Fallout 4 - Far Harbor im Test: Lohnt sich der DLC?

Kristin Knillmann
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Für Fallout 4 gibt es seit Kurzem endlich den dritten, und damit den ersten richtig inhaltsstarken DLC. Der hört auf den Namen Far Harbor und hat genau das, was ein guter Fallout-DLC beinhalten muss. Ich habe das Ding gespielt und sage euch im Test, ob sich der Kauf lohnt.

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Fallout 4: Far Harbor - Test

Was muss ein Fallout-DLC können?

Dank der letzten Fallout-Titel sind wir es bereits total gewohnt, nach Release noch einige umfangreiche und meist gute Story-DLCs zum Endzeit-Paket zu bekommen. Umso größer war meine Enttäuschung, dass die ersten beiden Versuche – Automatron und Wasteland Workshop – im Vergleich mit den Zusatzinhalten der Vorgänger viel zu klein und belanglos ausfielen. Sie hatten nicht genug von dem, was einen guten Fallout-DLC, geschweige denn einen guten DLC überhaupt ausmacht:

Wenn wir mehr Geld in ein Rollenspiel investieren, dann sollte etwas dabei rauskommen, das mit Inhalten wie Old World Blues, The Pit oder Broken Steel mithalten kann: Wir wollen eine neue Gegend, etwas zum Entdecken, spannende Quests, vielleicht sogar neue Gegner, moralische Entscheidungen oder einige Überraschungen. Also im Grunde genommen ein kleines, eigenes Mini-Fallout, das alles aufgreift, was das Hauptspiel gut und erfolgreich gemacht hat.

Ein Glück, dass der neue DLC Far Harbor verstanden hat, was wir brauchen und uns genau das in mehr als 12 Stunden Spielzeit ohne Kompromisse vor die Füße knallt.

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Die Gegend von Far Harbor

Dass uns Automatron nur in eine kahle Roboterfabrik geführt hat, macht Far Harbor wieder wett: Der dritte DLC zu Fallout 4 schickt euch mit einem Schiff auf eine mysteriöse Insel im Norden des Commonwealth, um im Auftrag von Nick Valentines Detektiv-Agentur zu ermitteln, was mit der 19-jährigen Vermissten Kasumi geschehen ist.

Wenn ich „Mysteriöse Insel“ sage, bedeutet das, dass euch ein komplett neues Gebiet zur Erkundung erwartet. Das erinnert visuell teilweise an Point Lookout, einen der beliebten DLCs zu Fallout 3. Auch hier ist alles düster und in den Farbtönen Blau-Grau gehalten, während die Insel in einem widerlichen, aber furchtbar atmosphärischen Nebel versinkt. Der ist nicht nur ein signifikanter Teil der Geschichte, sondern beherbergt auch etwas ganz Übles: neue Monster. Macht euch bereit für ungemütliches Zeug: Far Harbor hat Angler, die euch mit ihrem Licht locken, Schlinger, die sehr gern einen Happen Vault-Bewohner hätten, menschliche Fallensteller, mit denen nicht gut Kirschen essen ist, und diverse leuchtende Mutationen bereits bekannter Gegner.

Beim Verteidigen der eigenen Person und Entdecken der diversen Orte der Insel, steht euch bei Far Harbor frische Hilfe zur Seite: der Alte Longfellow ist ein teil verpflichtender, teils möglicher Begleiter, der sich im Nebel der Insel bestens zurechtfindet. Das Commonwealth hatte insgesamt zwar die spannenderen Begleiter, eine entspannte Abwechslung ist der trinkende Longfellow aber allemal.

Far Harbor: Geheimnisse und Easter Eggs

Eine eigene Geschichte und haufenweise Quests

Mit der Kombination aus einer guten Geschichte und ordentlichen Quests steht und fällt ein Fallout-DLC ganz gern mal. Far Harbor erzählt währenddessen nicht die beste Story aller Fallout-DLCs, kann aber mit den Top-Kandidaten mithalten.

Das schafft der Inhalt über seine komplette Dauer von etwa 10 Stunden, die für die Handlung notwendig sind. Ständig macht er neugierig: Was ist denn jetzt mit Kasumi passiert, deren Schicksal ihr in Far Harbor ergründen sollt? Was steckt hinter dem riesigen Konflikt der drei Parteien, welche die Insel bewohnen? Und was hat es eigentlich mit diesem Nebel auf sich, der angeblich verrückt machen soll?

