Far Cry 3 Blood Dragon Video-Test & Gewinnspiel: Im besten Sinne albern

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„Rex, du musst die Erde retten. Tu es für Amerika“, ruft die blonde Trulla, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. Dann sagt der kantige Typ mit dem roten Laserauge. „Nein, nicht für Amerika – ich tue es für die Menschheit!“ Und ich muss lachen. Weil mir sofort ein gutes Dutzend Actionfilme durch den Kopf schwirren, in denen die vom Testosteron aufgeblasenen Helden EXAKT so gesprochen haben. Toll war das damals.

Dass man genau diese Ära, diese Aura des Doofen, diese Freude am Trash irgendwann einmal mit „Far Cry“ assoziieren würde, hätte vor gut vier Wochen niemand erwartet. Da war „Far Cry Blood Dragon“ noch nicht mehr als ein Gerücht. Mittlerweile ist klar: Irgendein Spinner im Entwicklerteam von „Far Cry 3“ dachte sich „Warum aus einem der besten Shooter aller Zeiten nicht einfach eine neonfarbene Trashhommage machen“.

Und da ist es dann: „Blood Dragon“. Eines der schönsten Argumente in der Debatte zum Thema „DLC – ja oder nein“. Statt wie so oft üblich einfach zurückgehaltene Spielinhalte aus dem fertigen Spiel als Bonus-Content anzubieten, hat Ubisoft ein völlig anderes Spiel aus „Far Cry 3“ gemacht. Wobei, die grundlegenden Mechanismen bleiben natürlich erhalten, wie etwa das herrliche Gunplay oder die Möglichkeit, gegnerische Festungen zu übernehmen.

Darüber stülpen die Macher von „Blood Dragon“ eine Handlung, die so weit weg von der Definition von „Sinnhaftigkeit“ ist, dass man sie einfach lieben muss. Ihr seid Rex Power Colt, ein Typ, so patriotisch, muskulös und unantastbar, dass selbst Chuck Norris neidisch ergrünen würde. Der rest ist irgendeine Ursuppe aus Laser-schießenden Dinosauriern (weil...halt...), einem verrückten General und Cyberexperimenten. Weil cyber so gut klingt, nehme ich an.

Grafisch wird das wilde Treiben mit der entsprechenden Bildsprache untermalt. Heißt: Knallig bunt, wie in einem Samantha Fox-Video, der Soundtrack klingt, als hätte jemand die Tonspuren von „Tron“, „Terminator 2“ und „Flashdance“ übereinander gelegt. Und dann ist da noch B-Movie-Sternchen Michael Biehn, der Dialoge von oben erwähnter Güteklasse intoniert. Klingt wie ein Freifahrtschein in Richtung Kulthit, nicht wahr?

Ist es leider nicht. Dummerweise verlassen sich die Entwickler zu sehr auf die recht früh verspielte Referenz-Karte. Spielerisch ist „Blood Dragon“ hingegen maximal mittelmäßig gelungen. Die Missionen sind anspruchslos, lassen viel von der Bildgewalt und Spannung des Hauptspiels vermissen, laufen zumeist auf pures Dauergeballer hinaus und nerven mit dröger Gegner-KI. Gegen Ende kommen dann sogar stupide Arena-Sequenzen im Stil von Serious Sam hinzu…

Obendrein dummt Ubisoft das recht komplexe System von „Far Cry 3“ auf „leichtere Zugänglichkeit“ herunter. Bei Levelaufstiegen gibt es nun also keine Skillpunkte mehr, die ihr auf drei Talentbäume verteilen könntet. Stattdessen zwingt euch das Spiel eine neue Fähigkeit auf. Angeblich um die Spieler nicht mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten, so die Entwickler. Selbiges gilt für das Crafting und die Jagdmissionen – beides existiert nur noch eingeschränkt.

Wer wirklich gute Ideen finden will, muss abseits der Hauptquest suchen. Sollte er sowieso, denn nach maximal drei Stunden ist der Spaß hier vorüber. In den kleinen Aufträgen versteckt Ubisoft dann aber tatsächlich kleine Popkulturzitate. Wenn wir in einer Kanalisation genau vier Schildkröten beseitigen sollen und dort überall Pizzaschachteln herumliegen, dann hört man im Hinterkopf förmlich Frank Zander trällern...

Fazit:

Jede Menge Zitate, eine klischeetriefende Sexszene, Dialoge, die es so eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, doofe Zeichentrickanimationen, Discosongs, eine Trainingsmontage, ein Song aus Karate Tiger und ein Ritt auf einem Dinosaurier – wahrlich, mein Nerdherz wird hier mit allen Mitteln bedient. Zu dumm, dass Ubisoft bei aller Popkultur-Referenz den Spieler in mir so vernachlässigt. Wer dachte das aus der Mischung von „Far Cry 3“ und Trashfilm-Attitüde das beste Spiel aller Zeiten herauskommt, wird enttäuscht.

Dafür sind die Missionen zu plump aufgebaut, in denen man am Ende doch nur Welle um Welle blöder Cybersoldaten aufhalten muss. Drei Stunden sind zu kurz für einen schnellen Rausch, der gern kultig wäre, sich aber zu sehr auf das bloße Zitieren verlässt. So doof Filme wie „Commando“ oder „Missing in Action“ auch waren, sie hatten zumindest gute Actionszenen zu bieten – das Spektakel des Hauptspiels geht „Blood Dragon“ jedoch ab.

Allerdings ist das Drumherum immer noch witzig genug, um für kleines Geld seinen Spaß zu haben. Allein für das genial-selbstironische Tutorial muss man die Entwickler beglückwünschen. Zumal sie es geschafft haben, dass ich nach den Credits mehr wollte. Steckt da noch ein paar Arbeitsstunden und mehr Budget rein, Ubisoft – ich will ein ganzes Spiel in diesem Setting.

Gewinnspiel: 

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Wertung

8/10
Getestet von David

Wenn der Terminator, Karate Tiger und Chuck Norris ein Kind gezeugt hätten, hieße es Rex Powercolt - und dies wär sein Spiel. Was es ja ist...

Leserwertung
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Weitere Themen: Far Cry 3 Demo, gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Ubisoft


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