DiRT 4 im Test: Zwei starke Rennspiele in einem

Sandro Kreitlow

Mit DiRT 4 versprechen die Entwickler von Codemasters einen Mix aus Arcade- und Simulations-Rennspiel. Werden Rennspiel-Einsteiger wie auch erfahrene Simulations-Fans gleichermaßen abgeholt? 

Keine Zeit für den gesamten Test? Ganz unten findest du eine Zusammenfassung!

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DiRT 4 | Launch trailer | Be Fearless

DiRT 3 und DiRT Showdown boten eine ganze Menge Spaß für gelegentliche Rennspieler, ehe das herausfordernde DiRT Rally Simulator-Fans begeisterte. Mit DiRT 4 will Entwickler Codemasters nun das Beste aus Arcade und Simulation vermischen. Um das zu ermöglichen, lassen die Entwickler dir die Wahl zwischen Gamer und Simulation. Diese beiden Auswahlmöglichkeiten bestimmen dein Spiel.

Dirt 4: Alle Fahrzeuge - die Autos in der Übersicht

DiRT 4 als Gamer

Willst du lieber von Fahrhilfen unterstützt werden, wählst du Gamer. Dabei ist dein Fahrstil weniger abhängig von Faktoren wie Wetter-Bedingungen und Oberflächen. Auch die K.I. der Gegner macht deutlich mehr Fehler, als in der Simulation. Um dich mit dem Spiel vertraut zu machen, dient die DiRT Akademie als hilfreiche Stütze. Zahlreiche Tutorials lehren dir alles – von der Gewichtsverlagerung deines Wagens bis hin zu essentiellen Unterschieden zwischen Front-, Heck- und Allradantrieben. Nach einigen Lehrfilmen und insgesamt 27 spielbaren Lektionen bist du bereit für deine Karriere.

Und diese weiß zu gefallen, obwohl du strikt einzelne Events und Meisterschaften absolvieren musst, um deinen Ruf zu steigern, wodurch neue Rennen und Fahrzeuge freigeschaltet werden, um eines Tages zu den besten Rallyfahrern der Welt zu zählen. Auf deinem Weg dorthin gilt es außerdem, ein Team aufzubauen, dessen Infrastruktur zu verbessern sowie Sponsoren zu verwalten. Diese geben dir zu jedem Rennen Bonusziele vor, durch die du mehr Geld erhalten kannst. Zu diesem taktischen Mini-Management zählt auch das Tuning, bei dem du dir Vorteile für das kommende Rennen verschaffen kannst.

DiRT 4 als Simulation

Das ganze Potenzial von DiRT 4 wird allerdings erst als Simulation ausgeschöpft. Dieser Modus verwandelt DiRT 4 in ein Spiel, das auf Effizienz und Anpassungsfähigkeit fokussiert ist – wie im echten Rally eben. Du musst geduldig und präzise sein, wissen, wann du die Grenzen deines Autos ausloten kannst. Eine leichte Fehleinschätzung führt dazu, dass das komplette Rennen schon verloren sein kann – Neustart.

Ehrfurcht umgibt dich, wenn du brachial über die Sandstrecke auf der Spitze des Hügels fährst und keine Ahnung hast, was dich auf der anderen Seite erwartet. Zum Glück bist du nicht allein: An deiner Seite sitzt der Beifahrer, der den Weg vorgibt und dir angibt, in wie vielen Metern die nächste Kurve mit welcher Stärke auf euch zukommt. Auf die Worte deines Beifahrers zu achten ist essentiell, aber auch instinktiv.

Bist du unversehrt über den Hügel gezogen, belohnt dich DiRT 4 im Gegenzug zur immensen Herausforderung mit einem unglaublichen, wenn auch kurzen Siegesgefühl. Dieser Nervenkitzel ist es, den DiRT 4 auszeichnet: Stets befindest du dich an der Grenze realistischer Mechaniken, ständig am Abgrund des Versagens.

Vielfalt trotz weniger Strecken

In der Karriere startest du mit dem klassischen Rally, das dich nach Australien, Spanien, Michigan (USA), Schweden und Wales schickt. Dein Können kannst du allerdings noch in drei weiteren Modi beweisen.

