Final Fantasy 12 - The Zodiac Age im Test: Vom Besten inspiriert

Sandro Kreitlow

Erstmals 2006 in Japan und fast ein Jahr später hierzulande erschienen, bekommt Final Fantasy 12 nun mit The Zodiac Age eine Neuauflage spendiert. Sinnvoll und zurecht?

Keine Zeit für lange Texte? Unten wartet eine Zusammenfassung auf dich!

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Final Fantasy XII: The Zodiac Age - Launch-Trailer

 

Final Fantasy 12 ist keine klassische JRPG-Geschichte. Sie klaut aber auch nicht einfach bei einem Werk der literarischen Kunst wie Final Fantasy 15 beim Shakespeare-Meisterstück Hamlet. Elemente des Spiels sind aber offensichtlich nicht nur inspiriert von Dramen des englischen Lyrikers, sondern auch von klassischen griechischen Tragödien und der wohl einflussreichsten Filmsaga aller Zeiten: Star Wars.

Welten der Prequel-Trilogie, Charaktere der Original-Trilogie

Gute acht Jahre war es her, als George Lucas mit Die dunkle Bedrohung eine neue Star Wars-Ära auf der Kinoleinwand startete. Die ersten drei Episoden sind umstritten und doch ließ sich Final Fantasy 12 in seiner Welt von der sogenannten Prequel-Trilogie inspirieren.

Auf dich wartet die wohl bodenständigste, dafür umso intensivere Geschichte aller Final Fantasy-Hauptteile. Denn fantastische oder gar magische Elemente werden sparsam und effektiv genutzt, vielmehr handelt die Geschichte von politischen Intrigen. Und diese werden ebenso glaubwürdig und spannend erzählt wie etwa in Game of Thrones. Auch in der Inszenierung von Schlachten lernten die Entwickler vom Besten, wie beispielsweise ein Video zeigt (Achtung: leichter Spoiler im Video), in dem Szenen aus Final Fantasy 12 mit dem Sound Design der Star Wars-Reihe vermischt wurden.

In der vielschichtigen Welt von Ivalice (ebenso Schauplatz der Final Fantasy Tactics-Spiele und Vagrant Story) bewegst du dich erst zu Fuß, dann mithilfe von Chocobos, Schnellreisepunkten oder dem Luftschiff durch drei Kontinente, in denen du nicht nur auf Menschen, sondern unter anderem auch auf Eidechsen-ähnliche Kreaturen sowie den Marken-Maskottchen der Mogry-Rasse triffst. Das kleine Königreich Dalmasca und dessen Thronerbin Prinzessin Ashe geraten im Zuge eines bereits lange Zeit andauernden Krieges zwischen zwei Großmächte: Rozarria im Westen, Archadia im Osten. Auf deiner Reise erfährst du mehr über die Geschichte von Ivalice, der magischen Kraft des sogenannten Mysth, das als Antriebsstoff verwendet wird und Luftpiraterie zur Folge hat sowie die Hintergründe und Motivationen der Hauptcharaktere.

In diesem Szenario spielst du vor allem die Figur Vaan, der allerdings nicht als Protagonist des Spiels agiert. 2007 war das ein cleverer Kniff, der auch heute noch funktioniert. Vaan ist kein klassischer Weltenretter, er ist eher ein Beobachter, der irgendwie in die politischen Intrigen Rozarrias und Archadias gerät. Nicht nur diese Charakter-Prämisse erinnert an Luke Skywalker aus Krieg der Sterne. Balthier verkörpert den Han Solo in Final Fantasy 12, aus Chewbacca wird Vran, Ashe ist klar von Prinzessin Leia inspiriert.

