Doom 3 BFG Edition Test – Rückkehr eines Grafikblenders

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Der gute Name. Er verpflichtet, er schürt Erwartungen und er hat die Macht, die Anhängerschaft zu betören, kritische Blicke zu vernebeln. Das wissen wir bei GIGA nur zu gut. Das weiß auch Id Software. Als Erfinder und Vorväter eines gesamten Genres, hat man nun mal so eines an Vorschussvertrauen verdient. Und das verschleiert dann sogar, dass id im Grunde seit Jahren kaum Spiele veröffentlicht, meist mit gemischtem Erfolg. Womit wir bei ‘Doom 3‘ wären, einem Titel, dessen Popularität schon im Jahr seiner Entstehung nur schwer zu erklären war und die es heute umso mehr ist.

Als „Doom 3“ im Herbst 2004 erschien, hatte „Far Cry“ nur wenige Monate zuvor das Genre bereits mit Edeloptik, Über-KI und Open-World-Ansätzen in eine neue Richtung gewiesen, kurz nach dem id-Titel sollte Valves „Half Life 2“ einen Maßstab errichten, der bis heute unangefochten steht. „Doom 3“ wirkte zwischen diesen Titanen wie ein Dinosaurier – alt, knöchrig, klassisch, träge.

id wollte mit dem dritten Teil vor allem eines: zeigen, dass sie eine Technologie besitzen, die den Shooter ins angehende neue Jahrtausend geleiten kann. Das gelang ihnen nicht: anders als die Engines id Tech 2 und 3, wurde id Tech 4 kaum fremdlizenziert, niemand wollte id's klobige Normal Maps verwenden. Die neuen Gurus der Branche hießen Valve und Crytek. Dennoch war „Doom 3“ bei Erscheinen ein technisch eindrucksvolles Spiel.


Spielerisch sah das Ganze schon wieder anders aus: Fast schon naiv schlechte Soundkulisse, urtümliches Trefferfeedback und Waffenverhalten, praktisch gar keine KI, heftiges Skripting und Schockeffekte, wie aus der Kirmes-Geisterbahn ließen „Doom 3“ im Spielverlauf heftig straucheln. Den grandios inszenierten Szenarien, Geschichten, den atmosphärischen Welten eines „Half Life 2“ hatte id nichts entgegen zu setzen.

Um es abschließend zu sagen: „Doom 3“ war ein Grafikblender. Einer, der kurzzeitig Spaß machte, aber auch einer der zeigte, dass id zwar das Genre aus der Taufe heben konnte, aber irgendwann das Feld für die jungen Wilden räumen musste. Drehen wir die Uhr also acht Jahre nach vorn. Auftritt: Die BFG Edition, eine nostalgische Spielpackung für das HD-Zeitalter – in der sie völlig fehl am Platz wirkt.

Denn wenn man einen Grafikblender all seiner optischen Relevanz beraubt – was bleibt? Der spielerische Kern, der – wie erwähnt – in diesem Fall schon zum Release nicht überzeugen konnte. Man muss daher schon mehr als nur ein Auge zudrücken, wenn man die BFG Edition jetzt noch einmal anzockt. Dieses schrecklich generische Leveldesign, diese Nicht-Handlung, diese immer gleichen Jumpscares – der eigentliche Horror kommt mittlerweile

Dennoch bleibt ein befriedigendes Gesamterlebnis. Wenn id eines können, dann sind es Shooter mit flottem Pacing. Wer stillsteht, verliert, Im Rhythmus von Trent Reznors treibender Musik und im Sog der schnurrgeraden Levelschläuche ballert man sich irgendwann in einen tranceartigen Zustand, der erst aufhört, wenn die nächste Ladesequenz einsetzt. Da blitzt es dann wieder durch, das Alter von „Doom 3“.

Dass die BFG Edition auch innerhalb der Levels gerne neue Abschnitte nachlädt und den Bildschirm dabei einfach einfriert, ist jedoch mehr als unschick und sollte in einer zeitgemäßen HD-Version eigentlich ausgemerzt worden sein. Ein Blick unter die Haube offenbart allerdings, dass sich id allgemein eher wenig Mühe beim Transkribieren der Codezeilen ins neue Jahrzehnt gegeben hat.

Das grafisch Gebotene wirkt eher schwachbrüstig, von ehemaligen Technikpionieren wäre da mehr zu erwarten gewesen. Unsere PC-Version hatte zudem mit üblem Tearing zu kämpfen – bei jeder noch so kleinen Bewegung zieht das Bild Schlieren. Das dynamische Lichtspiel des Originals hat id zu unserem Erstaunen gestrichen. 2004 zählte das noch zu den Verkaufsargumenten. Dass der Blutgehalt heruntergepegelt worden sein soll (Quelle: Schnittberichte.com), fällt hingegen weder auf noch ins Gewicht.

Die Vorzüge des Pakets muss man daher eher an seiner Quantität messen, einem Punkt, der dank der beiden Klassiker „Doom“ und „Doom 2“, dem „aufgehübschten“ dritten Teil, dessen Addon und den Lost Levels gut genährt wird. Leider fehlt am PC der Multiplayer-Modus der ersten Teile, den des dritten Teils werden wahrscheinlich auch nur Hardcore-Fans spielen – dafür ist er schlicht zu „klassisch“. Wie eben alles an diesem Paket.

Fazit
„Doom 3“ war schon bei Erscheinen nicht mehr als ein Grafikblender, dessen betagtes Gameplay gegen die ebenfalls 2004 erschienene Konkurrenz („Half Life 2“ oder „Far Cry“) den kürzeren zog und ein einstiges Traditionsstudio in die Krise stürzte. Allein die Optik wusste damals zu begeistern, wie immer galt: kein neues id Software-Spiel ohne teures nachrüsten der Hardware.

Die BFG Edition hat jetzt, acht Jahre später, diesen Luxus nicht mehr. Selbst in der leicht aufgehübschten HD-Variante sieht „Doom 3“ alt aus, was bleibt ist ein spielerischer Kern, der bereits 2004 nicht überzeugt hat. Allerdings: Eine Sammlung wie diese ist nun mal für Retrofans und ewige Nostalgiker gedacht und die bekommen hier eine quantitativ durchaus prall gefüllte Box. Die beiden Uralt-Klassiker Doom 1 und 2 sind objektiv gesehen heutzutage auch nicht mehr wirklich spielbar.

Bedenken lässt allerdings die qualitative Umsetzung aufkommen: Warum ist die technische Portierung derart schlampig geraten? Immenses Tearing auf dem PC? Endlose Ladezeiten auf der PS3? Wo sind die dynamischen Lichter? Kein Mehrspieler-Part auf dem PC? Wieso gibt es nur einen Speicherstand? Alles Fragen, die man sich bei einer eigentlich für Fans gedachten Liebhaber-Packung nicht stellen sollte. Wären wir böswillig, würden wir unterstellen, dass hier weitaus niedere Triebe als Beweggrund für diese „Neuauflage“ dienten – aber das sind wir ja nicht...

Wertung: 70%

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