Destiny 2 im Test: Eine Frage des Schicksals - Abschließende Wertung

Stephan Otto
1

Destiny gilt nicht nur als eines der teuersten Spiele, der Sci-Fi-Shooter wollte auch eine Revolution sein, machte aber einige Fehler. Nun soll der neue Teil das Bild geraderücken, doch kann Destiny 2 überzeugen?

Update vom 19. September 2017
Nach dem Abschluss der Story-Mission und zahlreichen Abenden mit den nachfolgenden Abenteuern bleibt nur eines festzuhalten: Destiny 2 ist ein großartiges Spiel. Neben der Story-Kampagne, die am Ende nun doch einen interessanten Twist hatte und den ausgereifteren, nachvollziehbaren Charakteren gibt es nach Abschluss der Hauptgeschichte tatsächlich noch Unmengen zu tun. Natürlich wartet der Raid, der erst ab einem gewissen Power-Level spielbar ist.

Aber selbst für jene, die eher als Einzelgänger unterwegs sind, bietet Destiny 2 ausreichend zu tun. So folgen noch zahlreiche kleinere Quests, welche die einzelnen Charaktere näher beleuchten und ihre Eigenheiten herausstellen. Wer wollte nicht schon immer einer schizophrenen künstlichen Intelligenz eines Raumschiffes dabei helfen, herauszufinden, was eigentlich mit ihrer Crew passiert ist? Nicht zu erwähnen, dass besagte KI auch noch Failsafe heißt, was so viel bedeutet wie ausfallsicher.

Daneben warten unzählige kleinere Abenteuer und verlorene Sektoren gelöst und entdeckt zu werden. Public Events, die bedeutend häufiger auftreten als noch zu D1-Zeiten. Und natürlich große und kleine Rätsel, um Waffen, Story und Hintergründe.

Warum also keine 10 von 10?

Destiny 2 macht alles richtig, was ein Nachfolger von Destiny 1 richtig machen konnte. Und doch handelt es sich eben eher um ein Reboot, eine fertig gepatchte und reparierte Version des ersten Teils. Sehr gelungen zwar, aber eben auch bitter nötig. Schade ist auch, dass sich der Storyteil, in dem der Spieler als Hüter vollkommen machtlos ist, so kurz gestaltet. Natürlich sind alle der Rotlegion unterlegen. Natürlich muss sich Power-Level, Ausrüstung und Skill erarbeitet werden, doch für alte Spieler kehrt schnell die Gewissheit zurück: „Das ist zu schaffen!“ Und das wiederum ist schade, sowohl für Veteranen als auch Neulinge. Hier hätte Bungie sich ruhig mehr Zeit lassen können, die Geschichte noch feiner erzählen und sich langsamer entfalten lassen können. Es muss anstrengend sein und wehtun. Und ja, auch neue Gegnertypen wären wünschenswert gewesen, ebenso ein größerer Grafik-Sprung, auch auf der Konsole.

Weiter unten liest du weitere Gedanken aus unserem damaligen vorläufigen Test zu Destiny 2 und findest auch eine Wertungsübersicht.

Destiny 2 ist seit Anfang September für Konsolen erhältlich. Im Oktober folgt die Version für PCs. Und wenn du gerade schon mitten in der Story steckst, folgen hier 13 Tipps, die dir im Endgame helfen: 

Destiny 2: 13 Tipps, die euch im Endgame helfen werden

Ursprünglicher Artikel vom 05. September 2017

Die letzte Stadt ist eine brennende Hölle. Der Reisende schwebt in Gefahr. Und zu allem Überfluss haben Ghaul und seine Armee es irgendwie geschafft, den Hütern ihr Licht zu rauben. Kein guter Anfang für eine Geschichte, deren Ende noch vollkommen offen und womöglich tödlich ist. Aber ein sehr guter Anfang für Destiny 2 und für eine Geschichte über Heldenmut, höhere Bestimmung und dem Kampf gegen böse Mächte. Der Stoff also, aus dem Hollywood Schicksale webt und bombastische Unterhaltung zaubert. Bungie möchte mit Destiny 2 dieses Blockbuster-Feeling auf die Konsolen und PCs bringen – und schafft das auch, zum Teil. Ich konnte Destiny 2 auf einem Test-Event in Seattle schon probieren.

