Spiele-Trends 2013: Viel Sex, große Versprechungen, kleine Konsolen und alles umsonst

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Was kommt 2013 auf uns zu? In der Kurzfassung: Viel Sex, große Versprechungen, kleine Konsolen und jede Menge Geschenke. Klingt doch super oder etwa nicht? Ob wir uns tatsächlich auf das Spielejahr 2013 freuen können, verrät Teil zwei unseres Trend-Reports. Wir beleuchten die wichtigsten Entwicklungen in der Branche und möchten mit euch darüber diskutieren. Wer Teil eins verpasst hat, kann das jetzt schnell noch nachholen.

Spiele-Trends 2013: Viel Sex, große Versprechungen, kleine Konsolen und alles umsonst

Let´s talk about Sex, Baby! Über Sexismus wird zu reden sein

Bitte was? Bevor die Herren jetzt mit einem Kopfschütteln oder einem schlechten Witz direkt zum nächsten Trend springen – lasst mich erklären. An dieser Debatte kommt 2013 niemand vorbei. Darauf gehe ich jede Wette ein.

Seit der Pong-Steinzeit waren Games immer fest in Männerhänden. Das bedeutet: Es sind männliche Fantasien, die unsere Spiele seit jeher prägen, Spiele werden aus einer männlichen Perspektive inszeniert und es sind Männer, die Spiele produzierten. Diese Zeiten sind vorbei.

Erstens: Fast jeder zweite Gamer ist heute eine Frau. Zweitens: Immer mehr Frauen arbeiten in der Branche. Frauen wie Amy Hennig (hat die Story von „Uncharted 1&2“ geschrieben), Kellee Santiago (hat „Journey“ produziert und mitentwickelt), Kim Swift (maßgeblich verantwortlich für die Awesomeness in  „Half Life 2“, „Left 4 Dead“, „Portal“, „Quantum Conundrum“) oder Alyssa Finley (“BioShock“-Reihe, “XCOM“) und Jade Raymond („Assassin´s Creed“).

Da immer mehr Frauen spielen und immer mehr Frauen Spiele entwickeln, produzieren und vermarkten, wird es in Zukunft auch immer häufiger zu Diskussionen um das Thema Sexismus und Games kommen, denn trotz dieser Verschiebung hat sich in den Spielen und der Branche selbst bisher kaum etwas getan. Und das sorgt für Konflikte.

Im englischsprachigen Raum ist diese Debatte schon längst entbrannt. Deutschland braucht mal wieder etwas länger. Lange vor der #Aufschrei-Diskussion kam es unter #1reasonwhy zu einem aufsehenerregenden Austausch über die Arbeitssituationen von Frauen in der Games-Industrie. Die sind denkbar schlecht und in der der Regel von unfairen Einstiegshürden, üblen Vorurteilen und natürlich blankem Sexismus geprägt.

Doch auch die Spiele-Inhalte geraten zunehmend in die Kritik. Mit der heftigen Kritik an „Tomb Raider“ oder „Hitman Absolution“, dem Vorstoß vom „Halo 4“-Entwickler 343 Industries oder dem Eklat um den „Schwulen Planeten“ seien hier nur einige Diskussionen genannt, die 2012 das Thema Sexismus berührten. Daran wird sich 2013 nichts ändern. Im Gegenteil. Über dieses Thema werden wir 2013 sehr viel reden. Versprochen!

Von wegen Next-Gen – 2013 wird das Jahr der Mikro-Konsolen 

Still und heimlich haben sich die minimalistischen Emporkömmlinge Ouya, Shield, Piston, Game Stick und natürlich die Steam Box zu einem komplett neuen Markt verschworen. Das Zeitalter der Minikonsolen hat begonnen.

Mit vergleichsweise niedrigen Herstellungspreisen, der Zugänglichkeit von Mobile Apps und einem stetig wachsendem Indie-Markt hinter sich, wollen sie 2013 unsere Wohnzimmer erobern. Und das könnte tatsächlich funktionieren. Nehmen wir das Beispiel Ouya. Mit nur 99 Dollar ist die Android-basierte Spiele-Konsole inklusive Gamepad ein echtes Schnäppchen. Die Leistung vom Tegra-3-Chip ist zudem von der aktuellen Xbox 360-Power nicht weit entfernt. Hinzu kommen die viel beachtete Offenheit und das Free-2-Play-Profil der Mikro-Konsole. Das sind viele gute Argumente für den Erfolg von Ouya.

