Game & Wario Test: Shovelware von Nintendo?

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Von Game & Wario habe ich eine wahnwitzige Minispiel-Hatz erwartet, die vor Charme, Humor und Spielwitz nur so strotzt. Eben das, was mir bisherige Wario Ware-Titel geboten haben. Stattdessen wird schnell klar, dass hier ganz bewusst auf den Wario Ware-Namen verzichtet wurde. Game & Wario ist nämlich nicht mehr als eine Sammlung von 16 Minispielen, von denen man die meisten nach einmaligem Spielen links liegen lässt.

Schade drum, denn ansatzweise ist die rebellische Natur vergangener Wario-Auftritte durchaus vorhanden. Das fängt bei den quirligen 2D-Zwischensequenzen an und geht in den wenigen wirklich guten Minispielen weiter. Der Rest fühlt sich an und spielt sich auch wie Shovelware – uninspirierte Verpflichtungen gegenüber der Wii U-Funktionalität. Die soll Game & Wario nämlich besonders hervorheben, was als Launch-Titel oder besser noch als Beilage zu jeder Konsole durchaus funktioniert hätte. So ist es einfach nur wenig Spiel für viel Geld.

In einem der Minigames muss ich etwa das Wii U Gamepad so halten wie eine Kamera. Auf dem Fernseher wird ein Gebäude angezeigt und mit dem Zoom meiner „Kamera“ soll ich bestimmte Zielpersonen fotografieren. Die Schwierigkeit besteht darin, dass ich meine Ziele frontal erwischen muss, sie sich aber ab und zu drehen oder etwa Vorhänge schließen. Spannend.

An anderer Stelle soll ich mit dem Touchpad schlicht und einfach Puzzles lösen, schiebe also Teile an die richtige Position. So etwas ist vielleicht cool, wenn es mir mit Hyper-Speed in einem Wario Ware-Spiel präsentiert wird und ich nicht mehr als zwei Sekunden Zeit habe, darüber nachzudenken – hier ist es einfach nur langweilig.

Technisch beeindruckender ist da das Pfeilschießen. Das Wii U Gamepad dient als Pfeil und Bogen, mit dem Touchscreen spanne ich den Pfeil und je nachdem, wie ich das Gamepad halte, fliegt der Pfeil auch tatsächlich im korrekten Winkel in den Fernsehbildschirm. Trotz kleiner verspielter Details wie aufladbare Superpfeile oder Bossgegner bietet auch dieses Minispiel nicht mehr als 15 Minuten Unterhaltung.

Dann gibt es so Sachen wie Skifahren, die Piste wird dabei auf dem Gamepad abgebildet und gelenkt wird durch Drehung des Pads. Oder ein ganz verqueres Rhythmus-Spiel im Multiplayer, bei dem sich zwei Spieler auf dem Gamepad Noten a la Guitar Hero zuschicken, die der jeweils andere dann spielen muss. Das sind alles Minispiele, die ich nach dem ersten Mal nicht weiter spielen möchte, weil sie einfach zu flach und schlicht öde sind.

Zum Glück gibt es auch ein paar Highlights unter den Spielchen. Mein Favorit ist das Minispiel des kindlichen Charakters 9-Volt. Der liegt nämlich nachts im Bett und zockt noch heimlich auf seinem Handheld. Das Gamepad simuliert dabei die portable Konsole, darauf muss ich Wario Ware-ähnliche Spiele absolvieren. Auf dem Fernseher sehe ich das Zimmer des Jungen und muss ständig nach oben gucken, um zu schauen, ob seine Mutter gleich hineinblickt und ihn beim Zocken erwischt. Dabei kommt tatsächlich Spannung auf, vor allem, weil die Auftritte der Mutter wie in einem Horrorspiel inszeniert werden. Geht sie etwa draußen am Fenster vorbei, ertönt eine schaurige Musik. Wenn sie dann ins Zimmer guckt, ist sie nur ein dunkler Schatten mit gelb leuchtenden Augen und 9-Volt verkriecht sich unter seiner Decke, wenn ich rechtzeitig die beiden Schultertasten drücke.

Im Spiel von Dr. Crygor muss ich wiederum beim Bau von Robotern helfen. Dazu soll ich auf dem Gamepad Pläne zeichnen. Zu den Aufgaben gehören „Zeichne einen 50° Winkel“, „Zeichne einen Kreis mit 15cm Durchmesser“ oder „Zeichne eine beliebige Linie, die 40cm lang ist“. Das mag zwar auch nicht lange motivieren, mir gefällt aber die Idee, nach Augenmaß möglichst genau zeichnen zu müssen.

Ein weiteres cooles Minispiel ist das Bauerntaxi. Auf einem Bauernhof fahre ich in der Egoperspektive mit einem Taxi durch die Gegend, muss einfallende UFOs abschießen und die Tiere vom Hof ins Taxi laden, um sie in Sicherheit zu bringen. Das ist herrlich schräg, spielt sich schön schnell und beinhaltet sogar den Kampf gegen das Mutterschiff.

Im Multiplayer gibt es auch ein paar Positiv-Beispiele. Etwa ein Montagsmaler-Minispiel, das zwar so gar nicht kreativ ist, aber trotzdem Spaß macht. Oder eine „Wo ist Waldo“-Variante, in der der Gamepad-Spieler einen Früchtedieb in einem Stadtviertel steuert, in dem es vor Bewohnern nur so wimmelt. Die anderen Spieler betrachten den Fernseher und müssen ihn finden. Auch kein Meisterwerk mit Esprit, trotzdem ganz lustig.

Fazit:

Game & Wario mag seine Highlights haben, die meisten Minispiele dieses knappen Bündels sind aber für die Katz. Warum sich Nintendo gegen das sonst so coole Wario Ware-Prinzip entschieden hat und uns stattdessen eine derart uninspirierte Minispiel-Sammlung vorsetzt, ist mir ein Rätsel. Wer wirklich seine Dosis Wario auf der Wii U braucht, sollte erst dann zuschlagen, wenn Game & Wario da landet, wo die meisten seiner Minispiele hingehören: In der Grabbelkiste.

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Wertung

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Getestet von Thomas

Sehr durchschnittliche Minispiel-Sammlung mit ein paar Highlights.

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