Gothic - Was wird aus der Gothic-Reihe

Leserbeitrag

Seit dem Erscheinen des vierten Teils der Gothic-Reihe ”Arcania: Gothic 4” durch das Entwicklerstudio Spellbound Entertainment und dem Publisher JoWood liegt schon ein gutes Jahr zurück und das Addon ”Arcania: Fall of Setarrif” ist bereits seit gut einem Monat in den Läden erhältlich. Neben der Erscheinung des vierten Teiles und dem dazugehörigen Addon ist in den vergangenen Jahren im Hause JoWood und Piranha Bytes vieles passiert. JoWood bekam die Rechte an der Reihe übertragen, das Entwicklerstudio wurde gewechselt und vieles mehr. Wird es jemals ein Gothic 5 geben? Um euch einen Überblick über den aktuellen Stand der Gothic-Reihe zu geben, habe ich für euch ein paar Fakten und News gesammelt und zusammengetragen:

Das gute alte Gothic:

Früher galt die Gothic-Reihe als eines der Vorzeigewerke der deutschen Computerspiele. Piranha Bytes gewann mit ihrem namenlosen Held und der offenen Spielwelt zahlreiche Preise und eine große Community. Der Spieler wurde in eine stimmige Welt hineingezogen, in der man sich sowohl Freunde (Lester, Diego, Milten und Gorn) als auch Feinde (Orcs, Gomez, Drachen, usw.) machte, sich für verschiedene Vorgehensweisen entscheiden konnte und raue Dialoge mit den Bewohnern von der Welt von Gothic führte.

Die Fans der Gothic-Reihe waren rundum mit Teil 1 und 2 der Reihe zufrieden und es entstand ein regelrechter Ansturm an Modifikationen und Fanpatches für diese Spiele. Sprüche, wie zum Beispiel ”Lasst uns Wildschweine jagen gehen!” oder ”Na klar! Was denkst du denn, was ich hier mache? Mir die Eier schaukeln?” wurden Kult.

Gothic 3: Bugs, Orcs und der Streit zwischen den Piranhas und Jowood

Gothic 3 ist der dritte Teil der RPG-Serie und zugleich der letzte Teil der Reihe, der vom Entwicklerstudio Piranha Bytes stammt. Obwohl die Test-Version von Gothic 3 noch zahlreiche Bugs enthielt, wurde jedoch der Veröffentlichungstermin, zur Überraschung vieler, eingehalten und so wurde das Spiel im November 2006 veröffentlicht.

So begegneten uns in der Release-Fassung viele Fehler wie Fliegende Büffel, am Baum festhängende Sklaven, ein fliegender Held und Orcs deren Status nicht zurück gesetzt wurde und die nun ein Leben lang brüllend hinter unserem Helden hinterher rennen ”müssen” (Und dies sind nur einige der zahlreichen Fehler).

Im Prinzip kann man bei der Größe des Entwicklerstudios Piranha Bytes (Stand 2009: 22 Mitarbeiter) über die ein oder anderen Fehler hinweg sehen und bei einem Rollenspiel mit dieser Riesen-Spielwelt sind, meiner Meinung nach, ein paar Bugs in Ordnung. Die Betonung dabei liegt jedoch auf ein paar Bugs. Zeitgleich zum Release des dritten Gothic-Teiles wurde ein Patch veröffentlicht, der eine Vielzahl an Bugs beheben sollte. Dieser erbrachte jedoch nicht den erwünschten Erfolg und so folgten drei weitere Entwicklerpatche. Im Laufe der Zeit übernahm aber dann die Community die Rolle des Fehlerausmerzens. Bis dato hat die Anzahl der Patches der Entwickler und der Community für Gothic 3 zusammen den zweistelligen Bereich erreicht. Diese Tatsache zeigt doch sehr deutlich wie verbuggt das Spiel in der Version 1.0 war.

Diese Spielfehler haben nicht nur die Laune der Spieler gesenkt, sondern auch der Publisher JoWood war mit dem dritten Teil unzufrieden. Nun stellt man sich doch die Frage:

Wieso verschiebt man den Release eines Spieles, welches solche Fehler aufweist, denn nicht?

