Indizierung erklärt – Was steckt hinter Liste A, Liste B und dem Prüfungsverfahren der BPjM?

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Indizierung erklärt – Was steckt hinter Liste A, Liste B und dem Prüfungsverfahren der BPjM?

USK, FSK, PEGI, BPjM, Indizierung, Beschlagnahme, ohne Jugendfreigabe – bei so vielen Ausdrücken kann schnell Verwirrung auftreten. Was ist nun eigentlich erlaubt und was ist verboten? Darf ich mir ein beschlagnahmtes Spiel kaufen? Da diese Fragen immer wieder auftauchen, möchten wir Euch mit diesem Artikel eine ausführliche Antwort geben.

Was macht die USK?

Wir fangen ganz unten an – bei der USK. Die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“  ist dafür zuständig, allen in Deutschland herausgebrachten Spielen eine Altersfreigabe zu erteilen, die FSK übernimmt die gleiche Aufgabe bei Filmen. Die höchste Einstufung ist „keine Jugendfreigabe“, die Spiele und Filme ab 18 Jahren freigibt.

Die USK hat jedoch auch die Möglichkeit, einem Spiel die Freigabe komplett zu verweigern. Das passiert im Falle von Videospielen meist, wenn eine von zwei Voraussetzungen gegeben ist. Wörtlich sagt der Gesetzestext, dass alle Medien,

- die offensichtlich geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit schwer zu gefährden
und
- die besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen selbstzweckhafter Gewalt beinhalten, die das Geschehen beherrschen

automatisch indiziert werden. Nun ist das jedoch eine sehr schwammige Aussage, denn was nun die Kindeserziehung gefährdet oder als besonders reißerische Gewaltdarstellung gilt, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Deswegen gehen Spiele, die von der USK keine Alterseinstufung bekommen zur BPjM – der Bundeszentrale für jugendgefährdende Medien.

 


Die Entscheidung der USK, keine Freigabe zu erteilen, ist übrigens nicht bindend. „Gears of War 3“ hat das letztes Jahr unter Beweis gestellt: Die USK leitete das Finale der Shooter-Trilogie zur BPjM weiter. Dort sah man die Voraussetzungen für eine Indizierung des Spiels aber nicht erfüllt – deshalb ging das Spiel zurück zur USK und bekam dann doch noch sein 18er-Siegel.

Was bedeutet eine Indizierung und was ist der Unterschied zwischen Liste A und B?

Die BPjM trifft also die Entscheidung darüber, welche Spiele letztlich indiziert werden. Eine Indizierung unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einen Spiel, das „keine Jugendfreigabe“ erhält.  Denn auch ein indiziertes Spiel darf problemlos in Deutschland gekauft, verkauft und gespielt werden. Verboten ist es jedoch, für das Spiel zu werben. Das heißt, dass es keine Plakate, Demos oder Zeitschriftenanzeigen zu dem Spiel in Deutschland geben darf. Was als Werbung gilt, ist dabei relativ offen: So gelten zum Beispiel auch kritische Tests noch als Werbung für das indizierte Spiel.

Im Zuge dessen ist es Händlern ebenfalls verboten, indizierte Spiele offen in ihren Regalen auszustellen. Sie dürfen sie lediglich „unter der Ladentheke“ – also auf Nachfrage – verkaufen. In der Praxis bedeutet das, dass es so gut wie keine deutschen Händlerketten gibt, die indizierte Spiele verkaufen. Es lohnt sich einfach nicht für sie, weil nicht genug Leute extra nach den entsprechenden Spielen fragen. Dazu kommt dann noch,  dass Unternehmen wie Microsoft und Sony in Deutschland grundsätzlich keine indizierten Titel in die Läden bringen, um ihren Ruf in der Öffentlichkeit nicht zu gefährden.

Sollte ein Spiel indiziert werden, wird es entweder auf die Liste A oder die Liste B gesetzt. In der Liste B tauchen die Spiele auf, die nach Einschätzung der BPjM beschlagnahmt werden sollten, der Rest landet automatisch im Listenteil A.

Sind beschlagnahmte Spiele verboten?

Wird ein Spiel auf Liste B gesetzt, entfernen wir uns endgültig vom Thema Jugendschutz und finden uns im Bereich Strafrecht wieder. Beschlagnahmt werden nämlich nur Spiele, die strafrechtlich relevanten vorzuweisen haben. In den allermeisten Fällen wird dann § 131 I StGB fällig. Danach werden Spiele beschlagnahmt, „die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellen“. Wieder fällt auf, dass es sich um einen recht schwammigen Wortlaut handelt.

Bei der Beschlagnahme hat wegen der strafrechtlichen Relevant auch keine Behörde mehr etwas zu sagen. Stattdessen entscheidet ein Richter, ob das Spiel beschlagnahmt wird oder nicht. Wir umgehen mit Absicht den Begriff „verboten“, denn er trifft hier nicht ganz zu.

Entgegen vieler anderslautender Gerüchte ist es nämlich nicht strafbar, ein beschlagnahmtes Spiel zu besitzen oder zu kaufen. Beides ist völlig legal. Der Verkauf dagegen ist – genauso wie die öffentliche Vorführung – strafbar.  Wer also ein beschlagnahmtes Spiel sein Eigen nennen will, der muss zum Import greifen und hoffen, dass der Zoll das Paket nicht dabehält. Ob das passiert oder nicht ist leider in den meisten Fällen der Laune des Zöllners überlassen, in der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass es in der Regel kein Problem darstellt.

Der USK wird also häufig die Schuld an der Indizierung oder der Beschlagnahme eines Spiels gegeben, obwohl sie herzlich wenig dafür kann. Genau aus diesem Grunde würde es auch kaum einen Unterschied bedeuten, wenn in Deutschland die PEGI statt der USK tätig wäre. Denn auch das – im Großteil Europas als Standard geltende – PEGI-System müsste sich den deutschen Gesetzen beugen und könnte an Indizierungen und Beschlagnahmen nichts ändern. Dafür wäre eine grundsätzliche Überarbeitung des deutschen Jugendschutzes und Strafgesetzbuches nötig.

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Weitere Themen: Gears of War 3 Demo, Epic Games


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