God of War: Ascension Test – Göttliches Geschnetzel?

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Ach wäre es doch so gekommen: David Jaffe, ursprünglicher Vater des God of War, ließ nach seiner Abkehr von der brachialen Metzelmär verlauten, er hätte Kratos in einem weiteren Serienteil einfach gegen die Götter anderer Mythologien antreten lassen. Was wäre das für ein Spektakel geworden: Erbitterte Kämpfe in Ägyptens Pyramide gegen Ra, denn Sonnengott. Oder frostige Scharmützel im eisigen Norden gegen Loki. Oder aber man stelle sich einen gewaltigen Buddha vor, der im Weltraum...ach ne, gab's schon...

Jedes Szenario wäre besser gewesen als das, was sich Sony Santa Monica für „God of War: Ascension“ zurecht gelegt hat. Ein Prequel ist es, also die Vorgeschichte – gab es ja auch erst zwei Mal. Auf der PSP damals. Und schon dort mussten sich selbst harte Fans fragen, wie viel Hintergrund eine Story überhaupt braucht, die trotz der drei Hauptteile nie mehr als einen Bierdeckelrand befüllen würde.


Dass „Ascension“ eigentlich vom Fleck weg chancenlos ist, dürfte klar sein. Und doch überrascht es, wie wenig den Entwicklern zum Thema Kratos einfallen will und wie blass das gesamte Gerüst im Laufe der rund siebenstündigen Kampagne bleibt. Es gibt drei neue Fieslinge, die haut Kratos natürlich fachgerecht zu Klump, aber das war's dann auch. Kein menschlicherer Held, keine neuen Details, nicht einmal Reminiszenzen an die Vorgänger gibt es.

„God of War: Ascension“ muss sich also an seinen spielerischen Qualitäten messen lassen. Und hier brilliert es, wie praktisch jeder der Vorgänger. Das Kampfsystem hätte man auch schwerlich verbocken können, dafür flutscht es einfach zu schön. Ein paar mehr Kombos und Zauber hätten es schon sein dürfen, aber wenn es mal kracht, ist mir der Rest ziemlich egal. Vor allem, wenn die Bossgegner im Bild stehen.

Teil drei hatte hier zwar weit mehr, weit größere und weit epischere Bosse und Momente zu bieten, aber auch „Ascension“ hat die Paradedisziplin der Reihe nicht verlernt. Hier schlägt sich der (inoffizielle) vierte Teil sogar ein bisschen besser als der krasse Vorgänger. Der versagte nämlich immer dann, wenn mal kein Megamonster zu sehen war. Hier stimmt nun aber das Tempo – auf Kletterpassagen folgt ein Kampf, dann ein Rätsel, dann ein Boss.

Gerade die Rätsel verzichten nun endlich auch auf die üblichen Kistenschiebereien, sondern haben dank des neuen Amuletts, mit dessen Hilfe Kratos die Zeit manipulieren kann, endlich auch etwas mehr Substanz. Richtig knifflig wird es dabei eher selten und wenn, dann eigentlich nur, weil manche Lösungsansätze tatsächlich etwas Kreativität verlangen – für die Reihe eigentlich ein Novum.

Abseits dessen gibt es viele kleine Neuerungen, die sich eher im Detail finden: Finishing Kills laufen jetzt ab und an als kleine Minigames mit Ausweichmechanik ab, das Klettern fühlt sich jetzt wie in „Uncharted“ an und ist somit auf das „Nach-vorne-drücken“ des Analogsticks herunter gedummt worden, die Blockmechanik wurde umgebaut, verliert dadurch aber ihren Nutzen und mehr als einmal gibt es nun auch Rutschpartien zu meistern. Nicht alles davon gefällt, Vieles fällt nicht einmal wirklich auf.

So richtig neu und anders ist einzig und allein der Mehrspieler-Modus. In der Beta hat das flotte Gemantsche schon mächtig Laune gemacht, obgleich das Potenzial der Reihe bisher nur im Ansatz genutzt wird. Bei Arenen und Modi geht sicherlich noch mehr – wenn, dann aber wohl wieder nur per DLC. Zu klären bleibt die Frage, ob das Levelup-System, für das man Gegenstände sammelt, auf Dauer nicht die Balance zu sehr beeinträchtigt.

Fazit:

Wenn ich auf sieben Stunden Kampagne zurückblicke fallen mir nur eine Hand voll Momente ein, die mich wirklich aus den Socken gehauen haben – kein Vergleich zum Dauer-Marathon der Awesomness, das einem „God of War 3“ entgegenstellte. „God of War: Ascension“ ist – wenn man das überhaupt sagen kann – zurückhaltender inszeniert, im Rahmen einer Reihe, die eben nur „groß“ kann.

Bemerkbar wird das vor allem am besseren Spieltempo – Rätsel, Kämpfe, Bossgegner und Sprungpassagen sind wohl dosiert und aufeinander abgestimmt, in allen vier Kategiorien schlägt sich „Ascension“ vorbildlich. Und doch fehlt irgendwas. Irgendwie. Vielleicht habe ich aber auch schon zu viel von dem gesehen, was „God of War“ ausmacht. Da „Ascension“ aber noch weniger zu erzählen hat, als die PSP-Ableger, gestalten sich die echten Neuerungen rar.

Der Mehrspielerpart ist gut, mittlerweile aber eher so etwas wie die Pflicht-Dreingabe statt der Kür. Das Spiel mit der Zeit nötigt Sony Santa Monica einige nette Rätsel ab, aber revolutionär ist dann auch irgendwie anders. Darüber hinaus fehlt es an Argumenten für „Ascension“: Mehr Gegner, mehr Waffen, mehr Story, mehr Spielwelt oder –zeit – gibt es alles nicht. Es hat mich gefreut, mal wieder mit Kratos, der alten Pottsau, um die Häuser zu ziehen. Aber begeistert bin ich von dem Treffen nicht mehr.

Bitte beachtet: Eine finale Wertung können  wir nicht vergeben. Da wir den Mehrspieler-Part nur in der Beta ausprobiert haben, Sony aber die Bewertung beider Modi voraussetzt, können wir nur eine grobe Abschätzung geben, die derzeit im niedrigen bis mittleren 80er-Bereich liegt. „Ascension“ ist also definitiv ein gutes Spiel!

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Weitere Themen: God of War 4 Demo, Sony Computer Entertainment

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