Forza Horizon Test – Die Schönheit der Straße

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Was haben Codemasters, Criterion, Reflections Interactive und Bizarre Creations gemeinsam? Richtig, sie sind mit „Burnout Paradise“, „Dirt“, „Project Gotham Racing“ und „Driver: San Francisco“ für einige der besten Rennspiele dieser Konsolengeneration verantwortlich. Das 2009 gegründete Studio Playground Games versammelte Entwickler aus all diesen Studios unter seinem Banner und bekam schließlich von Microsoft den Auftrag, innerhalb von 2 Jahren den nächsten, von Grund auf neu entwickelten Teil der „Forza“-Reihe zu entwickeln. Das Ergebnis heißt „Forza Horizon“ und lässt euch mit jedem zurückgelegten Meter spüren, wie viele Talente hinter diesem Spiel stehen.

„Forza Motorsports“ konnte mit dem dritten und vierten Teil endgültig „Gran Turismo“ den Rang als beste Konsolen-Rennsimulation ablaufen. Mit seinen klar definierten, simplen Menüs, der leise im Hintergrund dudelnden Fahrstuhlmusik und Jeremy Clarksons ruhiger Stimme lenkte in „Forza Motorsport 4“ nichts vom puren Fahrspaß ab. Mit „Forza Horizon“ packen die Playground Studios nun die hervorragende Fahrphysik seiner Vorgänger in eine offene, mit Dubstep beschallte Festival-Welt. Sie ist inspiriert vom US-amerikanischen Colorado und beeindruckt mit endlos langen Wiesen, Staudämmen und schneebedeckten Gipfeln. Trotzdem bleiben die Übergänge nachvollziehbar, weil die offene Spielwelt gigantisch groß ist. Mit einem Bugatti Veyron SS mit einer Spitzenleistung von knapp 430 Km/h  brauchte ich über 10 Minuten, um Pseudo-Colorado einmal zu umrunden. Neben vielen offenen Landschaften gibt es auch einige Dörfer und Städte zu befahren, sowie eine vierspurige Autobahn.

Wer dachte, dass es bereits Spaß machte den Nürburgring mit über 400 Sachen entlang zu rattern, für den wird Forza Horizon eine wahre Offenbarung werden. Kaum etwas hat mich dieses Jahr vorm Fernseher so sehr zum Schwitzen gebracht, wie mit 440 Sachen (Tuning sei Dank) durch den Gegenverkehr einer Autobahn zu rasen, um anschließend mit möglichst hoher Geschwindigkeit den nächsten Blitzer zu passieren. Die sind überall verteilt und kommen jeweils mit eigenen Leaderboards daher. Es kann euch schon einmal 2, 3 Stunden an den Controller fesseln, wenn man nur noch diesen einen Typen auf den Bestenlisten schlagen will – ich spreche aus Erfahrung. Dank der überall auf der Map verteilten Schnellreise-Stationen und der aus dem Vorgänger übernommenen, unbegrenzten Rückspul-Funktion kommt ihr ohne großen Aufwand überall hin und könnt eure Runs auf die Bestenlisten problemlos wiederholen.

Im Hintergrund ballert euch das Radio wahlweise Dubstep, Indie-Rock oder entspannte Lounge-Musik mit drei Radiosendern um die Ohren. Zusammen mit den überall anzutreffenden Zuschauern, den gegnerischen Fahrern, die ebenfalls in der offenen Welt unterwegs sind und der traumhaft schönen Umgebung schafft es „Forza Horizon“ so, ein einzigartiges Festival-Feeling aufkommen zu lassen. Der Soundtrack ist dabei so gut, dass ich das Spiel sogar mit deaktivieren Autosounds bereits im Hintergrund laufend als Radio missbraucht habe.

Um diese Atmosphäre aufzubauen lassen die Playground Studios das Fahrgefühl insgesamt arcadiger werden, ohne ihre Wurzeln zu verraten. „Forza Horizon“ bleibt eine Simulation und ist mit den Standardeinstellungen noch immer meilenweit von „DIRT“, „Need for Speed“ und co. entfernt. Sobald die Autos ein paar Pferdestärken mehr als euer VW Golf unter der Haube haben, müsst ihr Vorsichtig mit Gas und Bremse umgehen, um das Auto nicht ausbrechen zu lassen. Stört euch das hingegen, aktiviert ihr im Optionsmenü ABS und Traktionskontrolle und habt einfachen Fahrspaß ohne viel Arbeit.

Durch das Gewinnen von Rennen steigt ihr immer weiter im Rang auf, könnt so nach und nach im Duell die bekanntesten Stars des  Horizon-Festivals besiegen und anschließend deren Autos behalten. Gleichzeitig erhöht ihr durch waghalsige Manöver eure Popularität, die fast identisch zum Kudos-System aus „Project Gotham Racing“ funktioniert. Mit coolen Überholmanövern, Drifts, Drafts, Sprüngen und dutzenden anderen Stunts erhöht sich eure Popularität sowohl in der offenen Welt, als auch in den Rennen. Je populärer ihr seid, desto mehr Showcase-Events werden freigeschaltet und lassen euch gegen Hubschrauber, Heißluftballons und andere ausgefallene Fortbewegungsmittel antreten. Währenddessen kauft ihr euch minütlich neue Autos,motzt sie auf (oder lasst das Spiel einfach alle Komponenten automatisch austauschen) und könnt sie anschließend sogar ganz individuell designen. Dafür könnt ihr eigene Muster erstellen oder einfach welche aus dem Internet herunterladen. So sieht mein Bugatti EB110 Super Sport dank „Dark Knight“-Skin nun wie das Batmobil aus.

Grafisch legt „Forza Horizon“ nochmal eine deutliche Schippe auf seinen Vorgänger drauf. Wie dort schon sehen die Autos nahezu fotorealistisch aus – doch nun können endlich auch die Umgebungen mithalten. Statt trister Rennstrecken wartet dynamischer Tag-Nacht-Wechsel mit verschiedenen Lichtverhältnissen auf euch. Die Bäume lassen Blüten auf die Straße fallen, die ihr mit eurem Auto durch die Luft wirbeln lassen können und auf dem Staudamm lässt euch die kilometerweite Aussicht die Kinnlade runterklappen. „Forza Horizon“ ist nicht nur das schönste Rennspiel dieser Generation, sondern auch eines der schönsten Xbox-Spiele im Allgemeinen.

Fazit

Es war zu befürchten dass uns mit „Forza Horizon“ eine arcadige Ausschlachtung der Marke erwartet, die dank des Festival-Charakters schnell in die pseudo-coolen Abgründe von „Need for Speed: Underground“ hätte abrutschen können. Stattdessen baut das Spiel seine Atmosphäre jedoch nicht durch peinliche Zwischensequenzen und nervige Charaktere, sondern mit seiner Umgebung und der Musik auf. Nach einer Highspeed-Tour auf der Autobahn zu Porter Robinsons „Language“ dem Sonnenuntergang entgegen zu rasen, erzeugt eine Atmosphäre, die ich so in noch keinem anderen Rennspiel erlebt habe. Die Playground Studios schafften das Kunststück, sowohl Arcade-, als auch Simulationsfans glücklich zu machen und eines der besten Rennspiele dieser Konsolengeneration zu schaffen, dass nicht nur mit seinen Vorgängern mithalten, sondern sogar an ihnen vorbeiziehen kann.

Wertung: 93%


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