Far Cry 3 Test – Der beste Shooter der letzten Jahre

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Es ist nicht nur das letzte große Spiel des Jahres 2012, es ist auch eines, dessen Marketing-Tamtam im Vorfeld als einer der wenigen Titel mit Konkurrenten ala ‘Call of Duty‘ mithalten konnten. Ubisoft scheint zu wissen, dass sie da eine starke Marke haben. Und das es so Einiges wettzumachen gilt, denn nach der schwachbrüstigen Vorstellung von ‘Far Cry 2‘ muss es jetzt sitzen. Und was soll ich sagen: Es sitzt. Aber sowas von...

Far Cry 3 Test – Schöne Aussichten

Wie schon mehrfach konstatiert, bin ich nicht der allergrößte Fan von Open-World-Spielen, zumindest dann, wenn sie nicht in der Lage sind, mich clever bei der Stange zu halten. „Far Cry“ und sein Nachfolger waren mir dahingehend immer zu offen, zu unfokussiert, auf Dauer zu langweilig. Wie auch immer Ubisoft es macht, dass ich mich nun trotz 20 Stunden Spielzeit nicht eine Sekunde langweile während des Far Cry 3 Tests – bitte, macht es häufiger.

Als ich nach der zweiten Mission zum ersten Mal ein Fahrzeug besteige und von A nach B kutschieren muss, schlucke ich noch. „Oha, die Laufwege wieder.“ Aber dann greift nach und nach plötzlich so Vieles ineinander. Dann warten am Straßenrand zahlreiche Aufgaben, Stützpunkte, die ich erobern kann, Tiere, die ich jagen kann, versteckte Geheimnisse, die ich sammeln kann. Nichts davon muss ich tun, aber für all diese Dinge werde ich belohnt.

Mit Geld oder Fähigkeitspunkten. Mit ersterem kaufe ich neue Waffen, mit letzterem verbessere ich meinen Umgang mit ihnen. Jage ich seltene Tiere, kann ich mir dank des rudimentären Crafting-Systems größere Rucksäcke und Munitionstaschen schneidern. Alles in diesem Spiel scheint sich gegenseitig zu beeinflussen, ergibt ein großes Ganzes, das sich nicht nur gut, sondern auch irgendwie organisch, sehr lebendig anfühlt.

Die wunderschöne Spielwelt profitiert natürlich von der überragenden Technik. Egal, wohin ich auf dieser Insel gehe, ich will andauernd instinktiv stehenbleiben, ein Foto machen und dieses dann minutenlang ablecken. „Far Cry 3“ fördert dabei wie die guten Rollenspiele den Entdeckerdrang, lässt mich in Aztekenruinen hinabsteigen oder – wenn ich suche – kleine Bärenhöhlen erforschen, in denen ich tatsächlich auch Schätze finde.

Dummerweise hat auch Ubisoft kein Mittel gegen einige typische Open-World-Krankheiten gefunden. Bugs und Glitches lauern überall, manche davon führen sogar zum Missionsabbruch. Für einen Titel dieser Größe, bleibt „Far Cry 3“ aber dennoch exzellent spielbar. Die KI kommt mit der freien Wildbahn leider nicht mit und das Aufdecken der Karte, in dem ihr – Assassins Creed, ick hör dir trapsen – Aussichtstürme erklimmt, nervt auf Dauer etwas.

Zum Glück hat „Far Cry 3“ eine starke Story, die bis zum Ende motiviert, spannend bleibt und – hurra – zur Abwechslung mal nicht nach Schema F gestrickt ist. Im Kern geht es zwar auch nur um Rache, aber allein man einen schwächlichen Teenager an die Hand bekommt, der einfach nur von dieser Insel runter will, statt des Ex-Marine-Navy-Karate-Killer-Sonder-Typen, kann man in der Spielehistorie schon als Novität bezeichnen.

Jason Brody heißt der. Und der flucht, der meckert, der leidet, kommentiert nahezu jede Situation. Nach all den schweigsamen Helden der Vergangenheit ist es erfrischend bis faszinierend einen Helden vorgesetzt zu bekommen, der derart viel Persönlichkeit besitzt. Und dann dieser Gegenpart: Bösewicht Vaas ist ein toller Antagonist, der aus einer simplen Ballerei plötzlich ein vielschichtiges Aufeinandertreffen zwischen Gut und Böse macht, an dessen Ende tatsächlich sehr viele Graustufen stehen.

All dies verpackt „Far Cry 3“ in eine durchweg spannende Kampagne, die mit abwechslungsreichen und großartig inszenierten Missionen begeistert. Wir tauchen durch sinkende Schiffe, kraxeln durch Ruinen, fackeln mit Skrillex im Ohr Drogenfelder ab, überfallen Konvois und besiegen einen wahrhaft titanischen Bossgegner. Nebenbei stellen sich immer wieder neue Charaktere vor, die allesamt in Erinnerung bleiben. Sam, der deutsche Undercover-Agent, ist jetzt schon mein Lieblingscharakter 2012.

Weiteres zum Schleichsystem, zur Jagd, zum Crafting, den Skills und die Frage, was der Mehrspieler-Part kann, erfahrt ihr im Far Cry 3 Video Review.

Fazit zu Far Cry 3

An einer bestimmten Stelle im Spiel kniet Vaas, eine irre Drecksau von Bösewicht, vor dem Spieler und fragt: „Hab ich dir schon mal die Definition von Irrsinn erklärt? Irrsinn bedeutet, immer wieder dasselbe zu tun und nie daraus zu lernen.“ Ob beabsichtigt oder nicht, gelingt es den Autoren von Ubisoft punktgenau zu umschreiben, warum „Far Cry 3“ nicht etwa gut oder sehr gut geworden ist, sondern ein absoluter Hammer von Shooter.

Sämtliche Punkte, die ich jemals an dieser Reihe zu bemängeln hatte, wurden konsequent ausgemerzt. Die Spielwelt ist faszinierend, reich befüllt mit sinnvollen (!) Aufgaben und lebendigen Charakteren. Crafting und Jagd fügen sich homogen ins Spiel, wirken nie aufgesetzt. Die Story ist toll erzählt, die Hauptmissionen extrem spannend, meine Vorgehensweise kann ich vielfältig variieren, an der Grafik will ich mich einfach nicht satt sehen.

Man merkt schon: Ich schwärme. Aber mir will ganz im Ernst und aus tiefstem Herzen kaum etwas einfallen, das an „Far Cry 3“ nicht exzellent erdacht und umgesetzt wäre. Ich verneige daher mein Haupt vor einem Entwicklerteam, dass es schafft, ein Spiel dieser Größe nicht aufgeblasen und träge wirken zu lassen, dass sich an vielen Stellen hat „inspirieren“ lassen, diese Ideen aber homogen ins Spiel zu implementieren vermag und am Ende ein geniales Highlight des Genres zu erschaffen.

Der beste Shooter der letzten Jahre! Nicht weniger.

Wertung: 92%

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Weitere Themen: Far Cry 3 Demo, gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Ubisoft


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