DmC: Devil May Cry Test: Die Rückkehr des Teufels

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Capcom mag nicht mehr. Oder kann nicht mehr. Jetzt sollen die anderen ran. Vielleicht weil die Ideen fehlen, vielleicht der Mut oder das Vermögen. Möglicherweise alles zu gleich. Es wirkte dennoch minimal befremdlich, als „DmC: Devil May Cry“ angekündigt wurde und man verlauten ließ, dass nun ein externes und noch dazu europäisches Team die Entwicklung übernimmt. Dass dies das Beste sein könnte, was der Reihe bisher passiert ist, ahnte da sicher niemand.

Ninja Theory heißt das neue Studio, ist verantwortlich für „Enslaved“ und damit zum Fanliebling aufgestiegen. Was die Jungs definitiv können sind Charaktere und Geschichten, Erzählweisen, die aktuellen Standards entsprechen. Obgleich nun also das Intro von „DmC“ in seiner abgespaceten Überinszenierung an alte Tage erinnert, in denen Dante während des Gemetzels mit Pizzas jonglierte, hat der „neue“, alte Serienheld nun etwas, was ihm bisher fehlte: Seele.

Denn plötzlich menschelt dieser eigentlich unmenschliche Supermacho. Die Hintergrundstory des Sohnes vom legendären Dämonenkrieger Sparda und dem Engel Eva ist seinen Vorgängern ähnlich, aber sie rückt deutlich in den Fokus. Flashbacks zeigen dramatische Entwicklungen und erklären, warum Dante nun den Pfad der Rache beschreitet. Und dann ist da noch Kat, eine junge, magiebegabte Dame, zu der die Sprüche klopfende Rampensau Dante zarte Bande knüpft.

Derart unterfüttert wirkt die ansonsten auf beinhartes Herumgesäbel ausgelegte Actionorgie plötzlich sehr viel gehaltvoller. Also, nicht das wir uns falsch verstehen – hier erwartet euch kein Heavy Rain. Mehr als Standards bedient die Geschichte hier nie, aber sie tut es in den Zwischensequenzen mit Stil. Und das derart gut, dass der Spannungsbogen gegen Ende tatsächlich in Regionen zieht, der mich schwer an den Bildschirm gefesselt hat.

Viel größer noch sind die Einflüsse des jungen Teams beim Design. Man merkt, dass hier freche, ungemein kreative Leute am Werk sind, die sich beweisen wollen: Jedes einzelne Level strotzt nur so vor tollen Ideen. Gestalterisch ist das oft ganz groß, spätestens wenn Dante im Club von Dämonin Lilith angelangt, brennt die Netzhaut. Dann gibt es ganze Levels ohne Gravitation, eines verläuft komplett in Zeitlupe und später werden Wege plötzlich mit Kreide eingezeichnet.

Leider, muss man da sagen, gibt es nur wenige Bosse im Spiel, denn auch hier hat Ninja Theory Unglaubliches zu bieten. Der „Anchorman“ gehört für mich jedenfalls zu den ersten WTF-Momenten des Jahres. Das Kampfsystem lässt das Ganze dann zur Styleorgie werden – flüssig ist es, perfekt akzentuiert und ausgewogen. Dass Dante nun aus gleich acht verschiedenen Waffen auswählen kann, macht das wilde Treiben gleich noch mal taktischer.

Und doch muss ich auch meckern: Trotz aller tollen Ideen des Art Departments, der Levelarchitekten und Charakter-/Monsterdesigner schleichen sich regelmäßig kleine Hänger in die Motivationsspirale. Auf riesige Bosse und Welten, die um Dante herum in tausend Stücke gerissen werden, folgen tretmühlenartige Abschnitte, in denen wir Standardgegner um Standardgegner zerlegen, hüpfen und hacken.

Wer mehr zu Dantes neustesm Abenteuer wissen will, schaut unbedingt unser Video Review. Da erklären wir mehr zu Dantes neuen Fähigkeiten, den Waffen und zur Story.

Fazit:

„Das beste Devil May Cry, das es je gab“ – wie das immer klingt. Als würde ich aus einem Test-Lehrbuch für zurückgebliebene Spieleredakteure rezitieren, nur weil dies die x-te Fortsetzung von etwas ist, das schon vorher sehr gut war. Und dennoch komme ich nicht umhin: „DmC“ ist erfüllt mit überbordender Imagination und Stilsicherheit wie es bei einem Spiel im Jahr 2012 sein muss. Ninja Theory hat die Marke „Devil May Cry“ wetterfest für die nächste Spielergeneration gemacht, die sich nun getrost auf „mehr“ freuen darf.

Im Grunde macht “DmC” nicht viel neu – was alte Fans durchaus auch als Schwäche werten können. Am Ende hat Ninja Theory wohl doch der Mut gefehlt, völlig neue Wege zu gehen, vielleicht wollte Capcom es auch nicht anders. Die Spielmechanismen bleiben also gleich – allerdings: erprobt wie sie sind, wäre es wohl auch Unsinn, Dinge wie das genial-flüssige Kampfsystem oder den immensen Stylefaktor fallen zu lassen. Jetzt will ich jedenfalls erst mal mehr von diesem Dante!

Wertung: 89%

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Weitere Themen: Devil May Cry Demo – DmC Demo

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