Friday the 13th im Test: Nicht mehr als spielbarer Trash-Horror

Marvin Fuhrmann
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Jason Voorhees ist zurück und bringt dir Friday the 13th! Und dieses Mal versucht der mordlüsterne Hüne die Herzen der Gamer für sich zu gewinnen, indem er sie feinsäuberlich aus ihrem Korpus trennt. Warum dieser Eingriff in die Hose geht und nur in bestimmten Situationen so richtig zu überzeugen weiß, verrate ich dir in meinem Test.

Keine Zeit für den ganzen Text? Unten gibt’s das Fazit.

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Friday the 13th: Release-Datum im mörderischen Trailer

Die Geschichte von Friday the 13th reicht aus, um komplette Romane zu schreiben. Mittlerweile zwölf Filme hat der Massenmörder Jason Voorhees mit blutigen Szenen gefüllt und etliche Horrorabende mit dem einen oder anderen Schrei versüßt. Nun will Friday the 13th auch als Spiel überzeugen. Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde die Lizenz aufgekauft und die Geschichte nahm ihren Lauf. Über mehrere Kickstarter-Aktionen und zahlreiche Teaser-Trailer staute sich die Erwartungshaltung der Fans (inklusive mir) auf.

Friday the 13th ist ein Projekt, dass ich seit seiner Ankündigung verfolgt habe. Jede News und jeden Gameplay-Fetzen habe ich aufgesaugt, um alles über das kommende Multiplayer-Fest zu lernen. Jetzt ist Friday the 13th endlich da. Und was bleibt von meinem Hype übrig? Nun, nicht mehr viel, wie dir die nächsten Zeilen zeigen werden.

Friday the 13th: Mit diesen Waffen verprügelt ihr Jason!

Jason auf der Jagd

Das Projekt von Gun-Media, unter deren Flagge sich auch Horrorgott Tom Savini wiederfindet, ist ein asymmetrischer Multiplayer. Heißt: Während ein Spieler die Rolle von Jason übernimmt, mimen bis zu sieben weitere Zocker die verängstigten Teenager, die nur eine Runde Ringelpietz mit Anfassen im Sommer-Camp erleben wollten. Jede Partei und jede unterschiedliche Klasse der beiden Gruppierungen besitzt verschiedene Vor- und Nachteile. So haben wir es schon in jüngster Zeit in Dead by Daylight gesehen. Doch Friday the 13th kann sich zunächst durch die Lizenz abheben.

So überlebst du als Counselor in Friday the 13th

Was Friday the 13th in den ersten Runden des Multiplayers zu einem wahren Schatz macht, ist die Atmosphäre. Auf beiden Seiten des Matches kommt das Feeling der Filme richtig gut rüber. Verräterische Geräusche, das schwere Trampeln Jasons und heftige Axtschläge auf die Tür machen das Ganze zu einem kurzweiligen Horror-Trip für die Spieler. Maps, Überlebende und natürlich Jason selbst schreien nur nach den Filmvorlagen und fangen diese hervorragend ein. Doch warum trotzdem nur kurzweilig? Nun, weil dann die Probleme von Friday the 13th beginnen ihre dunklen Schatten zu werfen.

 

Scheitern am eigenen Konzept

Um in Friday the 13th auf der Seite der Überlebenden lebend von der Karte zu flüchten, braucht es vor allem eines: Teamwork. Nur im Zusammenspiel mit den anderen Zockern kannst du Autos reparieren, die Polizei rufen oder Tommy Jarvis, seines Zeichens Jason-Killer, zur Unterstützung holen. Jede dieser Aktionen erfordert mehrere Schritte oder Items, die nicht unbedingt in der Nähe der jeweiligen Fluchtmöglichkeit zu finden sind. Und allein über die großen Karten zu schlendern, während ein Mörder sein Unwesen treibt ist – wie in jedem Horror-Film – eine echt blöde Idee.

Probleme zum Launch von Friday the 13th

Doch das Konzept stellt sich selbst ein Bein. Eigentlich sollen die Survivor per Voice-Chat miteinander kommunizieren, der nur in einem gewissen Kreis um die Spieler zu hören ist. Zahlreiche Spieler gehen aber ohne Headset oder Mikrofon ins Spiel. Hast du schon Mal einen Pantomimen gesehen, der einen Horrorstreifen überlebt hat? Ich auch nicht. Das Einschalten des Mikros zeigt sich aber auch nicht als wünschenswerte Alternative, wenn ich mich allein in den Online-Lobbys tummle. Selten habe ich ein Spiel gespielt, bei dem so oft die Aufsichtspflicht der Erziehungsberechtigten mit Füßen getreten wurde.

 

So schallt es schon in den ersten Lobbys nur so vor zarten Stimmchen, deren Besitzer noch einige Jahre bräuchten, bis sie Friday the 13th legal spielen dürften. Immerhin ist der Multiplayer-Horror-Trip hierzulande von der USK mit einem Ab-18-Siegel versehen worden. Doch der digitale Vertrieb erleichtert natürlich den ungehinderten Zugang, wenn niemand auf den Spross schaut. Während diese Stimmen noch dank des praktischen Mute-Buttons eliminiert werden können, schlägt sich das Ganze leider auch bei der Spielweise nieder. Kaum jemand versucht zusammenzuarbeiten. Stattdessen wird der Killer meist noch zu anderen Opfern gelockt oder die Verbündeten richten das Messer gegen die Mitspieler, was tatsächlich dank Friendly Fire möglich ist.

