Defiance Ersteindruck – Wohl eher Arkfail

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TV-Serie und Videospiel zu vereinen, klingt interessant. Aber es wirft auch Fragen auf: Ist das eine nicht vom anderen abhängig? Was passiert, wenn die TV-Serie frühzeitig eingestellt wird? Ist der geplante Einfluss, den man als Spieler auf die Serie hat, nicht höchstens oberflächlich? Diese Fragen wollen und können wir ob der noch nicht gestarteten SyFy-Serie „Defiance“ nicht beantworten. Wir können euch aber sagen, ob „Defiance“ als Spiel funktioniert. Ein Ersteindruck.

Mit „Rift“ hat sich Entwickler Trion Worlds 2011 eine kleine Nische geschlagen: Dynamische Events, ein cleveres Klassensystem und eine interessante Welt halten das MMORPG auch heute noch am Leben.

Wo soll man nur anfangen? Am besten mit einem vorgezogenen Fazit: „Defiance“ ist in fast jeder Hinsicht Durchschnitt. Da wäre die kaum erklärte Geschichte: Mit einem mäßig informativen Introvideo und diversen Ingame-Cutscenes will mir „Defiance“ erzählen, worum es geht. Ich weiß, dass Aliens auf die Erde kamen, um dort zu leben. Dann brach ein Bürgerkrieg aus und es gab die Schlacht um Defiance und blablabla.

Aus diesem Story-Setup lässt sich bestimmt eine clevere Erzählung spinnen, bisher verpasst „Defiance“ diese Gelegenheit aber auf ganzer Linie. Ich treffe auf Charaktere der TV-Serie, verbringe mit ihnen aber nie viel Zeit, lerne sie nie richtig kennen. Stattdessen mache ich mich über die lachhaften Gesichtsanimationen lustig, die schon 2003 bei „Knights of the Old Republic“ besser waren.

KotOR ist ein gutes Stichwort: Ungefähr in der Region dürft ihr euch die grafische Qualität von „Defiance“ vorstellen. Und das geht 2013 einfach nicht mehr. Vor allem geht es nicht bei einem Spiel, was sich MMO nennen möchte, in dessen Welt ich eintauchen will. Ich wollte nämlich einfach nur noch weg, raus aus diesem hässlichen Ort. Klar, die Erde von „Defiance“ soll eine halb zerstörte sein – das ist aber noch kein Grund, die Farbe Braun vorherrschen zu lassen.

An der Stelle hat „Defiance“ schon halb verloren, oder? Den spielerischen Aspekt habe ich ja noch gar nicht angesprochen: Als Third-Person-Shooter ist „Defiance“ höchstens solide. Spielspaß kommt bei den großen Schlachten auf, bei dynamischen Events namens Arkfalls. Dann stürzen nämlich plötzlich Aliens vom Himmel und greifen in Massen die Erde an. Blitzschnell haben sich dreißig, vierzig, fünfzig Spieler versammelt und verteidigen ihre Welt – das ist noch fetziger als die Rifts aus Trion Worlds‘ Fantasy-MMO.

Aber nach dem zehnten Arkfall verliert auch diese Spielmechanik ihren Reiz. Was bleibt sind Standard-Quests, die teilweise zwar mit Zwischensequenzen aufgelockert werden oder als Time Trial-Variante Adrenalin zum Pumpen bringen wollen, aber sie bleiben eben nur das: Standard-Quests. Töte alle Mutanten, verteidige Punkt B, hole Gegenstand XY. Es wird höchste Zeit, mich ins PvP zu stürzen – etwa wie Matchmaking in ein schnelles Team-Deathmatch. Nur um sofort festzustellen, dass ein Spieler eine hoffnungslos stärkere One-Hit-Kill-Waffe im Arsenal hat und ich am Spawnpunkt gleich die weiße Fahne hissen kann – Balancing geht anders.

Ganz cool ist der Buggy, den man bereits zu Beginn des Spiels erhält. Auf Knopfdruck erscheint das Gefährt aus dem Nichts, anschließend geht es auf die Straße, Turbo-Modus inklusive. Obwohl es schon ein sehr absurdes (und trotzdem irgendwie cooles) Bild ist, wenn nach einem erfolgreichen Arkfall-Event alle Spieler ihre Gefährte erscheinen lassen und wie eine große Gang davon brausen.

Fazit:

Defiance“ mag seine Momente haben, hat mich nach den ersten Spielstunden allerdings schon verloren. Es kann durchaus passieren, dass die TV-Serie eine gelungene Sci-Fi-Story erzählt und so dem Geschehen im Spiel mehr Gewicht verleiht. Bis dahin ist „Defiance“ aber nur ein sehr durchschnittlicher Third-Person-Shooter mit einer furchtbar langweiligen Spielwelt.

Hinweis: „Defiance“ verzichtet auf ein Abo-Modell. Dafür gibt es einen Ingame-Shop, in dem man sich Waffen, Xp-Boosts oder neue Outfits kaufen kann. Ich habe die PC-Version gespielt.

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