade keinerlei Effekte dargestellt werden müssen, kann das Spiel etwa mit Blighttown mithalten. Was für ein Erfolg.

Das Ruckeln ist so schlimm, dass es nicht nur ein Ärgernis ist. Es geht so sehr auf die Augen, dass ein Weiterspielen nach 30 Minuten schlicht und einfach unmöglich gemacht wird. Spätestens wenn man das erste Mal in ein Auto steigt und durch die Stadt fährt, ist dieser Punkt erreicht: Die überall flimmernden Kanten und Pop-Ups aus der 360-Version werden gemischt mit geschätzten 10 Bildern in der Sekunde – das fühlte sich dann so an, als würde mir das Spiel seinen virtuellen Finger in den Hals stecken und gleichzeitig mit einem Hammer meinen Schädel malträtieren.

Das ist es, was ich hier noch einmal betonen muss: Die Framerate ist nicht nur ein Ärgernis. Sie ist nicht einfach nur nervig und lenkt ein wenig vom eigentlichen Spiel ab. Die Framerate ist so niedrig, dass sie das Spielen von Deadly Premonition unmöglich macht. Das Produkt, das hier für 40 Euro verkauft wird, ist schlicht und ergreifend defekt.

Das reichte aber anscheinend noch nicht. Die völlig inakzeptable Framerate wird ergänzt durch regelmäßige Nachlade-Ruckler, die das Spielgeschehen für eine Sekunde komplett anhalten. Etwa, wenn jemand etwas sagt und die Audiospur geladen werden muss. Oder wenn ein Blitz die Umgebung erleuchtet. Oder wenn man explosive Tonnen zerschießt. Oder wenn Blut dargestellt werden soll, nachdem man einen Gegner erschossen hat. Oder auch regelmäßig komplett ohne ersichtlichen Grund.

Weil ich mir nicht sicher war, ob meine Playstation 3 vielleicht einfach im Sterben lag, versuchte ich es an einer anderen Konsole. Die Probleme blieben bestehen.

Viele der Audioaufnahmen sind zudem mit einem seltsamen Hall-Effekt unterlegt, den es auf der Xbox 360-Version nicht gab – eindeutig ebenso ein Bug, der so nicht gewollt war.

Hinter all diesen Problemen steckt noch immer ein Spiel, das mir mehr Spaß bereitet hat, als die meisten anderen Spiele der letzten drei Jahre. Ein Spiel, das jeder selbst erlebt haben sollte. Leider ist das jedoch völlig egal, weil die technischen Probleme es unmöglich machen, es in irgendeiner Form zu genießen.

Fazit:

Dass “Deadly Premonition: Director's Cut” ernsthaft für Geld verkauft wird, grenzt an Betrug. Es ist, als würde ich einen Film kaufen, bei dem das Bild alle zwei Sekunden ausfällt. Es ist, als würde ich ein Buch kaufen, in dem jeder dritte Buchstabe fehlt.

Der Entwickler Access Games und insbesondere der Director von “Deadly Premonition” und dieses Director's Cuts – Swery – sollten sich schämen. Dafür, dass sie seit einem Jahr durch die Welt reisen, sich konstant bei ihren Fans bedanken und im gleichen Satz erklären, sie sollten sich unbedingt den Director's Cut kaufen. Schließlich gäbe es verbesserte Grafik, eine verbesserte Steuerung und neue Cutscenes!

Tatsächlich sieht das Spiel noch genauso schlecht aus wie vorher (wogegen ich überhaupt nichts habe!), läuft aber, als würde ich es auf einem Nintendo 64 zocken. Das hart erarbeitete Vertrauen der letzten drei Jahre wird mit diesem Machwerk innerhalb weniger Minuten komplett zerstört.

Vielleicht gibt es dort draußen jemanden, der mit all diesen Problemen leben kann. Dann steckt noch immer das gleiche, tolle Spiel mit einigen angenehmen Tweaks hinter der Fassade. Für diesen Menschen gibt es einen zusätzlichen Punkt auf die Mindestwertung. Für alle anderen sei  hier eine ausdrückliche Kaufwarnung ausgesprochen.

Wertung

2/10
Getestet von Robin

Ich bin wirklich traurig, dass ich diese Wertung geben musste, denn ich mag das Original sehr. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie man ein Produkt in diesem Zustand veröffentlichen kann. Solltet ihr das Spiel bereits vorbestellt haben, rate ich euch, die Bestellung zu stornieren und im besten Falle gleich noch eine Mail an Rising Star Games rauszuhauen. Eine solche Frechheit ist mir selten untergekommen.

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65 Leser haben Deadly Premonition: The Director’s Cut mit durchschnittlich 4 von 10 Punkten bewertet. Und wie gefällt's dir? Gib deine Wertung ab!

Na, angefixt?


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