Bungie im Interview: Darum ist Destiny 2 besser als sein Vorgänger

Rette die Welt

Imposant. Dieses Wort beschreibt wohl am ehesten, was einem beim Betrachten der neuen Destiny-Welten durch den Kopf geht. Und dabei macht der neue Teil im Vergleich zu Destiny kaum grafische Schritte. Es ist eher die Komposition der einzelnen Elemente innerhalb der Zone, die wirkt, als hätte jeder Stein und jeder Ort einen Sinn und sei am richtigen Platz angebracht. Die EDZ besteht dabei nicht nur aus einer kleinen verlassenen Stadt, die als Anlaufpunkt dient, sondern auch aus großen Waldgebieten und dem Außenposten des Widersachers Ghaul – irgendwie ist es schon ironisch, dass die Bühne für den Kampf um das Schicksal der Galaxie mitteleuropäischer Boden ist. Auch die drei anderen Zonen Io, Nessus und Titan überzeugen mit kreativem Design und sind (gefühlt) größer gestaltet, als noch im Vorgänger.

Release-Liste für September 2017: Diese Spiele erwarten dich

Epische Story? Leider nur teilweise!

Ohne Frage, die Macher haben aus ihren Fehlern gelernt. War Destiny noch ein Sammelsurium unzusammenhängender Story-Teile und aufgemachter, aber nie beendeter, Erzählungen, so hat Destiny 2 jetzt mehr Stringenz. Allerdings ist von der angekündigten und versprochenen epischen Länge nicht viel zu spüren. Denn „episch“ bedeutet ja auch „keine Einzelheiten auslassen“. Dafür allerdings schreitet das Geschehen um dich als auserwählten Hüter im Kampf gegen Ghaul, die Vex und die Gefallenen zu schnell voran. Die Story-Missionen an sich sind zwar länger und ausgefeilter, das allein reicht allerdings nicht, um den Stempel „episch“ zu verdienen. Leider können das auch die Lost Sectors und Abenteuer nicht wirklich auffangen. Natürlich wird auch hier ein wenig Lore vermittelt, allerdings nicht im Umfang einer großen Story-Mission. Dafür helfen sie, deinen Charakter aufzuleveln. Beim Test-Spielen musste ich einige Male auf ein Abenteuer zurückgreifen, um meinen Hüter auf die notwendige Stufe zu bringen, mit der ich dann weiter in der Geschichte voranschreiten konnte.

Bildergalerie Destiny 2 Screenshots neue Subklassen

Hoffnung, die bleibt

Ja, es gibt den Oberbösewicht Ghaul und natürlich ist die Macht des Reisenden nicht das Einzige, was er uns nehmen will. Ihm geht es da um weitaus mehr und Größeres. Doch sollte sich am Ende nicht noch ein vollkommen unerwarteter Twist ergeben, so sind wir auch inhaltlich nur bei gutem, durchschnittlichem Niveau. Allerdings sind bereits jetzt zwei DLCs angekündigt, die mit Sicherheit nicht nur neue Strikes und Raids bringen, sondern auch noch mehr Missionen, welche die Geschichte weiter vorantreiben und erweitern werden. Am Ende bleibt also doch noch die Hoffnung, dass aus der schon sehr guten Space-Opera noch das epische Science-Fiction-Shooter-Meisterwerk wird, welches Destiny immer sein sollte.

Destiny_2_Test_Abschließende_Wertung

 

Fazit und Zusammenfassung

Realistisch betrachtet ist die 2 im Namen von Destiny ein wenig übertrieben, so hart das auch klingen mag. Am Gameplay hat sich kaum etwas geändert und auch das Storygrundgerüst ist (natürlich) das geblieben, was es war: Ein Sci-Fi-Märchen. Allerdings hat Bungie viel aus der Kritik zum ersten Teil gelernt und auch zahlreiche Wünsche seitens der Spieler umgesetzt. Destiny 2 ist also wie Destiny, nur eben ohne all die störenden Dinge des ersten Teils. Ein besseres Destiny. Ein beinahe perfektes Destiny. Für eine endgültige und abschließende Wertung war allerdings auch das Test-Event in Seattle zu wenig. Daher ist unsere Note nur vorläufig und wir werden uns zunächst noch weiter mit dem Titel beschäftigen. Bis hierhin ist allerdings zu sagen: Neustart geglückt.

Destiny 2 wird dir gefallen, wenn du Sci-Fi-Märchen magst, gern ein Jedi wärst und auf witzige Kommentare aus der zweiten Reihe stehst.

Destiny 2 wird dir nicht gefallen, wenn du keine Shooter magst und eher langsame und ruhige Games bevorzugst.

Wertung

9/10
Getestet von Stephan

Destiny 2 ist das fast perfekte Destiny, welches sich die Spieler von Anfang an wünschten. Es schafft den Neustart für Veteranen und liefert genug Anreize für Neulinge.

Weitere Themen: Destiny, E3 2017, E3 2013, Activision

Neue Artikel von GIGA GAMES