Die Eve Online Revolution - GIGAbites: Wie aus virtuellen Waren realer Widerstand wurde

Tobias Heidemann
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Der Weltraum – unendliche Wut: Der Eklat um die mit dem Add-On “Incarna” neu eingeführten Mikrotransaktionen zieht immer weitere Kreise. Was als belächeltes “Monocle-gate” begann, ist aufgrund geleakter Dokumente von Eve-Entwickler CCP mittlerweile zu einem interstellaren Massenprotest herangewachsen. Online-Demos und Account-Kündigungen inklusive. Wir fassen die Geschehnisse zusammen und lassen ein Mitglied der Eve-Community zu Wort kommen.

Die Eve Online Revolution  - GIGAbites: Wie aus virtuellen Waren realer Widerstand wurde

In MMOGs kommt es immer wieder zu Protesten. Unmut und Enttäuschungen gehören in den lebhaften Communities zum Tagesgeschäft. Fast jedes Online-Rollenspiel besitzt seine eigenen Petitions- und Widerstandsgeschichten. 2005 kam es zum Beispiel zu laustarken Protesten als die Entwickler von “Star Wars Galaxies” den legendären NGE-Patch veröffentlichten. Das Regelwerk wurde dermaßen verändert, dass sich die Spieler zusammenschlossen, um effektiven Widerstand zu leisten. Auch die Free-2-Play-Welle wurde hier und da zum Foren-Tsunami.

Entrüstungsbekunden gehören in MMOGs einfach zum Tagesgeschäft. Die Auflehnung gegen tiefgreifende Einschnitte oder unliebsame Kommerzialisierungsmaßnahmen mag dabei viele unterschiedliche Formen annehmen – letztlich zeigt der Ärger der Fans aber nur, dass ihnen ihr Spiel am Herzen liegt. Die Community von “Eve Online” muss ihr Weltraum-MMO lieben, denn ihr Protest übersteigt derzeit alles bisher dagewesene.

Los ging es kurz nach der Einführung eines neuen Add-Ons. “Incarna” ermöglicht den Spielern erstmals in der nunmehr neunjährigen Geschichte von “Eve Online” das Betreten von Raumstation. Dort darf man sich mit einem neu erschaffenen Spielercharakter bewegen. Die Einführung eines 3D-animierten Avatars nahm der isländische Entwickler CCP Games zum Anlass, um einige weitere Neuerungen in den MMO-Klassiker einzupflegen. Bereits im Vorfeld kündigte CCP an, dass man sein Alter-Ego in Zukunft mit allerhand Kleidungswaren ausstatten könne, welche man sich dann über ein System für Mikrotransaktionen zulegt. Die sogenannten MTs sind aus Free-2-Play-Titeln bekannt und werden dort als alternatives Finanzierungsmodel verwendet. Folgerichtig kündigte CCP eine neue virtuelle Währung – Aurum – an, mit deren Hilfe man sich die Extras im neuen NeX-Shop kaufen kann.


Da sich das vielschichtige Gameplay und das komplexe Wirtschaftssystem von “Eve Online” über viele Jahre hinweg – unter starkem Einfluss der Community – entwickelt hat, befürchteten viele Spieler nun, dass die Einführung von “Micro-Transaction” das fragile Sonnensystem aus der Balance bringen würde. CCP Games lenkte aber sofort ein und konnte alle Befürchtungen zerstreuen: Die neuen Güter wären rein kosmetischer Natur und hätten keinerlei Einfluss auf die Spielmechanik und die virtuellen Märkte in “Eve Online”.

Als “Incara” dann erschien, begann etwas, das als “Monocle-gate” in die Videogame-Geschichtsbücher eingehen wird. Zunächst sorgten die neuen Waren in der Community lediglich für Kopfschütteln. CCP Games hatte seinen NeX-Shop nämlich mit Gegenständen ausgestattet, deren Preise vollkommen überzogen waren. Dass man dort für ein Monokel umgerechnet 70 Dollar bezahlen sollte, gab Anlass zur Erheiterung. Schließlich war dem überwiegenden Teil ziemlich egal, ob sich jemand an den kostspieligen Dingern vergreifen würde – Auswirkungen auf das Spiel hatte das eitle Zierwerk schließlich nicht.

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