Willkommen in CoreVille – Werden wir bald alle zu Social Gamern?

Social Games sind scheiße. Entschuldigt meine drastische Ausdrucksweise, aber was FarmVille & Co angeht, könnte meine berufliche und private Meinung kaum deutlicher sein. Es gibt so viele wundervolle und aufregende Spiele da draußen – warum sollte ich meine kostbare Spielzeit mit diesem monetarisierungswütigen Unsinn verplempern? Eine Frage, auf die mir Spiele wie „The Sims Social“, „Gardens of Time“ oder „Bingo Blitz“ bisher keine überzeugende Antwort geben können. Aus diesem Grund hatten die Social Games und ich bisher einen Deal. Ich würde sie in Ruhe lassen und im Gegenzug würde sich unser Verhältnis auf sachlich-unterkühlte Begegnungen auf Presseevents beschränken. Damit ist nun Schluss, denn 2012 scheint dieser Deal zu platzen. 

Willkommen in CoreVille – Werden wir bald alle zu Social Gamern?

Meine Schuld ist das nicht. Du – mein lieber Social Gamer – bist dafür verantwortlich. Ja du! Du und deine 60 Millionen Facebook-Freunde, die täglich auf dem sozialen Netzwerk diesen Mist spielen und mich mit „Mafia Wars“-Einladungen nerven.

Wobei das so nicht ganz richtig ist. Es sind ja nicht die unzähligen Spielstunden, die du in das stumpfsinnige Verwalten irgendwelcher Spielfelder versenkst, die meinen Deal platzen ließen. Es ist dein Geld. Schätzungen zufolge wirst du Zynga, EA, Playdom und wie sie alle heißen, im Jahr 2015 vier Milliarden Euro hinterherschmeißen. Allein auf Facebook! Geld, das du vor allem für virtuelle Güter ausgibst. Im Gegenzug geben dir die Hersteller der Social Games dafür „Werbung in angenehmer Spielsituation“ und gestriges Gameplay. Wow!

Social Gamer zahlen Milliarden für “Werbung in angenehmer Spielsituation”

 

Nicht mal die fortwährenden Skandale um die fragwürdigen Geschäftspraktiken der Social Games halten dich vom Facebook-Zocken ab. Gestern erst hat mal wieder ein Ex-Mitarbeiter von Zynga ausgepackt. Demnach verdient sein alter Arbeitgeber sein Geld vornehmlich damit, „Spieler auszuspionieren und intime Daten und Verhaltensweisen zu sammeln, um diese dann effektiv zu monetarisieren“.  Zynga, gab der Whistleblower zu Protokoll, sei kein Spiele-Entwickler, sondern ein reines Marketing-Unternehmen.

Der arme Kerl beschwerte sich bei einem Manager zum Beispiel über die miesen Drop-Raten eines bestimmten In-Game Items. Die waren offenbar derartig niedrig, dass man seiner Meinung nach nicht mehr von Spielspaß sprechen konnte. Dem zuständigen Manager war das egal. Der vorgelegte Code wurde wieder umgeschrieben, die spaßbefreite aber profitablere Variante gewählt.

Dich, lieber Social Gamer, scheint all das wenig zu kümmern. Die gewaltigen Renditen, die du den Herstellern bescherst, haben sie zu einflussreichen Playern am Games-Markt werden lassen. Entwicklerstudios wurden eingekauft, Ressourcen neu verteilt und Pläne geschmiedet. Mir könnte das eigentlich egal sein – doch leider bin ich selbst längst ein Teil dieser finsteren Pläne geworden. 2012 blasen die Social Games nämlich zum großen Angriff auf die Hardcore Gamer.

Ihr glaubt mir nicht? Ihr denkt, dass ihr niemals ein Spiel wie „FarmVille“ oder „Empires & Allies“ anrühren werdet? Think again. Ich gebe euch ein Beispiel: „Marvel: Avengers Alliance“. Dabei handelt es sich um ein Rollenspiel mit Strategie-Elementen. Gemeinsam mit den bekannten Comic-Helden „Iron Man“, „Thor“ und „Captain America“ gilt es im Stile der alten „Final Fantasy“-Klassiker rundenbasierte Kämpfe zu bestehen, den Skill-Tree auszubauen und die eigens für das Spiel geschriebene Story voranzutreiben. Geil! Ich für meinen Teil will das unbedingt spielen.

Das liegt nicht nur daran, dass ich ein großer Comic-Fan bin. „Marvel: Avengers Alliance“ wurde von Hardcore-Gamern für Hardcore-Gamer entwickelt. Es spricht mich direkt an – und ich werde antworten. Mein Deal mit den Social Games wäre damit geplatzt. Schönen Dank auch.

Sollte ich Spielen wie „Marvel: Avengers Alliance“ in Zukunft tatsächlich eine Chance geben, läge ich damit voll im Trend. Das Durchschnittsalter der Social Gamer wurde im letzten Jahr um vier Jahre auf 39 gesenkt – Tendenz weiter fallend. Der Anteil der 22-29-jährigen unter den Social Gamern hat sich in den vergangen 12 Monaten in den USA sogar verdoppelt. Auch der Anteil der Männer unter den Social Gamern wächst. Waren es 2011 noch knapp 40%, dürfte sich das Geschlechterverhältnis in den kommen Jahren ausgleichen.

Was kommt da auf uns zu? Werden wir am Ende alle zu Social Gamern? Was soll dann bloß aus uns werden? Eure Meinung interessiert uns, also Hand aufs Herz: Welche Social Games zockt ihr bereits und welchen Titel bräuchte es, um euch vom Glauben abfallen zu lassen?

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Weitere Themen: Gardens of Time, Mafia Wars, Facebook

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