Farpoint im Test: Immersion groß geschrieben

Sandro Kreitlow
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Farpoint verspricht, DAS Zugpferd von PlayStation VR zu werden. Der exklusive Titel erinnert an Starship Troopers, erzählt jedoch eine ganz eigene Geschichte, die mit Atmosphäre zu überzeugen weiß.

Keine Zeit für den gesamten Test? Ganz unten findest Du eine Zusammenfassung!

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Farpoint "Be Immersed" Trailer

Ich habe keine Ahnung, wann genau es passierte, aber irgendwann zwischen 10 und 15 Minuten im Gameplay vergaß ich, dass ich ein Fahrradrahmen-ähnliches Plastikteil in meiner Hand halte. Stattdessen trickste Farpoint bereits nach kurzer Zeit mein Gehirn so sehr aus, dass ich fest daran glaubte, ein großes, mächtiges Laser-Gewehr zu tragen, während ich in meinem Raumanzug auf einem Mars-ähnlichen Planeten stehe.

Ja, Immersion wird in Farpoint groß geschrieben. Es dauert nicht lange, bis Dich der VR-Shooter in seine Welt zieht. Doch was ist passiert? Wie gelangst Du überhaupt zu diesem Ort?

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Storytelling in Virtual Reality

Als Wissenschaftler begleitest Du ein Team auf die Mission, eine Strahlungsanomalie in der Nähe des Jupiters genauer unter die Lupe zu nehmen, als sich diese plötzlich vergrößert. Sie zieht alles um sich herum an, ehe die Crew in eine fremde Welt transportiert wird. Bruchlandung mit einer Rettungskapsel – Ganz auf Dich allein gestellt auf der Suche nach Deinen Kollegen. Um mehr über die offene Welt um Dich herum zu erfahren gilt es, Hologramme zu scannen und zu sammeln. Doch es dauert nicht lange, ehe sich Dir widerliche, Spinnen-artige Kreaturen in den Weg stellen. Es wird Zeit, das Plasma-Gewehr zu benutzen.

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Ohne zu viel zu verraten, sind die Spinnen-Monster erst der Anfang. Das Gegnerdesign ist nicht nur auf widerliche Schädlinge reduziert, bald stellen sich Dir auch Roboter-Drohnen und außerirdische Humanoiden in den Weg. Um gegen sie eine Chance zu haben, reicht das Standard-Plasma-Gewehr bald nicht mehr. So findest Du Schrotflinte, ein Präzisionsgewehr, ein stärkeres Plasma-Gewehr sowie die Spike Gun. Dabei kannst Du die Waffen jederzeit wechseln, indem Du den Ziel-Controller nach oben hältst – eben so, als würdest Du eine neue Waffe von Deinem Rücken ziehen.

Virtual Reality - Fluch oder Segen?

Die Einzelspieler-Kampagne dauert etwa 5-7 Stunden inklusive längerer Zwischensequenzen, die mehr von der Geschichte erzählen. Zwar wird Dich diese und besonders das Ende nicht vom Stuhl werfen (sondern eher die Steuerung), doch sie ist gut genug, um Dein Interesse zu wecken, Dich durch unbekanntes Territorium zu kämpfen, um mehr Hintergründe zu erfahren. Die Geschichte der beiden Wissenschaftler, denen Du per Hologramme begegnest, ist interessanter als das, was als Deine eigene Geschichte präsentiert wird.

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Die beiden Wissenschaftler kommen in einer Nebenhandlung den Hintergründen des fremden Planeten auf die Spur, was Du manchmal als Außenstehender wahrnimmst, manchmal sogar aus den Augen der Charaktere selbst. Das Spiel erzählt sorgfältig, was in dieser Welt geschah, versäumt es dann allerdings, die parallelen Geschichten zusammenzuführen. Während eine menschliche Geschichte im Hintergrund stattfindet, reißen Dich die Schieß-Passagen immer wieder raus aus der Handlung. Um es auf den Punkt zu bringen: Den Wissenschaftlern wurden Seelen gegeben. Du hingegen bekommst nur eine Waffe.

Hast Du die Handlung durchgespielt, wartet der Coop-Modus auf Dich. Hier kannst Du gemeinsam mit einem Freund online vier Gegnerwellen bekämpfen. Darüber hinaus bietet Farpoint einen Herausforderungs-Modus mit verschiedenen Variationen und Modifikationen, um das Gameplay zu verändern.

Die Illusion, wirklich auf diesem Planeten festzustecken, funktioniert sofort – Ein früher Beweis für die Qualität der VR-Technik von Farpoint und insbesondere des PlayStation-Ziel-Controllers, mit dem Du die Feinde abschießt.

Künstliche Fortbewegung = Motion Sickness?