Die Gothic-Entwickler aus dem kleinen Ländchen Hessen gab dazu ein Statement ab, dass man zu einer verfrühten Veröffentlichung auf Seiten des Publishers gezwungen worden wäre.

Wir gehen nun mal davon aus, dass der Entwickler Recht hatte und JoWood die Jungs von Piranha Bytes dazu gezwungen hat, Gothic 3 frühzeitig zu veröffentlichen. Jedoch stellt sich hierbei die folgende Frage:

Warum sollte der österreichische Publisher JoWood wollen, dass ein total verbuggtes bzw. unfertiges Spiel veröffentlicht wird?

Es gibt viele Vermutungen und Spekulationen zu diesem Thema. Die meiner Meinung nach sinnvollste Erklärung ist, dass der Publisher möglichst schnell viel Geld brauchte. 2005 stand JoWood kurz vor der Insolvenz nach einem Rechtsstreit mit dem australischen Unternehmen Perception, das ursprünglich den Titel Stargate SG-1 für JoWooD entwickeln sollte. Es musste möglichst viel Geld her, um den Publisher zu retten.

Es werden einige Entwicklerstudios von JoWood geschlossen und eine Menge an Mitarbeitern entlassen.

Ende 2006 kam Gothic 3 in die Läden. Die Verkaufszahlen liegen bei etwa 350.000 Stück. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass die Verkäufe in den USA und anderen Ländern dabei noch nicht mitgerechnet wurden.

Trotz der verbuggten Spielwelt erhielt Gothic 3 einige Fanawards und Preise verliehen. Ein Beispiel mehr wie beliebt die Gothic-Reihe war bzw. nach wie vor ist.

Piranha Bytes war dennoch unzufrieden mit ihrem Publisher und wollten die Zusammenarbeit mit den Österreichern beenden. Und so begann ein heißer Streit um die Rechte an dem namenlosen Held!

Arcania: Das haudrauf Spiel von Spellbound

JoWood bekam die Rechte an der Gothic-Reihe ”vorerst” zugeschrieben. Nach einer, nun ja, scheinbar verzweifelten und langen Reise auf der Suche nach einem Entwickler für das Gothic 3 Addon Götterdämmerung fand JoWood schließlich das indische Entwicklerstudio Trine Games. Das Addon sollte die Schwächen von Gothic 3 ausmerzen und die Stärken der Gothic-Reihe perfektionieren. Genau das Gegenteil passierte.

Vielen Fans und auch JoWood dämmerte es, dass das indische Entwicklerteam keine gute Entscheidung war und es wohl schon wieder zu einem Wechsel des Entwicklerteams kommen müsse.

Diesmal musste JoWood nicht ganz so weit reisen (vielleicht aus Kostengründen :-) ). Der Publisher wurde fündig und konnte das deutsche Team Spellbound für den vierten Gothicteil gewinnen. Die Entwickler von Desperados machten sich ans Werk und wollten, wie jeder andere Entwickler auch, mal wieder alles besser machen. Das Kampfsystem, die Rollenspielelemente und sogar die Geschichte von Gothic wurde auf den Kopf gestellt.

Im Oktober 2010 releaste das Spiel mit dem Namen Arcania: Gothic 4.

Um es mal so zu sagen:

Das Spiel selbst mag ja nicht schlecht sein. Nur wer glaubt, er kaufe sich eine weitere Gothicfolge, der wird sich wundern. Mit Gothic hat Arcania nur noch das Kleingedruckte unter seinem Titel gemein.

Der alte Held ist weg… waren nicht wir selbst der alte Held? Nun gut, damit könnte man noch leben. ABER: Vereinfachte Steuerung, mehr Hau-Drauf und weniger Dialoge!

Warum? Weil viele Spieler nicht mehr lesen wollen und Hau-Drauf-Spiele weniger Gehirnzellen anstrengen?

Es ist offenbar wichtiger, den Absatz möglichst groß zu gestalten und somit ein Maximum an Gewinn zu erwirtschaften als etwas Besonderes zu schaffen (was Gothic 1 und 2 zweifelsohne waren).

