Indie Game – The Movie: Der beste Film über unser Medium?

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Es ist ein Traum. Als kleines Team im Keller des Elternhauses ein Spiel zu entwickeln, das sich neben den Big-Budget-Riesen von EA, Activision und Co. behaupten kann. Sich als Underdog einen Namen zu machen und von Tausenden, wenn nicht gar Millionen von Fans gefeiert zu werden. Der Traum vom Independent-Entwickler ist echt, scheint dieser Tage greifbarer denn je und wird von zahlreichen Entwicklerteams und Solisten weltweit verfolgt. Falls auch ihr an diesen Traum glaubt, schaut euch auf keinen Fall „Indie Game – The Movie“ an.

Ungefiltert zeigen die Kanadier James Swirsky und Lisanne Pajot in ihrem 81-minütigen Dokumentarfilm die Entwicklung von „Super Meat Boy“, „Fez“ und „Braid“. Dabei geht es weniger um die Spiele selbst, sondern vielmehr um die Menschen dahinter, ihre Ängste und Hoffnungen, ihren Kampf bis zum lang ersehnten Release-Tag.  Abwechselnd lernen wir Edmund McMillen und Tommy Refenes von Team Meat, Phil Fish von Polytron und Jonathan Blow von Number None kennen.

Sie schwimmen gegen den Strom, versuchen keine Halos oder Call of Dutys zu machen, sondern ganz persönliche Werke – nicht einmal für die Masse, sondern vor allem für sich selbst. Blow öffnete mit seinem Hit „Braid“ die Pforten für die moderne, stets wachsende Independent-Szene. Dass er mit dem Erfolg und der oft oberflächlichen Wahrnehmung von „Braid“ als „dieses Spiel, bei dem man die Zeit zurückdrehen kann“ nicht zufrieden war, erzählt er im Film.

Das Schicksal von Phil Fish ist dramatischer. Während der Entwicklung von Fez musste er zahlreiche Rückschläge einstecken – sein Vater erkrankte an Leukämie, sein Team-Partner verließ das Studio, er verlor seine Freundin und schließlich noch die Finanzierung für sein Spiel, das lange Zeit als Vaporware betitelt wurde. Dass auch seine Geschichte ein Happy End hat, wissen wir – wie stressig der Werdegang vom kleinen Gomez mit dem Filzhut tatsächlich war, zeigt uns „Indie Game – The Movie“. Unzensiert, nicht verschönt – pur, hart und mitreißend.

Die Jungs von Team Meat erfüllen wohl am ehesten die klassische Vorstellung der Independent-Entwickler: Zwei Kumpel, die gemeinsam über Monate hinweg mehr Arbeit in ein Spiel stecken, als gesund für sie ist. Beide sozial abgekapselt, aber trotzdem sympathisch und liebenswert. Auch der rote Fleischjunge trieb seine Macher an den Rand der Verzweiflung, als der Gedanke ans Aufgeben immer attraktiver wird. Dass „Super Meat Boy“ zum Millionen-Seller wird, konnten die beiden nicht einmal erahnen.

Die drei Geschichten, die uns „Indie Game – The Movie“ erzählt, werden neuen Respekt für Indie-Entwickler schaffen. Ohne feste Finanzierung, ohne garantierte Bezahlung, aber dafür auch ohne Einschränkungen werkeln die Unabhängigen an ihren Spielen – ohne zu wissen, ob sie jemals auf der Konsole oder dem PC von Spielern weltweit landen werden.

Ein wenig zu oft driftet die Dokumentation dabei ins Deprimierende, ins Negative. Wenn zu trauriger Musik die zahlreichen Fehl- und Rückschläge während der Entwicklung von „Super Meat Boy“, „Fez“ und „Braid“ gezeigt werden, kriegt man teilweise das Gefühl, der Film will die Menschen von dem Vorhaben abbringen, ohne Unterstützung eines Publishers ein Spiel zu erschaffen. Natürlich sind die gezeigten Projekte von Erfolg gekrönt, der vor allem bei Team Meat zu Tränen rührt, doch insgesamt rückt er in den Hintergrund.

„Indie Game – The Movie“ wird euch emotional mitnehmen. Von uns gibt es eine dicke Empfehlung – aber Achtung: Danach werdet ihr euch zwei Mal überlegen, ob ihr ein eigenes, kommerzielles Spiel entwickeln wollt. Und falls ihr danach bessere Laune braucht, schaut euch den Film einfach erneut mit dem Audiokommentar von Team Meat an.

Indie Game – The Movie könnt ihr euch auf der offiziellen Seite für umgerechnet 8,20€ kaufen und herunterladen. Den Film gibt es derzeit leider nur auf Englisch.

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