Dieser speziell vom Entwickler für Farpoint angefertigte Controller ist zwar kein Zwang, schließlich kann auch mit dem PS4-Controller gespielt werden, allerdings geht dabei eine ganze Menge Spielspaß verloren. Der hochwertige PlayStation-Ziel-Controller wird an zwei Griffen wie ein Gewehr gehalten. Die Griffe teilen sich die PlayStation-4-Buttons und -Sticks. An jedem Griff ist ein Analog-Stick angebracht. Während um den Analog-Stick des vorderen Griffs die vier klassischen Tasten verteilt sind, befinden sich unter dem Analog-Stick des hinteren Griffs die Pfeiltasten. Hinter letzteren sind passenderweise R2 als Trigger und L1 als Button befestigt. Jede Taste und jeder Button ist sinnvoll platziert.

R2 dient allerdings nicht wie sonst dem Abfeuern. Hierfür wurde stattdessen ein klassischer Abzug eingebaut, wie bei einer Waffe eben. Das Zielen funktioniert sofort intuitiv. Als wäre es nicht Dein erstes Mal mit einer Waffe zielst Du routiniert auf Feinde, die sich Dir in den Weg stellen. Da Du den Ziel-Controller direkt vor den Kopf hältst, schaust Du im Spiel völlig selbstständig durch das Visier. Doch keine Sorge: Sind die widerlichen Kreaturen nicht im Sichtfeld, attackieren sie Dich erst, wenn sie sich in Deinen Blickwinkel bewegen. Das nimmt etwas Realismus weg, macht aber Sinn, denn: Nichts in VR ist schlimmer als Jumpscares. Die anspringenden Killerspinnen und andere widerliche Kreaturen sind auch mit Ansage schon schockierend genug.

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Ich bewege mich fort, indem ich den Analog-Stick des hinteren Griffs betätige. Obwohl ich mich nach einer guten Stunde auf einen Stuhl setze, stört diese künstliche Fortbewegung nicht. Ein unschönes Gefühl in meiner Magen-Gegend entsteht erst bei Drehungen zur Seite, um die Laufrichtung zu ändern oder Feinden auszuweichen. Es dauert, bis ich mich daran gewöhne, einen Analog-Stick für die Fortbewegung nach vorn zu drücken und den anderen für die Richtung zur Seite, während ich mich per Kopfbewegung umherschaue. Erstmal Pause.

Um dieser Motion Sickness zu entgehen, bietet Farpoint neben 11 Drehgeschwindigkeits-Stufen unterschiedliche Anpassungen im Drehmodus:

  • Geschmeidig
  • Kleiner Schritt
  • Weiter Schritt
  • Klicken
  • Kein Drehen

Mit welchen Einstellungen sich Farpoint für Dich am besten anfühlt, erfährst Du nach mehrmaligem Herumprobieren. Die Einstellungen können nämlich jederzeit im Pausen-Menü angepasst werden. Allerdings muss der Gewöhnungsfaktor in VR-Titeln auch bei vielen oft erst greifen. Es ist ein Lernprozess. Mit der Zeit solltest auch Du die richtigen Einstellungen für Dein Körpergefühl gefunden haben. Es sei denn, von jeglicher VR-Erfahrung wird Dir schlecht. Dann hast Du auch in Farpoint keine Chance.

Zusammenfassung

Dank einer Vielzahl von Bewegungsoptionen versucht Entwickler Impulse Gear Motion Sickness zu umgehen. So richtig verschwinden wird sie nie. Die analoge Bewegungssteuerung mit zwei unterschiedlichen Analog-Sticks fühlt sich nicht intuitiv genug an, auch wenn Du mit der Zeit damit umzugehen weißt. In regelmäßigen Abständen sind Pausen unvermeidbar. Die Prämisse ließ auf eine intensive, erinnerungswürdige Handlung hoffen. Allerdings wird das Potenzial wird leider nicht ganz ausgereizt. Doch vor allem durch den Science-Fiction-Soundtrack überzeugt Farpoint in seiner Atmosphäre, auch wenn einige Feinde und Landschaften besonders auf der regulären PlayStation 4 in der Ferne verschwimmen. Es ist der neue Ziel-Controller, der PlayStation VR auf ein neues Level hebt. Damit hält Farpoint das, was es verspricht. Es bleibt zu hoffen, dass sich weitere Spiele der wunderbar funktionierenden Technik bedienen.

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Farpoint wird Dir gefallen, wenn Du: das nächste Level von PlayStation VR erleben willst, schon immer mal widerliche Riesenspinnen und -insekten wegballern wolltest (Starship Troopers!)

Farpoint wird Dir nicht gefallen, wenn Du: unter Arachnophobie leidest, HTC Vive-Grafiken gewohnt bist, Dir bereits bei ruhigeren VR-Spielen schlecht wird

Wertung

7.5/10
Getestet von Sandro

Farpoint ist die bisher beste Virtual Reality-Erfahrung für PlayStation VR. Nicht nur das Storytelling gelingt, sondern auch das Gameplay dank des genialen Ziel-Controllers.

Weitere Themen: PlayStation VR, Virtual Reality

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