Geheimakte 3 Vorschau - Eine Akte für den Giftschrank?

Robin Schweiger
1

Qyeun hat heute mal Pause. Das ist der dunkelelfische Dieb, mit dem ich mich derzeit durch Himmelsrand schleiche. Anstatt also den Feierabend mit Skyrim zu verbringen, bin ich an diesem Abend gehalten, die neueste Geheimakte von Entwickler Animations Arts zu öffnen. Was auf den ersten Blick nach einem etwas unfairen Vergleich aussieht, versüße ich mir durch die Hoffnung auf eine gute Geschichte. Genau die fehlt mir nämlich gerade bei "Skyrim".

Geheimakte 3 Vorschau - Eine Akte für den Giftschrank?

Geheimakte 3 beginnt tatsächlich recht vielversprechend. Animations Arts versucht mit ein paar Kuttenträgern im antiken Ägypten, verschwörerische Atmosphäre zu versprühen. Die beiden mysteriösen Mönche unterhalten sich gerade mit einem Dieb, in dessen athletische Rolle ich nach der kurzen Exposition schlüpfen darf. Mit dem schleichenden Langfinger erledige ich dann simpelste Mini-Games und erste Logik-Rätsel der Marke Kindergarten.

Die Sequenz dient in der Erzählung von “Geheimakte 3″ als eine Art historisches Vorspiel für den eigentlichen Gegenwartsplot. Doch auch im Verlauf der Haupthandlung sollen wir laut Animations Arts immer wieder zwischen den Zeiten und Charakteren hin- und herspringen. Klingt abwechslungsreich.

Mein erster Zeitsprung führt mich in eine Kirche. Drehbuchautor Stefan Holtz (größter – und einziger – Hit “Bang Boom Bang”) vereint die aus den Vorgängern bekannten Nina Kalenkow und Max Gruber dort vor dem Hochzeitsaltar. Während der Priester die Vermählung anstimmt, lege ich im Kopf eine Liste der optischen Mißstände in “Geheimakte 3″ an. Es ist eine lange Liste. Die Gesichter der Figuren wirken detailarm, künstlich, unsympathisch. Ihre Animationen sind ungelenk und umständlich. Trotz dieser begrenzten Grafik-Mittel schicken die Entwickler von Animations Arts ihre Charaktere in den Zwischensequenzen auf ganz großen Hollywood-Blickfang. So wirkt die Inszenierung von “Geheimakte 3″ aber leider nur noch gestriger und bisweilen sogar unfreiwillig komisch. Ob das wohl im späteren Spielverlauf noch besser wird?

Außerdem frage ich mich, warum das Team nicht deutlich mehr auf handgezeichnete Hintergründe setzt. Gerade das Adventure-Genre bietet sich dafür doch an und kleine, feine Spiele wie “The Book of Unwritten Tales”, “Trine 2″ oder gar “Rayman Origins” stellen eindrucksvoll unter Beweis, was man damit alles erreichen kann. In “Geheimakte 3″ wirken die 2D Umgebungen hingegen irgendwie steril und strukturlos. Fast wie aus der Pionierphase der ersten CD-Games à la “Myth”.

Aber wie gesagt, ich bin vor allem wegen der Story und der Rätsel hier. Letztere waren in den Vorgängern mitunter richtig klasse. Das erste große Rätsel, das ich in Teil drei lösen muss (um der nun brennenden Kirche zu entkommen) ist hingegen nicht so mein Fall. Die Mischung aus intuitiven Lösungswegen und Logik scheint mir in den Vorgängern besser gelungen. Ein Eindruck, der sich auch in den beiden folgenden Lösungsketten bestätigt. Immer wieder muss ich wegen einer abwegigen Lösung den Kopf schütteln. Hoffentlich steigt das Niveau in den späteren Passagen noch einmal spürbar.

Die Tatsache, dass ich anfangs all diese Rätsel lösen muss, weil mein Verlobter in seiner Freizeit offenbar nichts Besseres zu tun hat, als sich komplexe Rätselketten auszudenken und sie für den Fall seiner Entführung für mich bereitzuhalten, macht auch die Story etwas zu konstruiert für meinen Geschmack. Etwas mehr Fahrt könnte sie zudem auch aufnehmen. Von der atmosphärischen Geheimniskrämerei der beiden Vorgänger fehlte bisher jede Spur. Vielleicht liegt das daran, dass mich die Entwickler an diesem Abend nur in Ninas Wohnung und das Büro von Max führen – beides denkbar lahme Schauplätze. Als es dann endlich nach Istanbul gehen soll, bricht die Demo ab und hinterlässt bei mir einen sehr faden Nachgeschmack.

Ausblick:
Die Vorgänger sind mir als atmosphärische, erwachsene und fordernde Vertreter der deutschen Adventure-Zunft im Gedächtnis geblieben. Die ersten Stunden von Teil drei beschwören in mir vor allem eines: Langeweile. Mit steifen Dialogen, einer schwachen Grafik und einer Story, die bisher nicht richtig in die Gänge kommt, rutscht diese Akte von meiner Top-Liste vorerst in den Giftschrank. Mal sehen, was der Rest des Spiels auf Lager hat.

Wertungstendenz: Befriedigend

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz