Kicken und kicken lassen: Fußball-Spiele für den Mac

Thomas J. Weiss

Endlich Sommer, endlich wieder ein internationales Fußball-Ereignis – die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz steht unmittelbar vor der Tür. Weil ab jetzt das runde Leder auch an den Spiel-freien Tagen im Rampenlicht steht, haben wir uns auf die Suche nach Fußball-Spielen für den Mac gemacht. Aus dem PC-Markt bekannte Kracher wie FIFA oder Pro Evolution Soccer gibt es zwar trotz des Wiedereinstiegs von Electronic Arts nicht für den Mac, doch wer sucht, der findet Alternativen. Wir sagen Ihnen, was sie taugen.


Selbst zum Erfolg: Manager und Trainer in Personalunion

Sitzen die Pässe von Schweinsteiger auf Podolski nicht oder hat Ballack mal einen schlechten Tag erwischt, dann wissen es nicht nur professionelle Kommentatoren besser. Millionen von Zuschauern auf der heimischen Couch fühlen sich zum Bundestrainer berufen und würden am liebsten Jogi Löw Tipps geben oder gar gleich seinen Job übernehmen, schließlich würden sie so vieles besser machen.

All das ist möglich, virtuell mit zwei aktuellen Manager-Spielen: mit dem Championship Manager 2008 aus dem Hause Virtual Programming und Segas Football Manager 2008. Die zwei Spiele haben eine gemeinsame Vergangenheit. Der Championship Manager wurde ursprünglich von Sports Interactive entwickelt und von Eidos (PC) und Feral Interactive (Mac) vertrieben. Als Entwickler und Eidos miteinander brachen, durfte Sports Interactive den Code behalten und mit Sega zusammen unter dem Namen Football Manager neu veröffentlichten. Die Namensrechte am Championship Manager hingegen gingen an Eidos über und die Firma suchte sich ein neues Entwickler-Studio. Doch damit genug Hintergrundwissen – raus auf den Trainingsplatz und rein in den Manager-Sessel.

Sowohl der Championship Manager als auch der Football Manager verfügen über eine große Datenbank an Mannschaften und Spielern. Dabei handelt es sich keinesfalls um Fantasienamen oder -clubs, den HSV findet man ebenso wieder wie den FC Chelsea und auch Kapitän Ballack lässt sich aus den Listen auswählen. Das Ziel ist bei beiden Spielen nahezu dasselbe: Es gilt, die Mannschaft mit ausgefeilten Trainingsmethoden für die kommenden Spiele vorzubereiten, physisch und mental aufzubauen, eine effektive Taktik festzulegen und sie danach entsprechend der Leistungen einzelner Fußballer aufzustellen. Neben der Trainer- nimmt der Spieler aber auch die Managerrolle ein. Er darf Spieler zukaufen oder gegen hohe Ablösungen an andere Clubs verkaufen und Freundschaftspartien aushandeln. Aufgaben wie Stadionausbau oder das Zusammenarbeiten mit Fanclubs fehlen hingegen.

So vielfältig die Eingriffsmöglichkeiten des Anwenders sind, so komplex sind auch die Regeln und so groß die Herausforderungen. Hat der Lieblingsstürmer eine Tor-Flaute und trifft seit einigen Partien den Kasten nicht mehr, so ist es wenig hilfreich, ihn auf der Ersatzbank schmoren zu lassen. Viel wirkungsvoller sind da schon zusätzliche Trainingseinheiten und das anschließende Vertrauen durch die erneute Aufstellung. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen er als Trainer durch eine miserable Aufstellung und Taktik schuld am schlechten Abschneiden seiner Mannen ist. Bemerkt der virtuelle Trainer seine Fehler noch rechtzeitig während das Spiels, kann er eventuell durch taktische Anweisungen das Blatt noch wenden. Bekommen seine Stürmer keine Bälle mehr, so kann er seinen Links- und Rechtsaußenspielern etwa mehr lange Pässe erlauben.

Galerie: Football Manager 2008

Football Manager 2008

Galerie: Championship Manager

Championship Manager

1:0 für den Football Manager – in einem schwachen Spiel

Der Einstieg in beide Spiele ist aber nicht leicht, die zahlreichen Funktionen verstecken sich in vielen Menüpunkte und Untermenüs. Wagt man sich das erste Mal an einen Manager, kann man sich deshalb schnell überfordert fühlen. Zumindest der Football Manager allerdings bietet für die ersten Schritte eine Reihe kleiner Hilfen, vorgefertigte Spiele beispielsweise, mit denen man direkt mitten im Spielgeschehen landet.