Bildergalerie Hauptcharaktere in Final Fantasy 12

In unserem Interview mit Producer Hiroaki Kato und Director Takashi Katano vor einigen Wochen verheimlichten die Macher des zwölften Final Fantasy-Hauptteils dieses Vorbild nicht: „Auch wir im Entwicklerteam lieben Star Wars. Wir wollten die Geschichten der Saga nicht einfach kopieren, aber es gibt natürlich ähnliche Themen. Star Wars ist eine klassische, epische Abenteuergeschichte. Wir wollten ein ähnliches Erlebnis schaffen, eine ähnliche Erzählung eines epischen Konflikts.“

Ist das schlecht? Keinesfalls. Die Entwickler von Final Fantasy 12 haben sich lediglich vom Besten inspirieren lassen und daraus eine Welt geschaffen, die dich von Beginn an in ihre Geschichte zieht, in der eine manchmal überraschende, manchmal vorhersehbare Wendung die andere Jagd – wäre da nicht ein Problem…

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Aufgrund der Langzeiterkrankung von Yasumi Matsuno stieg der einflussreiche Game Director etwa zwei Jahre vor Fertigstellung des Spiels aus. Er war verantwortlich für das Original-Konzept inklusive des Plots, war dann aber gezwungen, das Zepter an Akitoshi Kawazu (Final Fantasy 2) und weiteren Square-Veteranten weiterzureichen. Das führte dazu, dass die ersten zwei Drittel von Final Fantasy 12 hervorragend erzählt sind, das letzte Drittel dann jedoch in einigen Nichtigkeiten endet.

Eine eigene Identität durch Final Fantasy-untypische Spielmechaniken

„Es ist an der Zeit, mit der Vergangenheit abzuschließen!“ sind die Worte Balthiers, der den Weg von Final Fantasy 12 kaum besser beschreiben könnten. Denn der zwölfte Teil der erfolgreichsten JRPG-Reihe aller Zeiten bietet ein Final Fantasy-untypisches Gameplay, das an klassische MMORPGs erinnert. Die Spielwelt ist offen und weitläufig, große Gebiete sind miteinander verbunden. Zufallskämpfe und das rundenbasierte Kampfsystem sind Geschichte. Hier rücken die sogenannten Gambits in den Vordergrund – taktische Voreinstellungen, die du vorab im Menü anpasst.

Wenn du die revolutionären Gambits und damit die Taktiken der Charaktere angepasst hast, kämpfen Vaan und Co. von ganz alleine, während du sie durch die Dungeons führst. Bei dem einen kann dieses Kampfsystem für einen großen Spielfluss sorgen, während der andere länger Zeit benötigt, um sich an diesen Umständen zu gewöhnen. Hilfreich: Im neuen Prüfungsmodus können die Gambits ausprobiert werden, indem Monster und Gegner in bis zu 100 aufeinanderfolgenden Kämpfen besiegt werden. Fühlst du dich auch nach viel Herumprobieren überhaupt nicht wohl mit diesem System, bleibt dir immerhin die Möglichkeit, jegliche Gambits auszustellen, allerdings wird der Kampf dann nicht nur langsamer und schwieriger, du wirst dich auch durch die Gruppenmitglieder und unzählige Kampfmenüs wechseln müssen – nicht besonders motivierend. Dafür ist Final Fantasy 12 herausfordernd, oft hast du im Bosskampf keine Chance, wenn du deine Charaktere zuvor nicht ordentlich aufgelevelt und sie nur mit mittelmäßigen Rüstungen ausgestattet hast.

Was bedeutet The Zodiac Age?

Die Neuauflage von Final Fantasy 12 bekam den Namen The Zodiac Age spendiert. Was es damit auf sich hat, erklärt das Zodiac System, welches hierzulande eine Neuheit ist, im späteren 2007 aber schon Teil der japanischen “International Zodiac Job System”-betitelten Final Fantasy 12-Version war. Während das Lizenzbrett noch im Originalspiel dazu führte, dass Gruppenmitglieder mit der Zeit über ähnliche Fähigkeiten verfügten, bauten die Entwickler nun ein verbessertes System für ein vielseitigeres Aufleveln. So stehen dir nun 12 Jobs zur Auswahl, pro Charakter kann zwischen zwei verschiedenen gewechselt werden: Samurai, Pikenier, Maschinist, Jäger, Weissmagier, Rotmagier, Mönch, Brecher, Waldläufer, Paladin, Zeitmagier und Schwarzmagier.

