ECHO im Test: Das Spiel ist dein größter Gegner

André Linken

Das Science-Fiction-Adventure ECHO will nicht nur mit einer fesselnden Geschichte, sondern einer lernfähigen KI begeistern. Gelingt das Vorhaben oder bleibt es ein unglücklicher Versuch?

Am Ende des Textes findest du eine kurze Zusammenfassung und das Fazit. 

Reisen im Kälteschlaf, unerforschte Planeten, Alien-Rätsel; das alles ist wahrlich nicht neu im Genre der Science-Fiction. Das alles ist jedoch Bestandteil des neuen Adventures ECHO. Doch trotz des bekannten Settings konnte uns das Spiel fesseln, warum?

Im Video kannst du dir direkt einen kurzen Eindruck von ECHO verschaffen, bevor es ans Eingemachte geht:

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ECHO: Gameplay - Trailer

Stellt dir vor, du hast soeben eine besonders gelungene Taktik ausgeklügelt, um deine Gegner auszutricksen oder auszuschalten. Doch die Freude über den Triumph bleibt dir wenig später unvermittelt im Halse stecken, weil die nächsten Kontrahenten die Taktik kopieren und dich somit überrumpeln. Klingt irgendwie frustrierend, nicht wahr? Genau das wird im Stealth-Adventure ECHO jedoch gleich mehrfach passieren und trotzdem wirst du es immer wieder aufs Neue versuchen. Weil es schlicht und einfach faszinierend ist.

Eine KI, die lernt. Ziemlich gemeiner Trick der Entwickler. Welche Tricks die Macher von Spielen noch in ihren Werken verstecken haben wir dir hier zusammengestellt:

Diese Tricks haben Entwickler in Spielen versteckt

Doch alles schön der Reihe nach: Bei ECHO schlüpfst du in die Rolle der jungen Frau En, die nach einem nahezu ewig langen Kälteschlaf wieder zu sich kommt und vor der Aufgabe steht, einen riesigen Alien-Palast zu erkunden. Der wirkt auf den ersten Blick ziemlich verlassen. Ganz alleine ist En dann aber doch nicht, denn ihr steht die ebenso zornige wie alternde KI namens London zur Seite. Sie wirft der Protagonistin vor, den Piloten ihres Raumschiffs getötet zu haben. Zu allem Überfluss scheint es in dem mysteriösen Palast eine größere Fehlfunktion zu geben, denn plötzlich tauchen überall zahlreiche Kopien von En auf. Eine insgesamt gesehen wenig behagliche Situation.

ECHO_Screenshot_Vault

Ein Schatten von sich selbst

Die besagten Kopien sind gleichzeitig auch das wichtigste Spielelement von ECHO. Denn sie sind nicht nur einfach Widersacher, denen du möglichst ausweichen solltest, sondern sie verfügen über eine ebenso spezielle wie perfide Fähigkeit – sie kopieren deine Aktionen. Das mag im ersten Moment relativ simpel und wenig Furcht einflößend klingen, entpuppt sich aber schon bald als ziemlich knifflige Herausforderung. Im Palast wechseln sich Licht- und Dunkelphasen ständig ab. Während in der Dunkelheit euch das Vorankommen aufgrund der eingeschränkten Sichtweite erschwert wird, kann es bei Helligkeit noch deutlich haariger werden.

Ein Beispiel: Wenn du dich auf bestimmte Weise an einigen Gegnern vorbeischleichst, können die Kopien das in der nächsten Lichtphase ebenfalls. Öffnest du eine Tür, machen die Kopien wenig später ebenfalls nicht vor einem solchen Hindernis Halt. Setzt du sogar die Energiewaffe – für die es übrigens verdammt wenig Munition gibt – ein, musst du damit rechnen, dass dich die Kopien schon bald ebenfalls unter Beschuss nehmen. Zu allem Überfluss werden zuvor ausgeschaltete Gegner beim Wechsel in die nächste Lichtphase wieder an ihren Ausgangspunkt gesetzt. Du merkst sicherlich schon: Wenn du nicht vorausschauend agierst und die Konsequenzen der Aktionen in die Planung einbeziehst, kann es schnell zu ziemlich brenzligen Situationen kommen.