Haufenweise Fragen, deren Antworten ihr Stück für Stück ergründet. Das typische Rollenspiel-Gefühl von Fallout steht dabei glücklicherweise im Vordergrund: Far Harbor schmeißt euch nämlich nicht nur eine lineare Quest in den Pip-Boy, sondern auch gleich etliche Neben- und Unter- und Seiten-Aufgaben, die euch Bewohnern der Insel auf unterschiedliche Weise helfen lassen oder an wenigen Stellen gar zu eurer Fraktion ins Commonwealth führen.

Nachdem man im Hauptspiel für die Fraktionen zu viel dämlichen Laufburschen-Kram erledigen musste, habe ich von den Aufgaben auf Far Harbor lieber nicht zu viel erwartet. Schön ist, dass die dann doch abwechslungsreicher ausfallen als gedacht: Mal tötet ihr Monster, mal folgt wir Fährten, mal beschattet ihr Verräter, mal überzeugt ihr Abtrünnige von der Wahrheit. Es gibt viel zu tun auf Far Harbor.

Dabei warten auch einige besondere Überraschungen auf euch, die ich an dieser Stelle nicht verraten werde. Nur so viel sei gesagt: Wer Abschnitte wie Tranquility Lane oder die Halluzinationen in Point Lookout mochte, darf auch in diesem DLC über eine außergewöhnliche Quest schmunzeln – die nach hinten raus etwas anstrengend wird, aber in ihrer Idee irgendwie charmant bleibt.

Und ganz zum Schluss erwarten euch in Far Harbor dann auch die glorreichen moralischen Entscheidungen, die wir alle so gern haben. Die erinnern – und das ist ein schöner Blick in Richtung Hauptspiel – an die Entscheidungen, die wir zugunsten oder gegen die großen Fraktionen von Fallout 4 treffen mussten.

Meine liebsten Momente der Geschichte von Far Harbor sind aber eigentlich ganz andere, die gar nicht so groß aufgegriffen werden, aber es schaffen, in ihrem kurzen Augenblicken eine tiefere Verbindung zum Begleiter Nick Valentine zu schaffen, sowie meine eigene Identität und damit viele Entscheidungen des Hauptspiels komplett auf den Kopf zu stellen. Was ich damit meine, entdeckt ihr am Besten selbst.

Far Harbor: So schaltet ihr alle Enden frei (Spoiler)

Mein Test-Fazit zu Fallout 4 – Far Harbor:

Far Harbor kann stolz drauf sein, sich in die Reihe der guten Fallout-DLCs einreihen zu dürfen. Das Ding hat mit über 12 Stunden massig Inhalt – und das sowohl was das reine Entdecken angeht, als auch im Hinblick auf die Geschichte. Da wir viele der auftauchenden Charaktere noch nicht kennen und deswegen emotional nicht sonderlich involviert sind, bleibt die Erzählung hinter einigen sehr guten Quests aus Fallout 4 zurück. Und trotzdem schafft sie es, ihre eigenen spannenden Ansätze und moralischen Entscheidungen zu liefern, die wir vom Spiel gewohnt sind und inzwischen auch erwarten.

Gewohnt sind wir übrigens auch die leidigen Bugs, die sich in Far Harbor mal wieder nicht verstecken: Hier und da bleibt ein schwerer Gegner einfach in der Gegend stehen und attackiert nicht. Das ist ein bisschen doof und muss nicht sein, war aber zumindest an keiner Stelle spielentscheidend.

Zum Glück, denn ich hatte wirklich viel Spaß mit Far Harbor. Schließlich gibt es neue Gegner, einige herausfordernde Legendary- und Boss-Kämpfe, sowie eine atmosphärische, in Nebel getauchte Insel, auf der es viele Kleinigkeiten zu entdecken gilt. Alles Dinge, die den Inhalt merklich aufwerten.

Bethesda hat erkannt, was in einen Fallout-DLC gehört, und euch ein Paket geschnürt, das die Welt nicht verändern wird, aber jedem Fallout-Fan weitere tolle Stunden mit dem eigenen Lieblingsspiel bescheren wird.

Wertung

8/10
Getestet von Kristin

Far Harbor ist ein toller DLC, der das Ödland nicht neu erfindet, aber genug spannende Inhalte für Fallout-Fans nachliefert.

Na, angefixt?
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