Spider-Mans neue Gegner: Rhino & Electro im Comic-Check – The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro

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Spider-Mans neue Gegner Rhino und Electro sind ziemlich... dumm. Zumindest, wenn man sie ins Verhältnis zu so scharfsinnigen Marvel-Villains wie dem Kingpin setzt. Paul Giamatti (spielt wahrscheinlich Rhino) und Jamie Foxx (übernimmt Electro) werden uns in „The Amazing Spider-Man 2“ zwei eher schlichte Gemüter präsentieren. Beiden geht die Weltherrschaft  ziemlich am Super-Arsch vorbei. Das große Ganze, der Kampf zwischen Gut und Böse, die metaphysischen Beweise menschlicher Verkommenheit – die Comicfiguren Rhino und Electro interessiert all das nicht die Bohne. Aber was haben sie dann eigentlich in Marc Webbs Fortsetzung zu suchen? Eine erste Spurensuche.

Spider-Mans neue Gegner: Rhino & Electro im Comic-Check – The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro

Sollte sich das Gerücht um Paul Giamatti bestätigen, dann ist das schon mal ein Gewinn für „The Amazing Spider-Man 2“. Der amerikanische Schauspieler konnte bisher so ziemlich alles spielen, was von ihm verlangt wurde. Seine schauspielerische Reife  ist unbestritten, Giamatti kann böse werden.

Fragt sich nur, welche psychologischen Untiefen, welche verstörenden Charakterfacetten und welch dunkles Verlangen er als Rhino überhaupt darstellen soll – das olle Nashorn hat nämlich nichts von all dem.

Die Geschichte des Rhino ist die Geschichte einer brutalen, rechten Hand. Aleksei Mikhailovich Sytsevich, so der richtige Name des beliebten Marvel-Bösewichts, erblickte in den 60er Jahren (Amazing Spider-Man #41 – 43) zum ersten Mal das Licht der Comic-Welt. Und zwar als dumpfbackiger Strohdieb aus dem Ost-Block.

Sytsevich nimmt freiwillig an einem Experiment teil, im Zuge dessen ein paar fiese Agenten aus Osteuropa seine Haut mit einem besonders starken Polymer überziehen. Sytsevich und Polymer werden eins – Auftritt Rhino. Stärker und schneller als jeder normale Mensch soll das so erschaffene Rhino fortan mit dem Kopf durch die Wand, um militärische Geheimnisse für anti-amerikanische Interessensgruppen zu akquirieren.

Wohin auch immer es „The Amazing Spider-Man 2“ verschlagen wird, die klassische Origin-Story des Rhino wird darin wohl kaum eine Rolle spielen. Für die zeitgenössischen Comicverfilmungen ist sie einfach zu flach und – mit Verlaub Mr. Lee und Mr. Romita – zu dumm. Es fehlt an schicksalhafter Tragik, menschlichem Drama und persönlichen Verbindungen zum Spider-Man Peter Parker.

Auch die nachfolgende Karriere durch zahlreiche „Hulk“-Runs gab dem Rhino kaum mehr Format. Mal sollte er als Prügelbursche von „The Leader“ die Hochzeit von Bruce Banner verhindern, mal schlug er für den „Beyonder“ feste zu, dann folgten kleinere Nebenjobs für das böse Mastermind „Justin Hammer“ und einige Einsätze für die kriminelle Vereinigung „Sinister Syndicate“.

Immer war Rhino nur ein Mittel zum Zweck, ein nützlicher Handlanger, das stupides Muskelpaket, das die Drecksarbeit für die wirklich wichtigen Villains erledigt.

Spideys neuer Gegner Rhino – der ewige Assistent.

Es dauert noch viele Jahre bis sich die Marvel-Autoren endlich der chronischen Charakterlosigkeit des Rhino erbarmten und ihm so etwas wie eine persönliche Motivation gaben („Flowers for Rhino“). Letztlich dürfte aber nur die Geschichte aus dem Spider-Man-Run „The Gauntlet“ für eine Charakterisierung im 2014 kommenden Kinofilm in Frage kommen. Hier wird Sytsevich von S.H.I.E.L.D. seiner Super-Haut entledigt und kurzum ins Gefängnis geworfen. Dort schmort er viele Jahre, wird dann wegen guter Führung freigelassen, verliebt sich  und heiratet schließlich die Kellnerin Oksana, die wiederum von einem anderen Bösewicht (Doctor Trauma) getötet wird, woraufhin Rhino Amok läuft und Spider-Man für den Tod seiner Frau verantwortlich macht. Puh...auch nicht gerade Shakespeare im Park oder?

Mehr ist aus Rhino aber schlichtweg nicht herauszuholen. Abgesehen von einigen kurzen Zusammenarbeiten mit Spidey, ist er kaum mehr als ein stupider Knilch in einem ziemlich beknackten (High-Tech) Nashorn-Anzug.

Kleinkrimineller Electro – Vom Leitungsmonteur zum Bösewicht

Und Electro? Mimt Jamie Foxxs‘ Charakter dann das elektrifizierende Super-Hirn im Hintergrund? Wohl kaum. Electro – aka Max Dillon – ist ein ebenso einfach gestrickter Krimineller wie Rhino.

Dillon arbeitet bei seinem ersten Comic-Auftritt als Leitungsmonteur („The Man Called Electro“ 1964). Eines  Tages wird er von einem Blitz getroffen. Der Blitz ruft natürlich eine Mutation hervor und verwandelt ihn in einen menschlichen Kondensator. Es kommt, was im Marvel-Universum nun einmal kommen muss:  Zwar erteilt Electro dem oberbösen Chef vom Dienst Magneto bei einem frühen  Rekrutierungsversuch zunächst eine Absage, am Ende gerät Dillon dann aber doch auf die schiefe Bahn und führt das Leben eines kleinen Kriminellen, der vornehmlich immer irgendwo einbricht, um komische Sachen zu klauen.

The Amazing Spider-Man 2: Warum Electro und Rhino?

Dass sich die Produzenten von „The Amazing Spider-Man 2“ ausgerechnet für diese beiden Strolche entschieden haben, mag viele überraschen. Allerdings zweifelte die Fangemeinde im Vorfeld von „The Amazing Spider-Man“ auch an der Wahl von Dr. Curt Connors alias der Lizard. Der funktionierte dann besser als erwartet.

Vielleicht geben Spider-Mans neue Gegner aber auch mehr Preis, als man auf den ersten Blick erkennt.

Wie wäre es zum Beispiel damit: Spideys persönliche Nemesis Norman Osborn (Grüner Kobold und so) feiert im zweiten Teil des Reboots endlich seinen großen Auftritt und lenkt die Geschicke von Rhino und Electro aus dem Schatten heraus. Vielleicht erblicken die beiden sogar im Hause Oscorp das Licht der Superwelt und werden wie Peter Parker vor ihnen zu Opfern der dort durchgeführten Inter-Spezies DNA Experimente. Natürlich aufgrund einer trickreichen Manipulation von Osborn, der den beiden sogleich – unter Vortäuschung falscher Tatsachen – einen neuen Lebenssinn gibt: tötet Spider-Man!

Wer an dieser Theorie zweifelt, der schaue sich die erste Szene im Oscop-Labor aus „The Amazing Spider-Man“ noch einmal an. Dort gibt es einen ersten Hinweis auf eine derartige Erzählung von Rhino.

 


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