Im Landrush-Modus trittst du im Dirt Track Racing auf Kurzstrecken in Kalifornien, Nevada und Mexiko gegen andere Pro Buggies, Pro-2 Trucks, Pro-4 Trucks und Crosskart Fahrzeugen an. Landrush ist der chaotischste aller DiRT-4-Disziplinen. Die Kurse sind voller Sprünge und enger Kurven, ständig kommt es zum Karosserie-Gefecht mit anderen Fahrern. Das macht eine gewisse Zeit lang Spaß, allerdings gibt es nur eine Handvoll Autos und Strecken, wodurch Landrush leider auch der repetitivste Modus ist.

Erstmals konnte Codemasters auch die FIA World Rallycross Meisterschaft lizensieren. Diese führen dich nach Montalegre, Lohéac Bretagne, Hell, Holjes & Lydden Hill in einer Vielzahl unterschiedlicher Serien. Bis zu acht Rally-Autos treten dabei gegeneinander an. In jedem Rennen muss jeder Fahrer eine Joker-Runde fahren, die sich als kleiner Umweg herausstellt. Nicht zu kollidieren bietet ein gewisses Maß an Tiefe, schnelle und enge Wege werden verbunden.

Der Modus Historic Rally ist annähernd so umfangreich wie der normale Rally-Modus. In Historic Rally steigst du in historische Rennfahrzeuge aus der Zeit, in der Rally groß wurde, also vorrangig aus den 80er-Jahren. Die Rennstrecken erstrecken sich allerdings über dieselben Rennorte wie im normalen Rally-Modus auch. Dennoch leisten sie einen gewissen Beitrag dazu, die Landzeitmotivation zu erhöhen, da sich jeder Oldtimer anders fährt.

In der Menge der Strecken kann DiRT 4 nicht brillieren, allerdings wird das etwas mit Your Stage kaschiert. Mit der großen Neuheit in DiRT 4 kannst du personalisierte Strecken erstellen. Your Stage generiert automatisch neue Routen auf allen Strecken. Du kannst die Länge und Komplexität von jedem Bereich bestimmen, ehe du die Zeit definierst, um diese Strecke anschließend hochzuladen und deinen Freunden anzubieten.

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Optisch nur solide

DiRT 4 benutzt die Engine von DiRT Rally. Die Fahrzeugmodelle sind demnach fein ausgearbeitet, die Framerate bleibt stets konstant. Die Details wie Staub hinter den Autos und kleine Schneehasen im kalten Schweden gefallen. Gelungen ist auch das Sounddesign. Harte Motorsounds treiben dich genauso an wie quietschende Reifen auf dem Asphalt. Hin und wieder fallen allerdings schwache Baum- und Haus-Texturen in der Ferne auf. Auch die Inszenierung überzeugt leider kaum. Nach einem gewonnenen Turnier steht dein Auto zwar auf dem Podest, die Fahrer sind auf dem Siegertreppchen allerdings nicht zu sehen.

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Zusammenfassung und Fazit: Spielspaß meets Realismus

Mit Gamer und Simulation kommen sowohl Einsteiger als auch knallharte Rennspiel-Fans und Simulations-Fans auf ihre Kosten. Beide Modi spielen sich unterschiedlich. Die Entwickler von Codemasters beweisen so, dass es möglich ist, Zugänglichkeit und Simulationsanspruch zu vereinen. Auf Lernkurven können sich beide Spielergruppen freuen: Während Einsteiger die Dirt Akademie und Fahrhilfen nutzen, lernen erfahrene Rennspiel-Fans immer besser, mit taktischen Herausforderungen, technischen Gegebenheiten, Wetter-Bedingungen und den Beschaffenheiten der Piste umzugehen. Der Karrieremodus überzeugt mit Team- und Sponsor-Management. In der Auswahl der Streckenorte könnte DiRT 4 etwas vielseitiger sein, auch wenn du Strecken mit Your Stage variieren kannst. Die künstliche Intelligenz ist super gebalanced. Mit DiRT 4 lässt Codemasters Sebastién Loeb Rally Evo und WRC 6 in einer massiven Staubwolke hinter sich.

Test_Dirt4

DiRT 4 wird dir gefallen, wenn du gerne auf freischaltbare Upgrades hinarbeitest, du Arcade-Spaß mit Anspruch suchst und/oder auch ein Fan von Simulationen bist.

DiRT 4 wird dir nicht gefallen, wenn dir Rennspiele prinzipiell keinen Spaß machen, du eine Story-Kampagne in Rennspielen brauchst, du unrealistische Fun-Racer suchst.

Wertung

8/10
Getestet von Sandro

DiRT 4 ist eine nahezu perfekte Mischung aus Rally-Simulation und Arcade-Rennspiel. Schade, dass in der Inszenierung sicher mehr drin gewesen wäre.

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