For Honor: Anspruchsvolle Online-Kämpfe, aber ein Reinfall für Solisten

Alexander Gehlsdorf
3

Das fantastische Kampfsystem von For Honor hat das Zeug, den Titel zu einem echten Mehrspieler-Hit zu machen. Ob Ubisoft die Vorlage verwandeln konnte oder der Schuss daneben gegangen ist, liest Du in meinem Test.

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For Honor Launch Trailer
Ende 2015 erschien mit Star Wars: Battlefront ein solider Multiplayer-Titel, mit toller Grafik, einem wunderbaren Setting und einem zentralen Kritikpunkt: Das Spiel hatte keine Einzelspieler-Kampagne. Anfang 2017 erscheint mit For Honor ebenfalls ein solider Multiplayer-Titel, mit toller Grafik, einem wunderbaren Setting und einem zentralen Kritikpunkt: Eine vollkommen belanglose Einzelspieler-Kampagne.

Der Einzelspieler — Eine einzige Enttäuschung

In For Honor stehen sich drei Fraktionen gegenüber: Ritter, Wikinger und Samurai. Wie es dazu kam ist prinzipiell egal, trotzdem versucht das Spiel aus der absurden Ausgangssituation eine ernst zu nehmende Geschichte zu kreieren. Das kann nicht funktionieren. Dass ein Mischmasch aus Szenarien und Charakteren keine Story erzählen muss, beweisen bereits seit den neunziger Jahren Mario Kart und Super Smash Brothers. For Honor versucht es trotzdem und heraus kommt ein uninspiriertes Wirrwarr aus Krieg, Ehre und Verrat. Der einzige Charakter, der diese Bezeichnung im entferntesten Verdient ist Bösewichtin Apollyon und selbst ihre Motivation lässt sich mit „Ich will Krieg!“ zuammenfassen.

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Ob die Story des Spiels überzeugt oder motiviert ist natürlich zweitrangig, wenn das Gameplay selbst überzeugen kann. Dieses steht in Sachen Originalität und Abwechslung der Story jedoch in Nichts nach. Laufe von A nach B, töte die markierten Gegner, drücke ab und an einem Hotspot auf die Aktionstaste und besiege am Ende des Levels einen Boss. Fertig ist die Komplettlösung für nahezu jedes der 18 Level. Der einzige Lichtblick war ein Kriegselephant, den ich gezielt provozieren musste, damit dieser ein abgesperrtes Tor zerschmettert. Zwei Minuten Abwechslung in der gut vierstündigen Beschäftigungstherapie.

Bereitet die Einzelspieler-Kampagne Dich wenigstens auf den Multiplayer vor? In der Tat schlüpfts Du im Lauf der Kampagne in die Latschen aller zwölf Helden und auch einige der Bosse haben es ganz schön in sich, sodass Du nach erfolgreich überstandener Kampangne tatsächlich die Grundlagen des sehr anspruchsvollen und auch komplexen Kampfsystems verinnerlicht hast. Investierst Du jedoch die gleiche Spielzeit von Anfang an in die Mehrspieler-Gefechte, lernst Du mindestens genauso viel.

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Der Mehrspieler

Um den obligatorischen Kommentar „Der Einzelspieler ist mir sowieso egal, mich interessiert nur der Mehrsieler-Modus“ vorweg zu nehmen — ja, ein schlechter Einzelspieler hat zwar für sich genommen mit der Qualität des Mehrspielers nichts zu tun, trotzdem wäre For Honor als reiner Mehrspieler-Titel ein deutlich besseres Spiel geworden. Zwischensequenzen, Levelbau, Vertonung, all das sind Ressourcen die für einen belanglosen Einzelspieler verschwendet wurden, der vom Spieler entweder von vornherein ignoriert werden sollte oder nach einmaligem Durchspielen nie wieder angefasst wird. Trotzdem wurden diese Ressourcen nun mal aufgewendet und dem Mehrspieler fehlt es in Konsequenz an Umfang.

Auf dem Papier hat For Honor zwar fünf verschiedene Spielmodi, in der Praxis sind es im Grunde aber nur zwei. Im taktischsten Modus, Herrschaft, eroberst Du à la Battlefield mehrere Zonen um Siegpunkte zu kassieren. Alle anderen Spielmodi sind streng genommen Deathmatch-Variationen mit kleinen Unterschieden bei den Regeln und der Spieleranzahl. Ein paar Spielmodi die über Töte alle Gegner hinausgehen hätte es ruhig geben dürfen. Taktik spielt auch nur eine untergeordnete Rolle, da alle Helden mehr oder weniger gut für jede Situation gewappnet sind. Wirkliches Teamspiel, indem etwa ein Spieler die Rolle des Supporters übernimmt, ist kaum möglich.

Das sind harte Worte. Trotzdem ist For Honor kein Reinfall. Das liegt vor allem am hervorragenden Kampfsystem — das absolute Highlight des Spiels. Was im ersten Moment nach einer simplen Rotation aus Block, schnellen Angriff und schweren Angriff aussieht, entfaltet mit jeder Spielstunde einen weiteren Teil seiner Komplexität. Mit jeder Partie lerne ich, meine Schläge besser zu timen, mache von sekundären Fähigkeiten, etwa dem Durchbrechen der Deckung gebrauch und versuche mich an den individuellen Kombos, die jedem Helden zur Verfügung stehen. Wie in einem klassischen Beat-em-Up kann ich so an der Beherrschung meines Charakters feilen und auch nach Wochen und Monaten ist es noch möglich, seinem Lieblings-Helden die letzten Reserven zu entlocken, davon konnte ich mich in mehreren Alpha- und Betaphasen bereits überzeugen.

Auf Seite 2 liest Du unser Test-Fazit.

Wertung

7/10
Getestet von Alexander

Durch das fantastische Kampfsystem und die wunderbare Optik hätte For Honor problemlos zum großen Online-Hit werden können. Leider fehlt es den Mehrspieler-Gefechten an genügend spielerischer Abwechslung. Die gegenstandslose Einzelspieler-Kampage bedarf keines weiteren Kommentars.

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