Piranha Bytes - Die Geschichte der Gothic-Schöpfer

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(Jens) Mit Arcania: Gothic 4 erschien in den letzten Wochen ein Titel, der eine der besten Spieleserien aus Deutschland in den Augen vieler Fans zu Grabe getragen hat. Wie gut, kann man da nur sagen, dass dieses Spiel nicht von den Erfindern von Gothic entwickelt wurde, die mittlerweile wieder ein neues Universum geschaffen haben: Piranha Bytes. Heute wollen wir einmal deren Geschichte aufrollen und ihnen und der Gothic-Reihe Ehre zollen.

Piranha Bytes - Die Geschichte der Gothic-Schöpfer

Es war einmal in Bochum…

Piranha Bytes gehört heute zu den profiliertesten Entwicklerstudios in Deutschland. Zwar konnte es mit seinen Spielen international bisher nie wirklich Erfolg erzielen, aber hierzulande wird das Team rund um Mike Hoge, Björn Pankratz und Kai Rosenkranz von vielen Rollenspiel-Fans schon nahezu verehrt – und das auch nicht umsonst. Aber wie hat eigentlich alles angefangen?

1997, genauer gesagt am 12. Oktober, wurde die Piranha Bytes Software GmbH von Mike Hoge, Stefan Nyul, Alex Brüggemann und Tom Putzki in Bochum gegründet. Grund dafür war die bereits im Gange befindliche Entwicklung eines Rollenspiels, dass später einmal ganz groß herauskommen sollte: Gothic. 1999 verleibte sich dann die Phenomedia AG das kleine Studio ein. Am 15. März 2001 erschien dann endlich Piranha Bytes’ Erstlingswerk, womit eine Geschichte von Erfolg und aber auch Enttäuschung begann, aber dazu später mehr.

Gothic konnte auf Anhieb begeistern. Hauptgrund dafür war vor allem die für damalige Verhältnisse wirklich große Spielwelt, die komplett frei begehbar ist. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines namenlosen Helden, der auf der Insel Khorinis in eine große Strafkolonie verbannt wird, die von einer magischen Kuppel umschlossen wird, sodass niemand auch wieder jemals fliehen könne. Leider haben sich die Magier, welche die Barriere erschufen, damit aber auch selber eingeschlossen. Der Held muss sich nun in dieser rauen Welt zurechtfinden und, das ist erstmal das Wichtigste, überleben. Über seine Herkunft und seinen Namen erfährt der Spieler rein gar nichts – ein Markenzeichen der Serie. Der Spieler muss sich nun durch diese Welt kämpfen und sich einer von drei Fraktionen anschließen: Dem alten Lager, welches von den Erzbaronen angeführt wird, dem neuen Lager, dass von den Wassermagiern kontrolliert wird, oder der Bruderschaft, einer Art Sekte, welche den Schläfer, einen mächtigen Erzdämon, anbetet.

Das besondere an der Spielwelt von Gothic ist ihre Lebendigkeit: Jeder NPC geht einem geregelten Tagesablauf nach, was der Glaubwürdigkeit schon einmal sehr zu Gute kommt. Dabei geht es jedoch ziemlich ruppig in dieser Welt zu – Beleidigungen, Gewalt und bewusstseinserweiternde Substanzen stehen hier an der Tagesordnung. Damit ist Gothic ganz anders, als die typischen amerikanischen Rollenspiele mit ihren Elfen, Zwergen und idyllischen Laubwäldern, in denen die Vögel nur so vor sich hin zwitschern. Womöglich mag das auch der Grund dafür sein, dass die Serie international nie so wirklich gut ankam. Dabei ist Gothic auch spielerisch sehr gut gelungen. Die Entscheidungsfreiheiten, die man als Spieler hat, machen einen sehr großen Teil des Spielspaßes aus, aber auch das Erkunden der Welt fesselt einen viele Stunden an den Bildschirm. Und die Grafik war für die damaligen Verhältnisse ein wahrer Augenschmauss. Besonders die enorme Weitsicht wusste zu begeistern, forderte allerdings auch einen ziemlich starken PC, um das Spiel nicht in einzeln sichtbaren Bildern ertragen zu müssen.

Doch die hohen Hardwareanforderungen waren leider nicht das einzige Übel, denn perfekt ist Gothic leider nicht: So war das Spiel anfangs von Bugs geplagt und die Bedienung ist ein Graus. Das Inventar ist unsortiert, überlebenswichtige Heiltränke können nicht per Schnellzugriffstaste getrunken werden (was die Kämpfe noch schwieriger macht, als sie es eigentlich schon sind), und in größeren Gefechten, bei denen auch KI-Kollegen mitwirken, kann es auch durchaus mal passieren, dass man aus Versehen diesen eins auf die Rübe gibt. Ja, und dann wäre da eben der Schwierigkeitsgrad, der Rollenspieleinsteiger vermutlich in den Wahnsinn treiben wird, zumindest teilweise. Die Position von Questgebern muss man selbst herausfinden, das gleiche gilt für Questziele, die nicht auf der Karte eingezeichnet werden. Gerade dadurch trennen sich die Gothic-Fans von anderen Rollenspiel-Zockern: Wo erstere diese Herausforderung haben wollen und der Meinung sind, dass ihr Entdeckerdrang dadurch gefördert wird, vermissen andere diesen Bedienkomfort, den man von mordernen Rollenspielproduktionen eigentlich gewohnt ist. Und dann wäre zu guter Letzt noch die Geschichte, die nun echt keine Bäume ausreißt und nicht wirklich Oscar-würdig daherkommt. Die Erzählung stimmt dank guter Dialoge und fantastischer Synchronsprecher jedoch allemal. Nur leider gibt es irgendwie so gut wie gar keine Frauen. Seltsam!

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