Dragon Age - Inquisition Test: Die Drachen steigen wieder

Martin Küpper
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Als großer BioWare-Fan habe ich mich natürlich riesig auf Dragon Age: Inquisition gefreut. Vier Jahre Entwicklungszeit und wohlklingende Versprechungen der Entwickler ließen mich auf ein Abenteuer hoffen, das den enttäuschenden zweiten Teil vergessen machen könnte. In meinem Test erfahrt ihr, ob Dragon Age tatsächlich zur alten Stärke zurück finden konnte.

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Die Inquisition startet wie jedes BioWare-Spiel erst einmal im Charakter-Editor, indem ihr euch einen Helden ganz nach euren Vorlieben basteln könnt: Ihr habt die Wahl aus vier verschiedenen Rassen (Mensch, Elf, Zwerg und erstmals auch Qunari), drei verschiedenen Klassen (Schurke, Krieger oder Magier) und unzähligen optischen Kleinigkeiten, mit denen ihr die Erscheinung eures Charakters festlegen könnt. Der Editor bietet mehr Möglichkeiten als jemals zuvor, dennoch bin ich mal wieder kläglich daran gescheitert einen Charakter zu erschaffen, der mir tatsächlich ähnlich sieht.

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Dragon Age: Inquisition - Video-Test

 

Dragon Age - Inquisition: Die Astrarien - Sternbilder und Fundorte

Der Himmel ist gerissen!

Eine gewaltige magische Explosion erschüttert die Spielwelt Thedas. Sie forderte das Leben der Göttlichen sowie unzähliger weiterer Opfer und reißt einen gewaltigen Dimensionsriss in den Himmel, durch den Dämonen in die Welt brechen können.

Unser frisch gebackener Hauptcharakter ist der einzige Überlebende der besagten Explosion und verfügt zudem auch noch über ein äußerst merkwürdiges Mal, das auf den Riss – die sogenannte Bresche – zu reagieren scheint. Das alles sorgt natürlich für Misstrauen, doch auf der anderen Seite ist unser Charakter durch das Mal offenbar als Einziger in der Lage, die entstandenen Dimensionsrisse wieder zu schließen. Die Leute sind sich also unschlüssig: Ist er ein Gesandter der Götter oder doch selbst für all das Leid verantwortlich?

Für die frisch gegründete Inquisition, einer neuen Fraktion, die sich dem Kampf gegen die Bresche verschrieben hat, ist er aufgrund seiner Fähigkeiten jedoch unverzichtbar und nimmt deshalb schnell eine führende Rolle an. An der Seite seiner neuen Mitstreiter (von denen erfahrene Dragon-Age-Spieler einige Gesichter kennen sollten) gilt es aber nun zunächst einmal die Inquisition für die bevorstehende Mission zu stärken und sich Verbündete zu suchen.

Macht und Einfluss für die Inquisition

Der Ausbau der Inquisition ist sowohl Story-technisch, als auch spielerisch ein zentrales Element des Spiels. Nicht nur eure Charaktere sammeln Erfahrungspunkte und steigen Level auf, auch die Inquisition kann durch gesammelten Einfluss aufgewertet werden. Auf diesem Weg könnt ihr verschiedene Boni freischalten, wie etwa ein größeres Inventar oder mehr Kapazität für Tränke.

Doch damit nicht genug, denn neben des Einflusses könnt ihr auch Macht für die Inquisition gewinnen. Diese wird benötigt um bestimmte Missionen erledigen zu können. Darunter fallen optionale Missionen, mit denen ihr einen eurer Mitstreiter beauftragen könnt, aber eben auch Story-Missionen, die ihr erledigen müsst um in der Handlung weiter zu kommen. Das heißt im Klartext also, dass euch das Spiel zu einem gewissen Grad dazu zwingt, Macht zu erlangen – ein Aspekt, an dem sich der ein oder andere vielleicht durchaus stören könnte. Mir hat es aber durchaus Spaß gemacht.

Konkret gewinnt ihr Macht und Einfluss zum einen durch das Erledigen der zahlreichen optionalen Quests. Aber auch das Erkunden der Spielwelt spielt eine entschiedene Rolle. Das Einrichten von Lagern und das Beanspruchen von Sehenswürdigkeiten sind nur zwei von vielenOptionen, mit denen ihr eure Macht erhöhen könnt. Ihr findet etwa auch zahlreiche Ressourcen, mit denen ihr nützliche Utensilien für die Inquisition erschaffen könnt.

Schlauch nicht echt!

Auf diese Weise motivierte mich das Spiel ganz hervorragend zum Erkunden der Spielwelt, über die ich sowieso noch einige Worte verlieren muss. Während man in Dragon Age bislang eher durch kleinere, teilweise Schlauch-ähnliche Level gezogen ist, bekommt man es in Inquisition mit großen, offenen Gebieten zu tun. Bereits die erste Region ist sehr weitläufig und umfasst laut BioWare tatsächlich eine größere Fläche, als die Spielwelten aus Dragon Age: Origins und Teil 2 vereint. Kein Wunder also, dass man nun erstmals auch auf Reittieren durch die Welt reisen kann.

Doch die Spielwelt ist nicht bloß größer, sie wirkt auch wesentlich glaubwürdiger und organischer. In erster Linie ist das natürlich auf die offene Struktur der Gebiete zurückzuführen. Doch ein wichtiger Faktor ist auch, dass die Spielwelt etwa durch Bewohner und Tiere mit Leben gefüllt wurde. Insgesamt empfand ich die Gebiete auch optisch als reizvoll und schön gestaltet, auch wenn mir alles doch etwas zu generisch war.

