Diablo 3 Test: Was lange währt, wird schließlich besser

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Eine Kritik zu “Diablo 3″ zu schreiben, ist – mal abgesehen von der Tatsache, dass ich die kommenden Wochen wohl nur sehr spärlich im Tageslicht anzutreffen sein werde – aus vielerlei Gründen eine undankbare Aufgabe. Einerseits ist da der Kult um eines der beliebtesten Spiele aller Zeiten und seine Macher, die mittlerweile ebenfalls Kultstatus genießen. Dann ist da meine persönliche Neigung – der Vorgänger, “Diablo 2″, ist für mich schlicht das Beste, was die Videospielhistorie je zu Gesicht bekommen hat.

Dagegen stehen allerdings sechs Jahre Entwicklungszeit, in denen zunächst das komplette Konzept umgeworfen wurde, die früheren Macher Blizzard North das Schiff verließen (aka gefeuert wurden), dann eine Ankündigung kam, deren vollmundige Versprechungen sich im Jahr 2012 als luftleere Versprechungen herausgestellt haben.

Da standen vage Luftschlösser, wie die Geschichte mit dem Talentsystem, welches man auf jeden Fall neu machen wollte – man wisse zwar noch nicht wie, aber dass es innovativ sein würde, das konnte man schon sagen. Oder das Questsystem – auf der World Wide Invitational 2008 gibt Blizzard noch an, die Art, wie die Spieler eine Quest annehmen, wäre völlig neuartig. Heute wissen wir: Gar nichts ist da neuartig. Und die versprochenen, zufallsgenerierten Levels? Auch raus.

Und dann kam die zweite Jahreshälfte 2011 und mit ihr die Diablo 3-Beta. Plötzlich geriet Blizzard merklich ins Straucheln, strich erst panisch bereits implementierte Features und selbst Klassiker wie die Stadtportale, patchte sie dann wieder rein, anderes später wieder raus. Ein Riesentheater, an dessen Ende der PVP-Modus komplett rausflog, das geheimnisumwitterte Runensytem eilig zurecht gekürzt wurde, nur um endlich fertig zu werden.

Das ist also die Ausgangslage, die meine Erwartungen kurz vor Release nahezu ins Bodenlose gedrosselt hatte. Jetzt, drei Tage später, mit gut 12 Stunden Spielzeit auf der Kappe, ist mir all die Wartezeit, all das inhaltliche Hickhack völlig Bockwurst. Was immer hinter den Kulissen los gewesen sein muss, man merkt es dem Spiel nur äußerst selten an. Im Großen und Ganzen ist „Diablo 3“ nämlich der absolute Wahnsinn.

Schon nach wenigen Stunden, in Akt eins, fragt man sich unweigerlich, wo denn nur wieder die Zeit geblieben ist. Und vor allem, wieso gerade „Diablo“ es so meisterhaft beherrscht, ein schwarzes Loch zu schaffen, das all meine Zeit und soziale Kontaktpflege im Nu aufsaugt. Der Spielfluss ist immens, nie muss man länger als zwei Sekunden warten. Animationen gehen übergangslos ineinander über, wenn ich eine Tür anklicke, kommt keine Wartesequenz, stattdessen laufe ich nahtlos weiter.

Im einst von Blizzard definierten Genre der Hack'n Slays steht „Diablo 3“ damit nahezu allein, einzig  „Torchlight“ konnte in der Vergangenheit ähnlich auftrumpfen. Wenn die  Monster fauchen, Kadaver zerbersten, Items und Gold durch die Luft wirbeln und Zaubersprüche die Luft elektrisieren, dann klingt das für Fans wie eine urige Form von Musik. Und wenn das hier Musik ist, dann gehört Blizzard zu den Johann Sebastian Bachs der Szene.

„Diablo 3“ ist dabei, mehr noch als der kongeniale Vorgänger, auf Zugänglichkeit und Spielbarkeit getrimmt. Items identifiziert man mittlerweile durch einen schlichten Rechtsklick, was Platz im Inventar erspart, allerdings auch die Frage aufwirft, wozu es dieses Feature immer noch gibt. Die Stadtportalrollen wurden ja bereits im Vorfeld prominent entfernt, in der Menüleiste wartet dafür nun ein Icon, dass man anklickt. Und zwar so oft man will. Dadurch sind die Wegpunkte im Grunde obsolet geworden, da das Schnellreisesystem komplett über die Stadtportale funktioniert.

Dass wir im Falle eines Todes nun nicht mehr zwingend zur Leiche rennen müssen, war ebenfalls längst überfällig. Ebenso wie die Möglichkeit gesockelte Edelsteine gegen Bares aus Items zu entfernen. Überhaupt: Da alle Gegenstände im Inventar nur noch maximal zwei Slots einnehmen, müssen wir endlich nicht mehr alle drei Minuten darin herumwühlen. Für Neulinge mögen dies Kleinigkeiten sein, als langjähriger Diablo-Veteran freut und fragt man sich, warum dies nicht eigentlich schon immer so einfach war.

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Weitere Themen: Diablo 3 Patch, Diablo 3 Beta, Activision Blizzard

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