Um schneller durch die Welt von Ivalice laufen zu können, bietet The Zodiac Age einen Turbomodus. Per Knopfdruck können Vaan und Co. nun in zweifacher- oder vierfacher Geschwindigkeit reisen, auch die Umwelt sowie der Kampfmodus passen sich an. An den Anzeigen wurde ebenfalls geschraubt, so führt das reibungslose Führungssystem dazu, dass die Karte transparent eingeblendet wird, wodurch du für einen Blick auf die Karte nicht mehr pausieren musst. Apropos Anpassungen: In den Optionen kannst du das Spiel so anpassen, wie es dir gefällt.

Mit The Zodiac Age überspringt der PlayStation 2-Titel gleich eine ganze Konsolengeneration, um nun besser denn je auf der PlayStation 4 zu erstrahlen. Charaktermodelle wurden überarbeitet, Licht- und Tiefenschärfe-Effekte eingebaut, Ladezeiten verkürzt, der mächtige Soundtrack neu aufgenommen. Wenn du stattdessen jedoch gerne mit dem Original in Erinnerungen schwelgen möchtest, kannst du den Original-Soundtrack als Hintergrundmusik im Kampf spielen lassen.

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Final Fantasy XII The Zodiac Age - Original Soundtrack

Die Welt von Final Fantasy 12 ist HD-würdig, was allerdings weniger an der Überarbeitung liegt (nur 30 Bilder pro Sekunde, hier und da Ecken und Kanten), sondern am nach wie vor fantastischen Art-Design der Open-World-Spielwelt. In Zwischensequenzen geht an der sonst so intensiven Atmosphäre hin und wieder etwas verloren, wenn Gesichterdetails verschwimmen, Lippenbewegungen nicht zur sonst starken Synchronisierung passen oder mal wieder der schwarze Balken für die Untertitel ins Auge sticht.

Final_Fantasy_12_Testwertung

Zusammenfassung und Fazit

Die Geschichte weiß mit einer spannenden Inszenierung zu überzeugen, auch wenn einige Höhepunkte mehr, statt künstlich gezogene Segmente, nicht geschadet hätten. Während Figuren wie Balthier sehr interessant gestaltet wurden, zählen auch austauschbare Charaktere wie Penelo mit zum Team, wodurch emotionale Szenen nicht immer gelingen. Die Spielwelt wurde in vielen Teilen aufpoliert, wohingegen vereinzelte Gebiete von Ecken und Kanten geprägt sind. Dank des neuen Zodiac Systems ist nun die Spielbalance verbessert worden. Dessen unterschiedliche neue Jobs wie Samurai oder Rotmagier führen zu mehr Vielfalt im Kampf, der dank des Gambit-Systems an Tiefe gewinnt. Nachdem du dich an diese taktischen Voreinstellungen gewöhnt hast, überbrückst du mit dem neuen Turbomodus schneller lange Wege, auf denen die Mitgliedermithilfe der Gambits automatisch kämpfen. Die daraus entstehende Passivität beim Spielen ist Geschmacksache. Am stärksten ist Final Fantasy 12: The Zodiac Age in seiner großen, lebendigen Spielwelt.

Final Fantasy 12: The Zodiac Age wird dir gefallen, wenn du als Rollenspiel-Fan Final Fantasy 12 auf der PlayStation 2 verpasst hast oder aber den 12. Teil auch als Nostalgie-Fan mit sinnvollen Neuerungen und überarbeiteter Technik erleben willst.

Final Fantasy 12: The Zodiac Age wird dir nicht gefallen, wenn du den Kampf stets aktiv bestreiten willst, mit politischen Intrigen à la Star Wars 1-3 oder Game of Thrones nichts anfangen kannst.

Wertung

8/10
Getestet von Sandro

The Zodiac Age ist eine wertige Neuauflage. Die Geschichte zieht dich für die meiste Zeit in den Bann, auch wenn auf emotionaler Ebene nicht alles gelingt. The Zodiac Age ist die perfekte Gelegenheit, eines der besten Rollenspiele der PS2-Generation nachzuholen. Auch als Nostalgie-Fan lohnt sich die Rückkehr nach Ivalice, denn die neuen, erweiternden Inhalte sind sinnvoll.

Weitere Themen: Final Fantasy, Square Enix

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