Auch stimmt das Verhältnis zwischen Killer und Opfern nicht mehr, wenn kurz vor Spielantritt einige Mitspieler noch das Match verlassen. Aktuell wird bei Friday the 13th getrollt, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Entwickler müssen sich unbedingt etwas einfallen lassen, wenn ihr Spiel länger überleben soll. Der Andrang ist immerhin gegeben. Bereits am ersten Wochenende wollten so viele Gamer eine Runde spielen, dass die Server unter der Last in die Knie gegangen sind. Mittlerweile läuft Friday the 13th aber relativ störungsfrei. Auch wichtig: Wenn du Friday the 13th online spielen willst, solltest du Englisch sprechen können. Die wenigsten Mitspieler können Deutsch. Da hilft es, wenn ihr euch auf einen gemeinsamen Kommunikationsweg einigen könnt.

 

Gesichter des Bösen

Ein Hauptaspekt von Friday the 13th soll natürlich der Schrecken sein, den die Überlebenden und damit auch ich – wenn ich denn in die Rolle eines rolligen Teenies schlüpfe – verspüren. Was dies aber etwas schwierig gestaltet, sind die absolut grausamen Gesichter der potentiellen Mordopfer. Diese erstarren schon zu Beginn jedes Matches im Angesicht von Jason zu einem Gemisch aus Zahnarztbesuch und einem Blick auf den eigenen Kontostand nach einer durchzechten Nacht. Und auch die blutigen Todesanimationen, die es in Hülle, Fülle und sämtlichen Graden der Brutalität gibt, sind durch Ragdoll und seltsame Clipping-Fehler in einigen Fällen eher unfreiwillig komisch. Tschüss Atmosphäre, es war schön mit dir!

Mit Jason alle Überlebenden zur Strecke bringen

Was ich dem Spiel allerdings zu Gute halten muss, ist, dass die grundlegenden Mechaniken funktionieren. In den Matches sind mir keine schwerwiegenden Bugs oder Fehler untergekommen, die den anfänglichen Spielspaß getrübt hätten. Sind die verschiedenen Möglichkeiten erst einmal ausgelotet, bekomme ich als Überlebender sogar zwischenzeitlich das Gefühl, Jason einen Schritt voraus zu sein. Das sorgt noch einmal für einen deutlich schnelleren Herzschlag.

 

Nur Gemecker für Jason?

Wann funktioniert Friday the 13th nun wirklich? Auch diese Frage musste ich mir beim Spielen stellen. Und die Antwort ist recht einfach. Nämlich dann, wenn du dir deine Freunde schnappst und sie zu einer gescheiten Partie des Multiplayer-Geschnetzels einlädst. Dann werden die störenden Faktoren fast ausnahmslos eliminiert. Denn bei den eigenen Kumpels und Kumpelinnen kann ich mir blöde Kommentare über Voice-Chat erlauben. Die Spielweise verändert sich und ich spiele viel mehr als Erlebnis und weniger zielorientiert. Dann macht Friday the 13th genauso Spaß, wie seine Filmvorlagen. Im Kreis einiger Freunde, mit der richtigen Einstellung und einer gewissen Toleranz für die teilweise komischen Seiten der Horror-Erfahrung.

Alle Charaktere des Spiels im Überblick

Jetzt werden sicherlich einige Aufschreien, dass ich doch auch einfach Jason spielen könne, wenn ich allein unterwegs bin. Doch dies ist nicht so einfach. Zwar lässt sich in den Einstellung eine Spawn-Präferenz (Jason oder eben Überlebender) auswählen, jedoch ist diese kein Garant dafür, dass ich in den Online-Matches immer als Killer an den Start gehe. Hier wäre ein Modus, wie in Dead by Daylight, in dem ausschließlich eines der Monster gespielt werden kann, deutlich sinnvoller. Klar, gibt es dann längere Wartezeiten für den Spieler. Aber am Ende resultiert dies eben auch in mehr Spaß am Stück.

 

Fazit zu Friday the 13th – The Game

Mit der Wertung für Friday the 13th habe ich lange mit mir selbst gehadert. Immerhin hatte ich solch hohe Erwartungen an den Multiplayer-Titel. Doch in der aktuellen Form ist das Spiel noch weit von meinen Vorstellungen entfernt. Allerdings will ich den momentanen Entwicklungsstand nicht dazu nutzen, um das Werk der Entwickler komplett zu verdammen. Dead by Daylight brauchte beispielsweise auch eine Weile, bis es wirklich gereift ist. In den Ansätzen funktioniert Friday the 13th. Und unter den richtigen Umständen kommt eine Riesengaudi auf. Doch ein wenig Zeit wird es wohl noch brauchen, bis dies auch durchgängig in den Online-Modi so sein wird.

Meiner Meinung nach haben die Entwickler sich mit dem Konzept von Friday the 13th ein Bein gestellt. Der asymmetrische Multiplayer bietet zu viel Platz für Trolle oder potenzielle Fehlerquellen, die das Einfangen der Vorlage schwierig machen. Ein Singleplayer-Spiel, das vor allem von der Geschichte lebt, hätte in meinen Augen besser gepasst. Aber wer weiß: Wenn sich Friday the 13th eine Community aufbauen kann, die auch am Ball bleibt, wird dies sicherlich nicht das letzte Spiel sein, das wir mit Jason Voorhees erleben können.

Friday the 13th wird dir gefallen, wenn du auf Horror, Multiplayer und lustige Animationen stehst.

Friday the 13th wird dir nicht gefallen, wenn du Probleme mit unfertigen Spielen oder keine Zeit zu warten hast und Horror doof findest.

Wertung

6/10
Getestet von Marvin

Friday the 13th hat leider einige Macken, die am Spielspaß und Horror nagen. Vielleicht hätte dem Spiel ein anderes Genre gut getan. Mit einigen Freunden kommt trotzdem noch genug Gaudi auf, um den Kauf zu rechtfertigen.

Na, angefixt?
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