Fable 4: So hätte das Spiel werden können, wenn Fable Legends das Studio nicht zerstört hätte

Marco Schabel
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Noch bevor die britische Entwicklerschmiede Lionhead damit begann, Fable Legends zu entwickeln, wurde Fable 4 geplant. In einem aktuellen Interview beschreibt der damalige Art Director, was für das Spiel geplant war und wie stattdessen Fable Legends das Studio zerstörte.

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Fable Legends – Offizieller Trailer

Don Mattrick wird nachgesagt, die Xbox-Sparte zugrunde gerichtet zu haben, nachdem er als Hauptverantwortlicher dafür gilt, dass diese überhaupt profitabel wurde. Unter seine Regentschaft fällt nicht nur die bei den Spielern miserabel aufgenommene Vorstellung der Xbox One (“kein Internet? Kauft euch eine Xbox 360″), sondern offenbar auch der Anfang vom Ende der Traditionsreichen Lionhead Studios. Diese wurden bekanntlich erst vor wenigen Tagen offiziell geschlossen, nachdem bereits vor einigen Wochen die Entwicklung an Fable Legends eingestellt wurde. Der Abwärtstrend setzte aber bereits früher ein, als die Entwickler vor Jahren geplant haben, Fable 4 zu entwickeln.

Fable Legends: 75 Millionen Dollar für ein Spiel, das niemand machen wollte

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Lionhead wurde unter anderem von Peter Molyneux gegründet, der das Studio 2012 verlassen hat. Ohne ihn hat sich das Studio verwundbarer gefühlt, da Molyneux angeblich selbst zu Microsoft Nein sagen konnte. Im gleichen Jahr wurde die Xbox-Sparte unter Don Mattrick folgenschwer umstrukturiert und neu ausgerichtet. Wie der damalige Art Director John McCormack laut Eurogamer angibt, habe man dem Studio damals gesagt, dass ein Einzelspieler-Rollenspiel in wenigen Jahren niemand mehr machen werde, es war nicht erlaubt. Stattdessen sollen Spiele als Service betrachtet werden, nach dem Vorbild von League of Legends. “Ihr macht Spiele als Service oder ihr werdet geschlossen” soll die Führungsetage damals gesagt haben. Fable 4 wurde abgelehnt und stattdessen Fable Legends in Auftrag gegeben, ein Free-to-Play-Spiel im Fable-Gewand. 75 Millionen Dollar hat Lionhead in den vergangenen Jahren demnach in ein Spiel investiert, welches niemand innerhalb des Studios machen wollte. “Nur wenige wollten Fable: The Journey machen, aber wirklich niemand wollte Fable Legends machen”, heißt es dazu.

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Wie McCarmack und andere Quellen weiter ausführen, war den Entwicklern von Beginn an klar, dass Fable Legends kein gutes Spiel werden würde. Es würde an Features fehlen, die ein Free-to-Play-Spiel besitzen müsse und es würde keinen Spaß machen. Zudem verließen einige Mitarbeiter das Studio, allen voran John McCarmack selbst, als die Entwicklung begann und die Entscheidung, es auch für Windows 10 zu entwickeln und Cross-Plattform-Play zuzulassen, habe bei den Entwicklern zusätzliche Kopfschmerzen verursacht. Immerhin würde das Zusammenspiel mit einer PC-Plattform Cheatern Tür und Tor öffnen. “Wir waren wirklich glücklich, als Fable Legends zu einem Ende kam”, so eine der Quellen. “Wir haben gewusst, dass das Spiel nicht lange verweilen würde, aber wir haben nicht damit gerechnet, dass es eingestellt wird.” Eingestellt wurde das Spiel aufgrund des mangelnden Interesses der Spieler, der vielen Verschiebungen und der hohen Kosten, die für das beinahe fertige Spiel entstanden waren. Hätten sie doch lieber Fable 4 gemacht.

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Das hatte Lionhead für Fable 4 geplant

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Denn wie es scheint, hätte das zumindest auf dem Papier etwas Großes werden können. Spätestens seit Peter Molyneux nachgewiesen wurde, Features für die Serie versprochen zu haben, die nicht geliefert wurden, müssen die Angaben zwar mit Vorsicht genossen werden, doch Fable 4 klang zumindest interessant. Wie McCormack schildert, war geplant, Albion in das viktorianische Zeitalter mit Steampunk-Elementen zu befördern. Aus Bowerstone wäre, nachdem es ein Dorf, eine Siedlung und eine Stadt war, eine Art London geworden, komplett mit Charakteren die auf Jack the Ripper oder Mr. Jekyll und Mr. Hyde basieren. Inspiriert wurde Fable 4 dabei sehr stark von den Romanen des Autors Jules Verne (20.000 Meilen unter dem Meer, In 80 Tagen um die Welt). Optisch hätte das Spiel eine ganz neue Ebene betreten, basierend auf der Unreal Engine 4.

John McCarmack wollte das Spiel in eine industrielle Zeit bringen, komplett mit Straßenbahnen und fliegenden Fahrzeugen. Dunkler hätte es werden sollen, mit Einflüssen aus der britischen Mythologie. Geworden ist daraus aber leider nichts. Das Projekt wäre gezwungen gewesen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein – zumindest so erfolgreich wie andere Microsoft-Spiele. Und daran hat Microsoft unter Don Mattrick nicht geglaubt. “Ich habe ihnen gesagt, gebt uns nur vier Jahre und eine angemessene Finanzierung. Gebt uns die Chance, die Mass Effect hatte, die Skyrim hatte, eben die Spiele zu der Zeit”, so McCormack. “Die haben vier Jahre und ein großes Budget erhalten. Gebt uns das und wir geben euch etwas, was ihr euren Spielern geben könnt. Aber wir hatten drei Versuche und die Einnahmen gerade einmal verdreifacht, wir waren nicht gut genug. Das hat mich damals so genervt.”

Seit 2014 ist Phil Spencer Leiter der Xbox-Sparte bei Microsoft und wird oft als Retter der Marke beschriehen, der das Vertrauen der Spieler zurückgewinnen will. Auch er konnte aber offenbar nicht Lionhead retten. Das Studio wurde am 29. April offiziell geschlossen. Es gab externe Versuche das Studio aufzukaufen und so zu retten, doch Microsoft wollte nicht auch die Rechte an Fable veräußern. Erst gestern wurde bekannt, dass Peter Molyneux Interesse an einem Fable 4 hat und diverse Lionhead-Mitarbeiter jetzt in anderen Studios untergekommen sind. Vielleicht gibt es also doch noch irgendwann das erhoffte richtige Rollenspiel.

Weitere Themen: Fable Trilogy, Fable Anniversary, Fable: The Journey, Fable 2, Fable III, Peter Molyneux, Microsoft Games

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