Trivium - In Waves: Plattenkritik - New Wave Of Global Thrash Metal

Peer Göbel
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Als Peer kürzlich seine Vorschau auf die 10 noch kommenden Alben des Jahres veröffentlichte, hat er aus metallischer Sicht einige Highlights vernachlässigt. Triviums In Waves gehört definitiv zu den Scheiben, die auf diese Liste gehör(t)en. Fairerweise sollte gesagt werden, dass der neue Output des aus Florida stammenden Quartetts genau an diesem Tag in den Verkauf ging. Der Tag, an dem sie das Wacken Open Air mit einer fulminanten Performance mitrissen… Doch das ist eine andere Geschichte.

Trivium - In Waves: Plattenkritik - New Wave Of Global Thrash Metal


Beinahe drei Jahre haben die Mannen um Sänger/Gitarrist Matt Heafy gebraucht, um den Nachfolger zum erstklassigen “Shogun” einzuprügeln. Neben ausgiebigen Tour-Aktivitäten benötigte die Band wohl auch Muße, um mit sich selbst klarzukommen. In dieser Zeit veröffentlichte man mit “Shattering the Skies Above” lediglich einen (exzellenten!) Song für den God of War 3-Soundtrack. Ausgerechnet dieses Lied (als Bonus auf der Limited Edition enthalten) wies allerdings bereits früh die Richtung, in die sich Trivium mit ihrem fünften Album orientieren sollten. Melodiösen Thrash Metal verschiedenster Facetten spielten die Amis auch auf den vorherigen CDs, doch die Kompositionen sind jetzt noch besser auf den Punkt gebracht – unter den 13 Songs gibt es nicht einen Ausfall oder Lückenfüller. Ich habe “In Waves” sicherlich schon 20 Mal gehört, nicht einmal fühlte ich die Notwendigkeit “vorzuspulen”, Titel zu überspringen. Ja, es gibt auch sperrigere Stücke wie “Watch the World Burn” und die etwas seichte Power-Balade “All of these Yesterdays”. Sie dokumentieren jedoch nur das gewachsene kompositorische Selbstbewusstsein, mit dem Trivium die Grenzen des Genres mühelos überwindet und zugleich zusammenführt, was zusammengehört.

Es ist unheimlich schwierig, sich der gnadenlosen Faszination von brachialen Stücken wie dem treibenden Titelsong “In Waves”, “Inception of the End” oder “Dusk Dismantled” zu entziehen, die uns wütende Granaten um die Ohren abfeuern, gleichzeitig aber immer zugänglich bleiben. Trivium schaffen es wie nie zuvor, beachtliche Härte, ja sogar Blastspeed-Parts und Death-Metal-Anleihen, mit teils zuckersüßem Gesang, dann wieder brutalen Growls zu verbinden, und dadurch ständig Frische auszustrahlen. Wir ermüden niemals bei monotonen Knüppelteilen, gerade ein Song wie “Caustic Are the Ties that Bind” steht exemplarisch für die enorme Vielseitigkeit, mit der man anno 2011 agiert und mit unerwarteten Strukturen experimentiert. Kraftvollen Passagen stehen fast zerbrechliche Elemente gegenüber, die auf natürliche Weise ineinanderfließen, ohne dass sich die Band an den Mainstream anbiedern würde.

Dass Trivium aber definitiv Hitpotenzial entwickeln – wenn sie denn wollen – beweist nicht zuletzt das ohrwurmartige “Built to Fall”, das mit seiner Mischung aus rohem, aber auch cleanem Gesang und überwiegendem Verzicht auf Doublebass-Attacken durchaus im Radio laufen könnte (wenn die Entscheider dort nicht so verbohrt wären und nur ihren Weichspüler-Kram spielten …). Mit dem oft angedichteten Metalcore hat der Vierer auf dem aktuellen Output übrigens trotz neuem Schlagwerker Nick Augusto (ersetzte im Dezember 2010 Travis Smith), der mit seinem variablem Spiel eine Menge frischer Energie mitbringt, nichts gemein. Im Gegenteil, die fette Produktion (von Colin Richardson) unterstützt die dynamischen Songstrukturen melodischen Thrash-Metals, die man kaum moderner interpretieren könnte. Erinnerungen werden wach an eine Band, der mit ihrem fünften Album ebenfalls der große Durchbruch gelang: Metallica.

Fazit:

“In Waves” ist ein Meilenstein in der Band-Historie von Trivium – und möglicherweise sogar des zeitgenössischen Thrash Metal überhaupt. Doch darüber wird man vielleicht erst in einem Jahrzehnt abschließend urteilen können. Bereits heute steht jedoch fest, dass dieses Album mit seinem fetten, aber nicht überproduzierten Sound, den stilistisch abwechslungsreichen Stücken und einem musikalischen Mix aus gnadenloser Härte und schmeichelhaften Ohrwurm-Melodien zumindest für mich zu den besten Scheiben des Jahres gehört und den – nennen wir es New Wave Of Global Thrash Metal – definiert.

P.S. und enthalten fünf weitere Titel (darunter mit Sepulturas “Slave New World” ein gelungener Coversong), von denen bis auf das belanglose “Ensnare the Sun” alle qualitativ und stilistisch locker auf die reguläre Scheibe gepasst hätten!

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