GRID 2 Angespielt: Spaß ohne Cockpit?

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Meine Beziehung zu Rennspielen ist eine wechselhafte. Manchmal schwing ich mich mit Vergnügen hinter das virtuelle Lenkrad, oft lassen mich die Dinger aber kalt. Die Entwickler von Codemasters haben schon oft geschafft, den digitalen Bleifuß in mir zu wecken. Etwa mit dem grandiosen „Dirt 2“ oder eben mit dem ersten „Race Driver Grid“. In einer Preview-Version konnte ich „Grid 2“ anspielen und kann bereits verraten, dass uns gewohnt hohe Racer-Qualität erwartet.

Diesen Ruf hat Codemasters eben weg. Von den schicken Menüs (dieses Mal eine perfekt in Szene gesetzte, alte Garage) bis zum Soundtrack ist in den Rennspielen der Briten stets alles erstklassig durchdesigned. Damals haben sie mit „Race Driver Grid“ und der Rückspul-Mechanik das ganze Genre ein Stück weit revolutioniert; der Frust eines Fahrfehlers war mit einem Tastendruck vergessen. Diese Funktion und das gute Fahrgefühl des Vorgängers bleiben auch in „Grid 2“ erhalten.

Alleinstellungsmerkmal Fehlanzeige?

In verschiedenen Events gilt es, mein fahrerisches Können unter Beweis zu stellen. Da ist bisher nicht viel Neues dabei: Neben normalen Rennen gibt es Drift-Challenges und Elimination-Races, also Rennen, in denen nach Ablauf eines Timers der jeweils letzte Platz eliminiert wird. Interessanter sind da die Live-Routes, die die gefahrene Strecke nach jeder Runde ändern – wirklich neu ist das aber auch nicht. Spaß macht das Rasen trotzdem, nicht zuletzt dank der guten Fahrphysik, die die von Codemasters erzielte Mischung aus Zugänglichkeit und Realismus bietet.

Soll heißen: Auch als Nicht-Profi komme ich mit Wagen verschiedenster Klassen gut zurecht, muss aber trotzdem mit den Folgen meiner Fahrweise kämpfen. Zu viel Geknutsche mit der Leitplanke wirkt sich auf die Karren aus, der Schaden ist deutlich spürbar – plötzlich will mein Ford Mustang kaum noch nach rechts einlenken. Die größten Crashs mache ich natürlich ungeschehen, aber nicht, bevor ich sie mir nicht genau angeschaut habe – das Schadensmodell ist dafür einfach zu schön.

Bei all der Grafikpracht, die „Grid 2“ auf dem Bildschirm entfesselt, fällt mir erst spät auf, dass es kaum Fahrhilfen gibt. Die inzwischen fast standardmäßig aktivierte Ideallinie mit Bremsindikatoren gibt es nicht – und ich habe sie auch nicht gebraucht. Dennoch wäre es schön, wenn man sie optional zuschalten könnte.

Die kurze Preview-Fassung gibt natürlich nur einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen mag. Und da muss noch einiges kommen: Bisher fehlen mir bei „Grid 2“ die Alleinstellungsmerkmale. Codemasters Gütesiegel reicht nicht aus, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Ein „Forza Horizon“ scheint die bessere Atmosphäre zu bieten und selbst „Dirt 2“ fühlte sich mit seinem Camping-Wagen eigen an. Diese Identität fehlt mir bei „Grid 2“ noch.

Für mich persönlich ist das Fehlen einer Cockpitperspektive ebenfalls ein großer Mangel. Beim Vorgänger bin ich fast nur in der Ich-Ansicht gefahren, Spiele wie „Shift 2“ haben das Cockpit scheinbar perfektioniert und damit noch nie dagewesene Immersion geschaffen. Warum Codemasters darauf verzichtet, ist mir ein Rätsel.

Fazit:

Grid 2“ wird das erwartet gute Rennspiel. Ob es aber auch großartig wird, kann ich noch nicht einschätzen. Bisher fehlt mir die eigene Identität und die besondere Atmosphäre, die ich bei anderen Codemasters-Titeln oder bei der Konkurrenz so sehr schätze. Bis zum Release am 31. Mai bleibe ich aber vorsichtig optimistisch, denn Spaß macht die wunderschöne Raserei allemal.

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