Doch nicht nur die Bedienung lässt in manchen Punkten zu wünschen übrig. Beide Titel verbindet der Charme einer Excel-Tabelle – statt der eines interaktiven Managers mit einfachen, verständlichen Grafiken. Und auch, während eine Partie läuft, will nur schwer Stadionatmosphäre aufkommen. Immerhin bietet der Championship Manager eine 3D-Ansicht, während der Football Manager in der Zeit der 2D-Grafik verharrt. Zur Sound-Kulisse tragen einzig ein paar Fan-Gesänge bei.

Welcher der beiden Manager darf es dann sein? Keines der beiden Spiele ist ein wirklicher Einsteiger-Titel, dazu sind sie zu wuchtig und nicht selbsterklärend. In Sachen Umfang hat der Football Manager aus dem Hause Sega die Nase vorne. Auch beim günstigeren Preis von etwa 20 bis 25 Euro punktet das Sega-Spiel. Der Championship Manager hingegen ist für knapp 40 Euro nichts Halbes und nichts Ganzes, dem Profi fehlt es an Möglichkeiten und dem Einsteiger werden die ersten Schritte zu kompliziert gemacht. Immerhin punktet der Championship Manager mit einer 3D-Spielansicht.

In einer Hinsicht enttäuschen beide Titel: Weder der Championship Manager noch der Football Manager sind in ihren aktuellen Ausgaben in Deutschland im Handel erhältlich. Beim Sega-Spiel gibt es laut Hersteller lizenzrechtliche Schwierigkeiten und bei unserem zweiten Kandidaten fehlt ein deutscher Mac-Publisher. Bleibt nur der Weg über europäische Onlineshops wie , der Championship Manager liegt beim britischen Hersteller zudem als Kauf-Download vor. Zu beiden Spielen gibt es eine Demoversion und so kann jeder selbst herausfinden, ob er seine Tricks wirklich am Mac in die Tat umsetzen oder nicht weiterhin ausschließlich beim Bier zum Besten geben will.

Tipp: Online sind wir besser

Wem auch eine Online-Variante recht ist, der sollte einmal bei OFM vorbeischauen. Hier dürfen die Spieler ihre Teams nämlich auch gegeneinander antreten lassen – ein großer Pluspunkt, denn schließlich lässt sich solch ein Sieg mehr genießen als einer gegen den Computer. Außerdem bietet OFM einige Funktionen mehr, ist kostenlos und muss sich auch optisch nicht hinter den beiden Vollpreis-Spielen verstecken.

Und dann gibt es da ja auch noch das macnews.de-Tippspiel zur Europameisterschaft 2008. Dabei kann man nicht nur zeigen, wie gut man die internationalen Mannschaften einschätzt, sondern auch noch eine Menge gewinnen – vom iPod touch über zahlreiche Fernsehsticks von Elgato bis hin zum Bierfass zum Feiern in gemütlicher Runde.

Vom Retro-Feeling bis hin zum Tisch-Fußball

Die einzig umfangreicheren Vollpreis-Fußball-Spiele für den Mac sind die oben besprochenen Manager-Titel, ansonsten beschränkt sich die Auswahl vor allem auf kleinere Shareware-Spiele, die mitunter aber den Charme der ersten Videospiele überhaupt versprühen. Zumindest Retro-Freunde wird das freuen!

 

Erinnern Sie sich noch an Sensible Soccer aus dem Jahre 1992? Das Spiel galt lange als ein Meilenstein der Fußball-Simulationen. Mit YodaSoccer haben einige Hobby-Entwickler versucht, diese Zeiten wieder aufleben zu lassen. Zwar haben sie ihre Arbeit inzwischen eingestellt, das Spiel aber lässt sich noch immer kostenlos runterladen. Aus der Vogelperspektive auf das Spielfeld kämpft man mit seinen pixeligen Helden um Tore, denn einzig und allein darum geht es in YodaSoccer. Zur Auswahl stehen jede Menge Nationalmannschaften sowie Teams aus diversen Ligen, mittels Editor können weitere hinzugefügt werden. Für Spaß sorgt zudem die Möglichkeit, das Spiel zu zweit an einem Rechner zu zocken.