ECHO_Screenshot_Echoes

Wiederholungen können nerven

Somit herrscht irgendwie immer eine Art Zwiespalt: Ziehst du jetzt eine Aktion durch in dem Wissen, dass sie dir in der nächsten Phase quasi um die Ohren fliegen könnte? Damit die Kopien jedoch nicht irgendwann zu unbesiegbaren Übergegnern mutieren, verlernen sie im Verlauf der Zeit ein paar Dinge wieder. Somit hast du den Kopf zumindest teilweise frei für einige der Rätsel in ECHO – die aber gleichzeitig auch ein großer Kritikpunkt sind. So sammelst du bestimmte Schlüssel, um mit ihrer Hilfe verschlossene Türe zu öffnen. Zudem musst du immer wieder eine geforderte Anzahl von bläulich schimmernden Lichtkugeln sammeln. Das war es in Sachen Rätseln dann leider auch schon wieder. Diese beiden Aufgaben wiederholen sich zudem über den gesamten Spielverlauf sehr oft, so dass sich ein gewisses Gefühl der Eintönigkeit einschleichen kann.

Bildergalerie ECHO - Screenshots

Dass die Entwickler es auch besser können, zeigen einige wenige Ausnahmen. So kannst du an einer Stelle des Abenteuers die Kopien auf indirekte Weise kontrollieren und sie dazu bringen, ein Hindernis aus dem Weg zu räumen. Kopfnüsse dieser Art passen nicht nur besser in das Szenario, lockern gleichzeitig auch das Geschehen etwas auf. Selbiges gilt übrigens auch für die Story von ECHO: Hinter der Fassade steckt eine durchaus interessante und fesselnde Geschichte, die jedoch viel zu selten in den Vordergrund rückt. Meist bekommst du Andeutungen oder Hinweise serviert, deren endgültige Auflösung jedoch vergeblich auf sich warten lässt. Dabei ist die Atmosphäre des Spiels trotzdem unglaublich intensiv, hätte aber mit etwas mehr Mut bei der storybasierten Inszenierung noch besser ausfallen können.

Im Video: Der Launch-Trailer zum Sci-Fi-Abenteuer ECHO

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ECHO - LAUNCH TRAILER

Selbiges gilt übrigens auch für die Präsentation von ECHO. Die Entwickler holen zwar einiges aus der Unreal Engine 4 heraus und zaubern hübsche Schauplätze mit einem glaubhaften Alien-Flair auf den Bildschirm. Allerdings wäre auch hier etwas mehr Abwechslung wünschenswert, da der Palast samt seinen wenigen Außenarealen dann doch irgendwann langweilt.

echo_test_wertung

Fazit und Zusammenfassung: Nur du stehst dir im Weg

In den vergangenen Monaten hat mich kaum ein Spiel dermaßen fasziniert wie das Science-Fiction-Adventure ECHO. Die grundlegende Mechanik mit den lernfähigen Kopien, das vorausschauende Taktieren und die im Ansatz ziemlich interessante Story haben mich so schnell nicht mehr losgelassen. Hinzu kommt das ungleiche Duo bestehend aus En und London, das einige erinnerungswürdige Dialoge zu bieten hat. Doch die anfängliche Faszination bröckelte nach einiger Zeit: Die Rätsel sind nicht sonderlich abwechslungsreich und wiederholen sich zu schnell und oft. Zudem fährt die Story irgendwie immer mit angezogener Handbremse. Kurz gesagt: ECHO nutzt das unglaublich große Potenzial, das in dem Spiel schlummert, leider nicht in allen Bereichen voll aus. Ansonsten hätten wir es wohl mit einem modernen Klassiker zu tun. Das Spiel steht sich selbst im Weg – so wie die Heldin En und ihre Kopien. So bleibt unter dem Strich „nur“ ein Adventure mit einer ebenso interessanten wie faszinierenden Spielmechanik, das trotzdem einen genaueren Blick wert ist.

Wird dir gefallen, wenn du auf Sci-Fi und sarkastische Dialoge stehst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du es leid bist, immer und immer und immer und immer und immer….

Wertung

7/10
Getestet von André

Ein faszinierendes Science-Fiction-Abenteuer mit einer tollen Spielmechanik, die sich aber manchmal leider selbst etwas im Weg steht.

Na, angefixt?
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