Auf Worte folgen Taten

Abseits der Features rund um die Inquisition und der offenen Spielwelt, setzt Inquisition auf die bekannten Elemente der Vorgänger. Das heißt, dass ihr wiedermal einen Großteil des Spiels mit Kämpfen und in den Dialogen verbringen dürft, die zum Glück auf gewohnt hohem Niveau angesiedelt sind.

Gerade die Gespräche mit den Gefährten empfand ich wie immer als überaus reizvoll, da man es hier größtenteils mit interessanten Persönlichkeiten und gut geschriebenen Dialogen zu tun bekommt. In diesen Gesprächen gibt es selbstverständlich auch die bekannten Dialog-Optionen, die nicht nur den Verlauf des Gespräches, sondern auch die Beziehung zwischen den Charakteren beeinflusst. Das kann dann beispielsweise auch wieder zu den berühmt-berüchtigten Romanzen führen.

Doch Worte helfen nicht immer weiter und so wird eben auch fleißig gekämpft. Dabei habt ihr die Wahl ob ihr euch direkt ins Getümmel stürzen wollt oder das Geschehen lieber ohne direkte Kontrolle über einen Charakter in der taktischen Ansicht steuern möchtet. Hier könnt ihr allen vier Team-Mitgliedern die Marschrichtung vorgeben – also etwa das Ziel ihrer Attacken festlegen. Steuert ihr hingegen einen Charakter aktiv, spielt sich das Ganze in etwa so, wie man das von vielen MMORPGs kennt: Ihr haltet die Angriffs-Taste gedrückt, um euren Gegnern Feuer unterm Hintern zu machen und ergänzt das Ganze mit klassenspezifischen Fähigkeiten.

Auf höheren Schwierigkeitsstufen empfiehlt es sich aber, beide Varianten und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile zu kombinieren. So könnt ihr dann sehr taktisch vorgehen, das Geschehen bei Bedarf pausieren, euren Kameraden Befehle erteilen, um dann wieder direkt in die Action einzusteigen. Das ist in meinen Augen auch der eigentliche Reiz dieses Kampfsystems, der bei normalem Schwierigkeitsgrad leider nicht wirklich zum Tragen kommt.

Haare in der Suppe

Grafisch geht das Spiel durchaus in Ordnung und überzeugt vor allem durch seine farbenfrohe Welt. Bei den Charakter-Modellen und Animationen hat sich für meinen Geschmack einfach zu wenig getan, wenn man bedenkt, dass ich das Spiel auf einer Konsole der nächsten Generation – also der Xbox One – gespielt habe. Besonders die Haare sehen bei näherer Betrachtung echt bescheiden aus. Dazu kommen dann leider noch viele Bugs und Clipping-Fehler, die zwar allesamt für sich genommen nicht wirklich stören, in der großen Anzahl aber dann doch ins Gewicht fallen, da sie einen immer wieder aus der Fantasy-Welt heraus reißen. Allerdings sollen diese kleineren Fehler mit einem Day-1 Patch behoben werden.

Akustisch gibt es hingegen wenig zu meckern. Die musikalische Untermalung ist mit ihren auf episch getrimmten Stücken zwar etwas einfallslos und austauschbar, doch in den entscheidenden Situationen geben sie emotionalen Szenen dann eben doch die richtige Größe.

An der deutschen Sprachausgabe werden sich vermutlich mal wieder die Geister scheiden. Ich fand die deutschen Sprecher bei BioWare-Titeln eigentlich immer mehr als in Ordnung, und die Option, auf die englische Tonspur zu wechseln, besteht ja sowieso.

Dragon Age: Inquisition – Test-Fazit

Dragon Age: Inquisition bietet all die Qualitäten, die man von BioWare-Titeln gewohnt ist: Eine anregende Geschichte, tolle Charaktere, wundervoll geschriebene Dialoge, das Treffen interessanter Entscheidungen und das Erleben der Konsequenzen, sowie einige wirklich emotionale Momente. Warum bin ich also nicht völlig aus dem Häuschen?

Ich stelle zu meiner eigenen Verwunderung fest, dass ich dem typischen BioWare-Spiel etwas überdrüssig geworden bin. Inquisition bietet mir einfach zu wenig Neues und schafft es auch nicht, die erwähnten Stärken merkbar weiter zu entwickeln. Die große, offene Spielwelt und der Aufbau der Inquisition reichen mir in dieser Beziehung einfach nicht aus, um ein wirklich neues, prägendes Erlebnis mit dem Spiel zu haben.

So ist Dragon Age: Inquisition dann unterm Strich für mich „nur“ die Rückkehr zur alten Stärke und nicht der nächste Schritt für BioWare-Titel. Damit ist und bleibt das Spiel aber natürlich trotzdem immer noch überdurchschnittlich gut und sollte die meisten Fans BioWare-typischer RPGs mehr als zufrieden stellen.

Hinweis: Leider konnte ich den Multiplayer bislang noch nicht testen – aber das holen wir nach!


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Wertung

8/10
Getestet von Martin

Dragon Age findet zur alten Stärke zurück, schafft es aber nicht, den nächsten Schritt zu gehen.

Weitere Themen: Dragon Age, Electronic Arts

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