 

Einen ähnlichen Weg schlägt Eat the Whistle (“Iss die Pfeife”) ein, welches ursprünglich zur Fußball-Weltmeisterschaft 1998 für den Amiga erschien. Mittlerweile wird es als Open Source-Titel weitergeführt. Im Gegensatz zu YodaSoccer glänzt Eat the Whistle durch eine etwas detailliertere Grafik und einen besonderen Humor, den bereits der Titel erahnen lässt. Auch Eat the Whistle lässt zwischen einer Arcade-Grafik und einer etwas realistischeren Simulation wählen.

 

Mit Kickin Soccer gesellt sich ein weiteres Spiel in die Reihe derer, die man aus der Daraufsicht spielt. Eine populäre Vorlage gibt es hier nicht. Das von Phelios entwickelte Spiel ist sehr Arcade-lastig, einfach zu beherrschen und bietet eine simple Optik, kostet aber rund zehn US-Dollar.

 

Feathered Soccer schließlich ist ein ganz besonderer Titel, duelliert man sich hier doch mit Brathähnchen. Für welches von zehn Teams man sich entscheidet, spielt keine große Rolle spielt, ohne Umschweife geht es sogleich auf den Bolzplatz. Das Spiel ist aus dem uDevGames Wettbewerb 2004 hervorgegangen und konnte den Editors Prize Award einheimsen.

 

Ganz neu auf dem Markt gekommen ist kürzlich Master Kick und stellt auf dem Mac eine Einzigartigkeit dar: Eine Tisch-Fußball-Simulation. Statt Kneipen-Atmosphäre gibt es hier schöne Grafik- und Soundeffekte, die ein wenig das Stadiongefühl hochkommen lassen. Schön gemacht, aber leider nur für Macs mit Intel Prozessor.

Kick it like Trans-Am: Fußball auf vier Rädern

Einen gänzlich anderen Weg schlägt CarBall ein. Im Hinblick auf eine TV-Umsetzung durch Stefan Raab (Autoball Europameisterschaft 2008 am 6. Juni 2008 um 20:15 Uhr, ProSieben) dürfte diese Fußball-Variante sogar noch bekannter werden. Bei Carball handelt es sich allerdings nicht um ein eigenständiges Spiel, sondern um einen neuen Spielmodus für Unreal Tournament 2004 – man benötigt dafür die Vollversion des Actionspiels.

 

Jeder Spieler bekommt in Form eines Gelände-Buggys einen fahrbaren Untersatz und sogleich kommt auch der Ball in Spiel: Ziel ist es, den Ball mit seinem Team in das gegnerische Tor zu „kicken“. Für zusätzlichen Spaß sorgen auf dem Spielfeld verteilte PowerUps, die beispielsweise den Ball beeinflussen oder den Fahrzeugen des Gegners Schaden zufügen können. Die UT2004-Erweiterung beinhaltet bereits zahlreiche Spielfelder, der abwechslungsreiche Spielmodus im Gegensatz zu anderen Deathmatchs kostenlos erhältlich.

Zuletzt stirbt die Hoffnung

Eine große Vielfalt an Fußball-Spielen gibt es für den Mac nicht. Doch warum ist das eigentlich so – sind die Lizenzen zu teuer, verkaufen sich Fußball-Spiele auf dem Mac schlecht oder gibt es noch einen anderen Grund?

Ein Hauptgrund ist, dass der Hauptabsatzmarkt für Mac-Spiele Nordamerika ist und Fußball dort bei weitem (noch) nicht so beliebt ist wie die Trendsportarten Football, Basketball und Baseball. Somit ist es für einen Mac-Publisher wirtschaftlich kaum von Interesse, eine teure Lizenz zu erwerben, um damit vornehmlich die europäische Käuferschicht glücklich zu stimmen – so kommen die Kosten nur schwer wieder rein. Einzig Electronic Arts könnte hier aushelfen, besitzt man doch mit FIFA eine starke Marke und mit der Cider-Technologie wären die Kosten für eine Mac-Version nicht allzu hoch. Und so können alle, die mit den hier vorgestellten Titeln nicht glücklich werden, nur die Hoffnung – auf EA und FIFA, und darauf, dass sich die Cider-Technik weiter verbessert.

 

Autor: Felix Wandler

 

Titelbild: Katie@!, “Evening Soccer”. Some rights reserved. Flickr

Weitere Themen: FIFA 12 Demo, FIFA, Electronic Arts

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