From Dust - Vorschau: Es ist nicht leicht, ein Gottspiel zu sein

Tobias Heidemann
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Gott ist tot! Im Bereich der Computer- und Videospiele hat das berühmte Nietzsche-Zitat leider uneingeschränkte Geltung. Das gute alte "God Game" liegt tatsächlich im Sterben. Lionheads 2005 erschienenes Black & White 2 kann als das letzte Lebenszeichen dieser einstigen Weltreligion betrachtet werden. Nun tritt der entwickelnde Wanderprediger Eric Chani den letzten Gottesbeweis an. Glaubt ihr an "From Dust"?

From Dust - Vorschau: Es ist nicht leicht, ein Gottspiel zu sein

Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Das wissen wir spätestens seit “Populous”, “Powermonger” oder dem besagten “Black and White”. Wir werden mit dem Schutz von Normalsterblichen betraut und dürfen ihr Schicksal mit Hilfe göttlicher Allmacht beeinflussen. Mit wahren Wundern verhelfen wir unserer Glaubensgemeinschaft zum Sieg über konkurrierende Ketzer und lassen unseren übernatürlichen Zorn in Form von Naturkatastrophen auf sie herabfahren. In “Black & White” stellte sich uns sogar die allzu menschliche Frage: Wer bin ich? Bin ich ein zorniger, rachsüchtiger Gott, gefürchtet von seinen Schutzbefohlenen und besänftigt mit grausamen Opfergaben; oder bin ich eher ein sanfter, gnädiger Gott, voller Liebe und Empathie für seine glaubende Herde? Aus diesen Aspekten zogen die besten “God-Games” ihren speziellen Reiz.

Mit From Dust kehrt nicht nur das God-Game zurück

“From Dust” klammert vieles davon aus und beschreitet andere Wege. Es ist ein gewaltloser Pfad ohne moralische Entscheidungen. Wir müssen mit niemanden konkurrieren und können keine guten oder schlechten Taten vollbringen. Allein der Kampf gegen eine übermächtige Natur ist hier die Herausforderung. Eine äußert mutige Design-Entscheidung für das große Comeback des totgesagten Gottspiels.

“From Dust” ist dabei nicht nur die Rückkehr eines bedeutungslos gewordenen Genres; es ist auch der Wiederauftritt eines lange verschwundenen Entwicklers. Eric Chani ist der Verantwortliche hinter dem Spiel und der hatte sich über fünf Jahre aus dem Gaming-Business verabschiedet; um wandern zu gehen und zu malen wohlgemerkt.

Chani ist selbst ein großer Schöpfer. Mit “Another World” hat er 1991 einen kleinen aber feinen Meilenstein der Videospielgeschichte fast im Alleingang programmiert. Das Spiel wird heute vor allem dafür gelobt, dass es auf damals weitverbreitete Spiel-Elemente (wie zum Beispiel das Sammeln von “Leben”) weitgehend verzichtete und dafür auf ein sehr emotionales Spielerlebnis setzte. In einer fremden, unheimlichen Welt war man als Spieler über die unverhoffte Freundschaft mit einem Außerirdischen sehr dankbar. Mit einfachsten Mitteln gelang es “Another World” eine Bindung zwischen uns und dem fremden Wesen herzustellen.

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