Dragon Age 2 - Test: Auch Bioware kann Mittelmaß

David Hain
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Da war "Dragon Age: Origins" noch keine zwei Monate veröffentlicht, schon polterte Bioware lautstark mit Versprechungen um sich. Man wolle einen Nachfolger so schnell wie möglich nachschieben, hieß es. Angekündigt wurde der dann nur sechs Monate später. "Ein wenig früh", mag sich mancher denken. Und hat mit dieser Vorahnung gar nicht mal so Unrecht. "Dragon Age 2" ist ein gutes Spiel, ganz klar, aber auch eine große Enttäuschung.

Dragon Age 2 - Test: Auch Bioware kann Mittelmaß

Ich muss mal eben persönlich werden: Als “Dragon Age” vor anderthalb Jahren erschien, waren die Jahres Rollenspiel-Trübsahls wie weggeblasen. Der Ärger über banale Grafikblender der Marke “Drakensang”, die Enttäuschung über zwar spannende, aber mau erzählte Abenteuer wie “Oblivion”. Ich will große Geschichten, noch größere Gesten, knackige Kämpfe, mystische Orte und Monster, die so schrecklich böse sind, dass man im bloßen Gedenken an sie erschaudert. “Dragon Age: Origins” hatte all das und gehört seither zu meinen Lieblingsspielen.

“Dragon Age 2″ geht nun neue Wege. Statt einer zusammenhängenden Geschichte, erzählt der Zwerg Varric in Erinnerungsfragmenten von seinen Abenteuern mit Garreth Hawke, dem neuen Helden. Garreths Geschichte spielt kurz nach den Ereignissen des Vorgängers, nimmt hin und wieder sogar Bezug darauf. Wir erfahren im Laufe der Geschichte, wieso Garreth aus Ferelden fliehen musste und warum seine Schwester von umstehenden argwöhnisch betrachtet wird.

Das ist natürlich wieder großartig erzählt, aber mal ehrlich, so wirklich tangiert hat uns das alles nicht. Es fehlt dieser epische Funke, der in “Origins” stets und ständig gelodert hat. Dort war es eine alles verschlingende, dunkle Brut, mit einem “Erzdämon” als Obermotz, die es zu bekämpfen gab. Hier ist bis kurz vor Schluss nicht einmal klar, welchem Faden die Handlung überhaupt folgt. Es gibt keine großen Verschwörungen, keine dramatischen Intrigen, kurz: einfach nichts, dass uns wie im Vorgänger Gänsehaut bescheren würde oder sogar die Tränen in die Augen treibt.

“Dragon Age 2″ ist im direkten Vergleich sogar relativ kühl erzählt: Ohne spoilern zu wollen, können wir verraten, dass im Verlaufe der Handlung gleich mehrere große und kleine Schicksalsschläge warten, die Hawke und Co. relativ beliebig kommentieren. Große Emotionen? Viel zu selten! Natürlich sind sämtliche Personen wieder professionell vertont, neuerdings sogar unser Hauptcharakter. Aber was die Damen und Herren so zu sagen haben, wirkt allzu oft beliebig. In “Dragon Age” sogen wir jedes Wort der NPCs auf – hier ertappten wir uns sogar häufig dabei, wie wir per Escape die Gespräche abkürzten.

Die deutsche Sprachausgabe, eines der gelungensten Features im Vorgänger, leistet sich überdies einige Aussetzer. Hier und da passen die Stimmen nicht auf ihre Charaktere: Mutter Hawke z.B. quietscht wie ein 20-jähriges Teeniegirl, hätte sie keinen grauen Haare, man würde kaum bemerken, dass sie bereits das Rentenalter erreicht haben soll.

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