Gespielt wird heute eben ohne Hirn, dafür mit mehr Action.

Einfach Schade…

Risen, das Déjá-vu vom namenlosen Helden

Auf Grund der verlorenen Rechte an der Gothic-Serie saß Piranha Bytes nicht heulend in der Ecke und lebte seine Leidenschaft zu Gothic anderweitig aus. (z. B. Spiele von JoWood als Opfergabe verwenden und Pentagramme vor ihr Entwicklerstudio zeichnen)

Nein die Piranhas hatten eine Idee!

Wie wäre es mit einem Spiel mit einer offenen Welt, einer stimmigen Umgebung UND einem namenlosen Helden?

Die Leute aus Hessen begannen mit der Entwicklung von Risen. Schnell wurde klar, dass Risen viele Inhalte aus Gothic übernehmen wird und viele Fans behaupteten sogar: ”Risen wird das wahre Gothic 4”.

Nach einer relativ kurzen Entwicklungsphase (2 Jahre) kam Risen auf den Markt.

Der Spieler landet als Schiffbrüchiger auf der Insel Faranga, auf der es zu eigenartigen Ereignissen kommt. Ruinen tauchen aus dem Boden auf und Kreaturen durchstreifen die Wildnis. Der König schickt daher einen Inquisitor auf die Insel, der das Geschehen untersuchen und auf der Insel für Ordnung sorgen soll. Um diese Ziele zu verhindern, bildet sich eine Gruppe von Widerstandskämpfern, die gegen die Inquisition vorgehen möchten. Der Spieler wird nun vor die Wahl gestellt, auf welche Seite er sich stellen möchte.

Kommt euch folgendes bekannt vor? Schiffbrüchiger, der in eine eigenartige Welt gerät und die Wahl gestellt bekommt, auf welcher Seite er denn steht? Soviel zum Thema Dèjà-vu.

Alles in allem war Risen das meistverkaufteste PC-Rollenspiel 2009 und das, wie ich finde, zu Recht !Was wird nun aus Gothic ?

Im März 2008 drang die Meldung durch, dass die Piranhas sich mit ihrem alten Publisher JoWood vertragen haben und die Streitigkeiten über die Gothic-Reihe niedergelegt haben.

JoWood äußerte sich hierzu öffentlich und Dr. Albert Seidl, CEO JoWooD Productions, erklärte die Sachlage wie folgt:

?Wir freuen uns über die Beendigung der Differenzen mit der Firma Pluto 13. Nach langer erfolgreicher Zusammenarbeit war es uns ein großes Anliegen, eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung zu finden! Wir sind stolz darauf, auch zukünftig Produkte der Gothic Serie zu vermarkten und werden natürlich den hohen Qualitätsansprüchen der Fans gerecht werden?,

Quelle: JoWood.com

Später fallen sogar die Worte, dass beide Parteien weiter an ihren Projekten arbeiten und eine erneute Zusammenarbeit nicht ausschließen!

Momentan entwickelt Piranha Bytes den Nachfolger seines erfolgreichen Rollenspieles Risen. (Risen 2)

Was uns wohl mehr interessieren wird, ist die Frage, wird es ein weiteres Gothic aus den Händen von Piranha Bytes geben. Auch hierzu habe ich ein paar Informationen gefunden:

In einem Interview mit Piranha Bytes-Chef Mike Hoge klang nun so, als wollten diese für ein mögliches Gothic 5 ihre Ansprüche auf die Marke wieder geltend machen. Nach Aussage von Hoge kommen alle Rechte an Gothic in Kürze zurück zu Piranha Bytes, da JoWood nur temporärer Eigentümer sei. Das weiß natürlich auch JoWood und genau aus diesem Grund gab der Publisher Gothic 4 den Namenszusatz Arcania. Wahrscheinlich ist die Idee dahinter, das JoWood eine eigene Arcania-Marke entwickeln könnte. Das wird den Gothic-Anhängern allerdings ziemlich egal sein, denn sie warten auf ein neues und gutes Gothic 5.

 

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