Spiele-Trends 2013: Da kommt was auf uns zu

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Die Zeiten ändern sich. Was wie eine abgedroschene Phrase klingt, wird beim Jahresrückblick über die Schulter unumstößliche Realität. Der Spiele-Markt veränderte sich 2012 tatsächlich in rasender Geschwindigkeit. Wie wir spielen, wo wir spielen, was wir spielen und wer die Spiele für uns entwickelt – all das ist einem fundamentalen Wandel unterworfen. Was das für die Zukunft der Branche und vor allem unsere Spielekultur bedeutet, das haben wir in einem zweiteiligen Trend-Report einmal zusammengetragen. Mitdiskutieren unbedingt erwünscht!

Spiele-Trends 2013: Da kommt was auf uns zu

Wir sind das Spiel – Mehr Einfluss auf Spieleinhalte

Das Social-Web kommt 2013 mit aller Macht im Spiel an. Der Einfluss der Spieler wird weiter wachsen. Über interaktive Plattformen wie Greenlight oder Kickstarter bestimmen wir User heute selbst, welche Projekte realisiert werden und welche nicht. Ein Trend, der sich 2013 ganz sicher fortsetzten wird.

Durch immer detailliertere Umfragen seitens der Publisher wächst aber auch unsere Teilhabe an der Entwicklung großer AAA-Franchises wie „Assassin´s Creed“. Den Herstellern dient die Ermittlung des dominierenden Massengeschmacks der Risikominimierung, die Spieler wiederum schätzen die Nähe zu ihrem Lieblingsspiel.

Eine „Win-Win“-Situation für alle Beteiligten also? Mag sein. Doch die Zunahme unserer Einflussmöglichkeiten trägt mitunter auch sehr fragwürdige Früchte. Vergangenes Jahr zeigte das Beispiel „Mass Effect 3“: Wenn sich ein Großteil der Käufer mit dem Inhalt unzufrieden zeigt, werden sogar bereits erschienene Spiele den Wünschen der Spieler entsprechend rearrangiert. Da wird die künstlerische Vision der Entwickler schon mal zur Nebensache – der interaktive Kunde ist immerhin König.

Das Ende der Mittelschicht

Zwischen Blockbuster und Indie-Games wird die Luft dünner. Die Mitte schrumpft. Während Megaseller à la „Black Ops 2“ und „Assassin´s Creed 3“ einen Rekord nach dem anderen brechen und auch der Indie-Markt in einer nie dagewesenen Weise erblüht, wird es für Spiele mit einem mittelgroßem Budget immer schwerer, überhaupt noch eine Käuferschaft zu finden. Das tragische Ende des Publishers THQ zu Beginn dieses Jahres steht exemplarisch für diese Entwicklung.

Spiele wie „Darksiders 2“, “Prototype 2“, “Sleeping Dogs“ oder „Kingdoms of Amalur: Reckoning“ stellen für Publisher nur noch ein großes Investitionsrisiko dar. „Darksiders 2“ ging schätzungsweise 1.5 Millionen Mal über die Ladentheke. Offenbar ist das nicht genug, um ein Projekt dieser Größenordnung profitabel zu machen.

Deshalb werden sie die großen Publisher auch 2013 zunehmend aus der erodierenden Mittelschicht zurückziehen. Die eiskalte Logik hinter dieser Entscheidung erklärte uns 2012 „Assassin´s Creed 3“ Creative Director Alex Hutchinson in einem Interview: »Niemand geht los und macht einen Star Wars-Konkurrenten für 50 $ im Filmgeschäft. Wir haben viel Zeit damit verbracht, Shooter zu produzieren, die es mit einem Call of Duty aufnehmen sollten und hatten dafür lediglich 4% von dessen Budget zur Verfügung«. Diese Zeiten sind nun offenbar vorbei.

Die soziale Blase platzt – Das mobile Spielen gewinnt

Was Anfang 2012 noch als kurze Wachstumsstörung abgetan wurde, weitete sich im Laufe des Jahres zu einer handfesten Branchenkrise aus. Die Goldgräberstimmung rund um die Social Games ist offiziell vorbei.

Unternehmen wie Zynga, Playdom, Bigpoint und EA zahlten für ihre Abhängigkeit von Facebook eine sehr hohe Rechnung. Nachdem Facebook seine Benachrichtigungsrichtlinien änderte, ging das virale Konzept vieler Social Games einfach nicht länger auf. Hinzu kommt ein dicker Knick im Modetrend an sich. Die zweite und dritte Welle der Facebook-Spiele nach der Generation FarmVille und Mafia Wars konnte nicht an den Erfolg der Pionierphase anschließen.

Die Folge: Die Aktien der Social Games-Hersteller schwirrten in den Keller, etliche Projekte wurden wieder eingestellt und hunderte Mitarbeiter wurden entlassen. Aus den Wunderkindern von morgen sind angeschlagene Riesen von gestern geworden. Und das innerhalb nur eines Jahres.

Was tun? Der Aufbau von eigenständigen Spiele-Plattformen scheint nicht den gewünschten Erfolg zu bringen. Wohin also mit all den investierten Millionen, all den neu gegründeten Entwicklerstudio?

Die Antwort ist längst gefunden: Mobile Gaming ist das neue Social Gaming. 2013 werden wir einen Boom auf dem mobilen Markt erleben. Die Social Games-Hersteller folgen den Nutzern einfach auf das Smartphone, denn dorthin hat es viele Gelegenheitsspieler verschlagen. Facebook wird zunehmend mobil genutzt und das hat Folgen für den gesamten Casual-Markt.

Spiele als Gemischtwarenladen

Wie erklärt sich eigentlich der phänomenale Erfolg der Open-World-Reihen „GTA“ und „Assassin´s Creed“? Lag es an ihren Hauptfiguren, am Setting, vielleicht der Erzählung, dem speziellem Stil oder gar an der Grafik? Alles möglich, doch was wenn sich diese Erfolgsmodelle vor allem über ihr breit aufgestelltes Spielprinzip erklären. Immerhin definieren große spielerische Freiheiten und die radikale Mischung unterschiedlichster Genres beide Titel in gleichem Maße.

Die breite Masse mag offenbar Spiele, die viel können, die eigentlich alles im Programmcode haben, was irgendwann irgendwo schon einmal Spaß gemacht hat. Vom schnellen Faust- oder Fechtkampf zum rasanten Schusswechsel, rüber zur Kletterpartie mit anschließender Verfolgungsjagd zu Luft, zu Wasser oder zu Panzer. Und wer mal keine Lust mehr hat, der beschäftigt sich vielleicht noch etwas mit einem der zahlreichen Minispielchen, geht ein bisschen craften oder zockt eine Partie im Multiplayer. Je mehr unterschiedliche Spielmechaniken, desto besser? Offenbar schon.

Big-Budget-Spiele bekommen zunehmend die Gestalt von Alleskönnern. Natürlich wird es auch 2013 wieder Ausnahmen aus dieser Regel geben, doch der Trend ist schwer von der Hand zu weisen. Spiele wie „Assassin´s Creed 3“, „Far Cry 3“ und bald auch „GTA 5“ suchen mit aller Macht die totale Abwechslung. Das kann man nun finden wie man will – interessant ist jedoch, dass sich diese Spiele in ihrem Streben nach Vielfältigkeit ironischerweise immer ähnlicher werden.

Teil zwei zu den wichtigsten Spiele-Trends 2013 folgt in Kürze. Bis dahin wollen wir natürlich wissen, was ihr von den hier benannten Trends haltet.

 

Weitere Themen: Rockstar Games


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