Far Cry 3: Blood Dragon angespielt – Scheiße genug?

Far Cry 3: Blood Dragon angespielt – Scheiße genug?

Es gehört schon ganz schön was dazu, wenn man als Entwickler dieser Tage den eingefahrenen Trott einer Spiele-Präsentation auszuhebeln gedenkt. Halten sich diese Veranstaltungen doch allesamt an eine Reihe von ungeschriebenen Gesetzten, deren gemeinsames Ziel es ist, ein Maximum an redundanten Informationen mit einer gehörigen Portion Langeweile zu kombinieren. Ausnahmen sind selten. Ubisoft Montreal ist am vergangenen Montag im Hamburger East Hotel eine gelungen.

Ob „Far Cry 3: Blood Dragon“ allerdings die Versprechungen seiner herrlich entspannten und höchst unterhaltsamen Präsentation halten kann, sei hier entschieden bezweifelt.

Waran liegt´s? Jedenfalls nicht an der Idee, die uns Ubisofts quirligster Bartträger Dean Evans am Montag präsentierte. Die ist nämlich richtig gut: „Blood Dragon“ soll so scheiße wie möglich sein. Das Drehbuch: Eine klebrige und dramaturgisch ziellose Kollage aus B-Movie Klischees und 80er Jahre Peinlichkeiten. Design und Art-Style: Eine besoffene Verbeugung vor den manischen Lust-Fantasien der amerikanischen White Trash-Kultur. Der Spielablauf: Eine zusammengerotzte Aneinanderreihung von tödlichen Seitenhieben in die Rippen des generischen Games-Designs. „Far Cry: Blood Dragon“ ist das, was Evans im Alter von zwölf Jahren in einer Badewanne voller Robocop 3-Badeschaum empfunden hat. Ein Fiebertraum des schlechten Geschmacks. Wie geil!

Ein zu heißes Bad im schlechten Geschmack

Als Dean Evans fertig ist, glauben die anwesenden Journalisten dann auch tatsächlich, endlich das spielen zu können, was „Duke Nukem Forever“ seinerzeit nicht einzulösen vermochte.

Zunächst scheint genau das der Fall zu sein. Die Zwischensequenzen bestehen aus grobpixeligen Stills, dem kitschigen Machismo-Galore-Voice-Over eines Michael Biehn und einem Soundtrack, der stark an Terminator erinnert. Die Nummer ist auf Augentiefe mit dem miserablen Storytelling eines „American Ninja“, nur dass Ubisoft das Ganze auch noch mit Cyborgs, Laseraugen-Drachen und einer Apokalypse (die gerade eine Apokalypse hatte) überwürzt hat. Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch mächtig angetan. Auch die herrliche Persiflage auf Shooter-Tutorials kann die erfrischend unwertige Haltung von „Far Cry: Blood Dragon“ nur noch unterstreichen.

Bildergalerie Far Cry 3 Blood Dragon

Eine Stunde später fange ich aber langsam an, mich ein bisschen zu langweilen. Nach vielen, durchaus spaßigen, überhaupt nicht anspruchsvollen, aber dafür sehr chaotischen Close-Quarter-Gefechten, entlässt man mich in die auf bunt geschaltete Wildnis aus dem Hauptspiel.

Erfrischend unwertige Haltung

Zu diesem Zeitpunkt fühlt sich „Blood Dragon“ bereits viel zu sehr wie „Far Cry 3“ an. Ich schleiche mich an gegnerische Basen heran, greife auf die aus dem Hauptspiel bekannten Strategien zurück und erobere das feindliche Gebiet, sobald alle Gegner ausgeschaltet sind. Ok, zwischenzeitig durfte ich noch mit einem der namensgebenden Drachen kämpfen, die sich übrigens mit Cyborg-Herzen indirekt kontrollieren lassen, aber alles in allem kenne ich das hier schon.

Da auch die Gag- und Zitatdichte in dieser Passage bereits stark ausdünnt, kommt man nicht umhin, die wenigen Änderungen, die Ubisoft Montreal am Hauptspiel vorgenommen hat, zu attestieren.

Neue Texturen, eine auf trashig getrimmte Flora und Fauna, das war´s irgendwie auch schon. Ob mich das allein für die versprochenen sieben Spielstunden bei der Stange halten kann? Keine Ahnung. Für den Zuckerguss aus Scheiße, der von Ubisoft über „Far Cry 3“ ausgekippt wurde, bin ich den Entwicklern jedenfalls wirklich dankbar. Hier wird endlich eine in unserer Spielekultur sträflich vernachlässigte Leerstelle gekonnt gefüllt. Leider hat mich „Far Cry 3: Blood Dragon“ auf spielerischer Ebene ziemlich kalt gelassen. Unentschiedenen rate ich deshalb, auf unseren Test zu warten. „Far Cry 3: Blood Dragon“ erscheint am 1. Mai auf Xbox Live, PlayStation Network und (wahrscheinlich) Uplay.

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Weitere Themen: Far Cry 3 Demo, gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Ubisoft

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