Der Herr der Ringe: Krieg im Norden Test - Endlich wieder Mittelerde

Tobias Heidemann
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Mit der Ankündigung von Der Herr der Ringe: Krieg im Norden rannte Warner Bros. seinerzeit offene Türen ein. Die verdienten Snowblind Studios verbündeten sich mit der mächtigen Lizenz der Peter Jackson-Filme, um eine brandneue Geschichte aus der Tolkien-Welt in Form eines Action-Rollenspiels zu erzählen. Auch wir waren gespannt wie Legolas Bogen, als uns die finale Testversion endlich erreichte. Was wir auf unserer Jagd nach dem bösen Angandar, der rechten Hand Saurons, so alles erlebten und ob sich die Reise in den gefährlichen Norden Mittelerdes auch lohnt, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

Der Herr der Ringe: Krieg im Norden Test - Endlich wieder Mittelerde

Tolkien selbst hat den Krieg im Norden in seinem Ring-Epos nur ganz kurz erwähnt. Von verlustreichen Schlachten und dem Mut einer Hand voll tapferer Helden ist da die Rede. Nicht viel, um daraus eine packende Geschichte zu basteln, die dem tolkienschen Erbe gerecht wird und auf dem Niveau der Kinofilme unterhält. Zum Glück ist die Mythologie Mittelerdes ergiebig genug, um mögliche Lücken im Handlungsnetz mit interessanten Schauplätzen und neuen Charakteren zu flicken.

Genau das haben die Snowblind Studios auch getan. Wenn sich der “Der Herr der Ringe: Krieg im Norden” nicht gerade mit den Geschehnissen um den Ringträger Frodo verknüpft oder wie sich die Wege einiger Hauptfiguren aus Tolkiens Büchern kreuzen, dann bereisen wir bisher noch unbekannte Orte wie die Ruinen von Fornost oder die Festung Carn Dûm im Nebelgebirge und treffen dabei auf neue Gesichter aus Tolkiens Fußnoten. Wir, das sind der Waldläufer Eradan, die Zwerge Farin und Andriel, eine elbische Gelehrte aus dem Hause Elronds.

Schwachstellen in der Story

Und damit wären wir auch schon bei der größten Schwachstelle der Story. Den Snowblind Studios will es partout nicht gelingen, den drei Helden ihres Spiels Leben einzuhauchen. Als graue Nebenfiguren kloppen sich die Aushilfs-Gefährten durch ein Schicksal, das uns bis zum Ende egal bleibt. Zwischen Eradan, Farin und Andriel gibt es kaum Interaktion, keine spürbares Bündnis, keine Chemie. Hier wurde ganz viel Potential liegengelassen.


Überhaupt ist das Action-Abenteuer sehr glanzlos und hüftsteif inszeniert. Trotz der reichhaltigen Film-Lizenz mit all ihren wunderbaren Kostümen, dem tollen Monster-Design und dem speziellen Look der Landschaften, will zu keinem Zeitpunkt jene Stimmung aufkommen, die den Fantasy-Schinken von Peter Jackson im Kino so schön beseelte. In den Dialogen klicken wir uns – von einer statischen Kamera gefilmt – durch redundante Gesprächsoptionen oder stehen emotionslos und unbefangen in der Gegend herum.

Glanzlos und hüftsteif inszeniert

Die kurzen, solide synchronisierten Gespräche finden meist in den Siedlungen statt, die wir über eine Übersichtskarte zwischen den Level-Abschnitten aufsuchen können. Schauplätze wie Bree oder Bruchtal sind zwar recht schön eingefangen und sorgen zwischen den ansonsten sehr actionlastigen Passagen für willkommene Ruhephasen – leider erfüllen sie aber kaum einen Zweck. Sie sind in erster Linie hübsche Fassade. Die kurzen Nebenquests, die wir hier aktivieren können, sind nämlich kaum der Rede wert. Allein wegen der Reparatur unserer Ausrüstung sind wir gezwungen, diese Orte aufzusuchen. “Händler” (ein anklickbarer Nebel) finden wir hingegen auch in den Levels.

Bevor wir nun endlich zu dem kommen, was in “Der Herr der Ringe: Krieg im Norden” wirklich Spaß gemacht hat, müssen wir hier leider noch ein bisschen Nörgelei zur Technik unterbringen. Grafisch hat der Ausflug nach Mittelerde immer wieder schöne Panoramen und stimmungsvoll in Szene gesetzte Umgebungen zu bieten. Allzu genau darf man allerdings nicht hinsehen – dann werden deutliche Schwächen sichtbar. Unnatürliche Glanzeffekte geben sich da zum Beispiel mit komischen Lippenbewegungen und matschigen Texturen die Klinke in die Hand. Das ließe sich genauso wie der lineare Level-Aufbau und der mangelnde Detailgrad der Umgebung noch verkraften – die Kollisionsabfrage von “Der Herr der Ringe: Krieg im Norden” scheint hingegen aus dem letzten Jahrtausend zu stammen.

Weitere Themen: Der Herr der Ringe - die Gefährten

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