Valve hat mit der Steam Box hingegen schon jetzt eine millionenschwere Spieler-Community, einen ziemlich guten Ruf und die Ideen von zahlreichen externen Hardware-Herstellern. Gemeinsam mit dem Big Picture Mode wird uns Newell sicher ein attraktives Paket schnüren. Natürlich haben auch Piston, Shield und Gamestick eine faire Chance, auf dem Gaming-Markt ihre Zielgruppe zu finden.

Wird 2013 also das Jahr der Mikro-Konsolen? Das hängt von den Spielen selbst ab. Noch zitieren die Kritiker der neuen Kleinen vor allem die dürftige Qualität der Games im iOS, Android und Free-2-Play-Markt. Viel Masse – wenig Klasse, so das vernichtende Urteil. Ohne ein „GTA“ oder „Uncharted“ verkauft sich keine Konsole. Vielleicht. Doch was ist mit Spielen wie „The Walking Dead“, „Journey“ oder „Hotline Miami“? Alles fantastische Spiele, die prima auf den neuen Mini-Geräten laufen würden. Vielleicht wächst hier also eine neue Generation von Exklusivtiteln an.

Crowdfunding – Können Kickstarter & Co ihr großes Versprechen halten?

In der Rückschau ist das Phänomen Kickstarter schon fast ein bisschen unwirklich. Kaum zu glauben, wie schnell das Prinzip der Schwarmfinanzierung die komplette Spielebranche vom Kopf auf die Füße gestellt hat. Der Begriff der Revolution wird von uns Games-Redakteuren ja gerne mal überstrapaziert – hier passt er ausnahmsweise mal.

Uns fallen aus dem Stand mindestens zwanzig Kickstarter-Games ein, die wir unbedingt und sofort zocken wollen. Es sind Titel wie „Star Citzien“, „Shadowrun Online“ „Double Fine Adventure“ oder „Giana Sisters“. Alles vielversprechende Projekt, die traditionell produzierten und von einem profitorientierten Publisher vertriebenen Spielen in nichts nachstehen.

Im Gegenteil! Die nerdige Leidenschaft, die die meisten Crowdfunding-Entwickler für ihre Herz-Projekte aufbringen, ihr Traum, ein Spiel endlich einmal unabhängig von gängigen Marktkonventionen nur für dessen Fans und nicht für die breite Masse zu produzieren – das sind Dinge, die uns ein Blockbuster von der Stange niemals geben kann.

Doch Vorsicht! Noch kann es ein böses Erwachen aus der großen Traummaschine Crowdfunding geben. Erst wenn die Spiele für sich gesprochen haben, werden wir wissen, ob 2013 tatsächlich ein Traum in Erfüllung geht. Als der Trend schlechthin ist Crowdfunding hingegen schon mal gesetzt.

Free-2-Play definiert den Markt und erreicht die Konsolen

Im Januar 2012 hatte ich das Ende der Abo-Ära an anderer Stelle bereits eingeläutet – und dafür noch mächtig Gegenwind bekommen. Ein Jahr später scheint die Sache so klar wie Kloßbrühe.

Langsam aber sicher ist die Flut von „Spiel X ist jetzt Free-2-Play“-Meldungen verebbt, denn es gibt kaum noch Spiele, die am klassischen Abo-Geschäftsmodell festhalten. Mit „Star Wars: The Old Republic“ und „The Secret World“ verließen die letzten großen Vertreter der Abo-Ära das sinkende Schiff. Die Sonderlinge „WoW“ und „EVE Online“ einmal ausgenommen. Also noch einmal zum Mitschreiben: Abo-Gebühren = Vergangenheit, Free-2-Play und Freemium = Zukunft.

Im Umkehrschluss bedeutet das für das Spiele-Jahr 2013 natürlich, dass das Gratis-Geschäftsmodell den Markt noch mehr definieren wird und diese Form der Monetarisierung neue Früchte in neuen Bereichen tragen wird. Hochwertige Titel wie „PlanetSide 2“ gehen in Zukunft sofort kostenlos an den Start, Mikro-Transaktionen in Big-Budget-Spielen wie zuletzt in „Dead Space 3“ werden Schule machen und vielleicht auch in den ganz Großen – Hallo „Battlefield 4“ – nach zahlungswilliger Kundschaft suchen.

Worüber im Moment noch niemand spricht, sind Free-2-Play-Spiele auf Konsolen. Sollten wir aber, denn das ist ein Trend mit dem 2013 ganz sicher zu rechnen ist.

Weitere Themen: Rockstar Games


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