GTA 5 - Der finale Test: Alte Größe, neuer Spaß!

Thomas Goik

GTA 5 ist keine Revolution. Neuerungen finden sich vor allem im Detail, die meisten Features sind aus vorherigen GTA-Teilen bereits bekannt. Es erzählt keine große, dramatische Geschichte, deren Ausgang mich bis zum Ende an den Bildschirm fesselt. Die KI bietet mir keine komplexen Herausforderungen und die Framerate ist geradeso akzeptabel. Klingt deprimierend, oder?

Nach „GTA 4“ war mein unumstößliches Vertrauen in Rockstars Open-World-Künste erschüttert. Eintöniges Missionsdesign überschattete die gute Story, die ständigen Handy-Anrufe von Nikos Freunden nervten und überhaupt wirkte der Titel auf spielerischer Ebene trotz der tollen Spielwelt wie ein Rückschritt. Kritikern und Spielern schien das damals egal zu sein – das Spiel erntete Traumwertungen.

GTA 5 Test: Going Home

Jetzt – fünf Jahre später – erscheint „GTA 5“ mit oben genannten Schwächen. Auf dem Papier mögen diese Mängel vernichtend wirken, in der Praxis sind sie teilweise kaum spürbar. Rockstar mag zwar einige Fehler der Serie wiederholen, aus dem wichtigsten Fehlschlag von Teil 4 haben sie aber gelernt: Das Missionsdesign ist endlich wieder großartig!

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GTA 5 Test-Tagebuch - Teil 1
Ja, die KI ist nicht die Beste – Passanten und Autofahrer verhalten sich teilweise äußerst dubios, was oft zu unfreiwillig komischen Situationen führt. In Gefechten gleicht der Feind seine mangelnde Intelligenz schlicht durch Masse aus. Schwer werden die Schusswechsel trotzdem nie, stattdessen wirkt es so, als ob man sich immer überlegen fühlen soll – das macht Spaß, vor allem weil das Trefferfeedback dank Euphoria-Engine immer noch hervorragend ist. Für das nächste GTA wird eine KI-Überarbeitung aber überfällig – das Gegnerverhalten sollte sich nicht auf eine einzelne Cover-Routine beschränken.

Ja, der Geschichte fehlt dramatisches Gewicht – so spannend wie Nikos geplatzte Vision des amerikanischen Traums ist „GTA 5“ nicht. Dafür ist es aber deutlich witziger. Trevor, Franklin und Michael passen so überhaupt nicht zusammen, was zu zahllosen urkomischen Situationen führt. Der ganze Ton des Spiels scheint in direktem Kontrast zur eher finsteren Depri-Atmosphäre von „GTA 4“ entstanden zu sein. In Los Santos geht es zwar immer noch um gescheiterte Existenzen und unerfüllte Träume – aber auch um den Spaß dabei. Gerade gegen Ende der Story von „GTA 5“ wird klar, wie wenig sich das Spiel überhaupt ernst nimmt. Umso auffallender sind dann die wenigen, kalkulierten Schocker innerhalb der Kampagne.

GTA 5 Autos: Diese Supersportwagen dürfen in keiner Garage fehlen

Liebe zum Detail

Was sonst noch alles Spaß macht in „GTA 5“, habe ich bereits in meinem dreiteiligen Test-Tagebuch erläutert – viele Elemente des Spiels sollen unerwähnt bleiben, denn Rockstar hat so einige Überraschungen parat, die man sich besser nicht spoilert. Diesen letzten, finalen Test nutze ich deshalb dazu, all die Kleinigkeiten zu nennen, die aus dem ohnehin schon sehr guten Trip nach Los Santos ein großartiges Erlebnis machen. Die Liebe zum Detail ist es schließlich, die Rockstars launige Rückkehr zu alter Größe und Gelassenheit so verdammt gut macht.

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GTA 5 Test-Tagebuch Teil 2
Da wären Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass ich bei manchen Autos das Dach einfahren kann. Dass sich die Intros zu einigen Missionen ändern, je nachdem, mit welchem Charakter man sie beginnt. Dass Trevor, Michael und Franklin gerade in einer Alltagssituation stecken, wenn ich von einen auf den anderen Charakter wechsele. Dass ich allen Dreien dicke Bärte geben kann, um das haarige Triumvirat des Chaos zu bilden. Dass mitten auf der Straße eine Schießerei zwischen Gangs ausbricht und ich einfach einschreiten und alle umnieten kann. Dass Passanten, die mich bei einem Verbrechen beobachten, selbst zur Tat schreiten und mich etwa mit Anlauf und Karacho überfahren wollen.

Oder die Radiosender, die jedes halbwegs große Ereignis aufgreifen, gefühlt noch öfter als in GTA 4. Tiere bevölkern jetzt endlich die Welt von San Andreas, ob Hunde in der Stadt oder Kojoten und Hirsche im Umland – Jagdmissionen inklusive. Ich liebe außerdem die ganzen Anspielungen nicht nur an Filme, sondern auch an alte GTA-Teile wie Vice City oder The Lost and Damned. In einer Nebenmission habe ich sogar einen Charakter aus Teil 4 getroffen und konnte ihn fortan bei Überfällen mit einplanen.

Dialoge und Situation ändern sich, je nachdem, wie man das Spiel spielt – etwa bei Michaels Psychologen. So entstehen viele kleine Entscheidungen, die man gar nicht als solche wahrnimmt, die dann aber trotzdem vom Spiel aufgegriffen werden. Es gibt so viele Details, die Los Santos und seine Bewohner so glaubwürdig machen. Wie etwa Autofahrer, die mir den Mittelfinger zeigen, wenn ich sie anremple. Oder die Lifeinvader- und Bleeter-Seiten diverser Charakter im Internet, die auf wenig subtile, aber trotzdem charmante Art Facebook und Twitter parodieren.

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Testtagebuchteil3 Version2
Wenn ich meinen Wagen in einer der Garagen aufrüste, kann es passieren, dass Passanten daran vorbeilaufen, stehen bleiben und staunend Fotos von der Kiste machen, weil sie so beeindruckend ist – Generell schießen Passanten oft Fotos mit ihren Handys, wenn irgendetwas cooles passiert. Ich könnte ewig so weiter machen – mach ich aber nicht! Schließlich sollt ihr eben diese Detailverliebtheit seitens Rockstar selbst erleben. Ich gehe jetzt weiter auf Bigfoot-Jagd…

Fazit:

GTA 5 ist atemberaubend in seiner Lebendigkeit. Es ist schon eine Kunst, mich immer wieder – selbst nach über 40 Stunden phänomenal spaßiger Spielzeit – zu überraschen mit kleinen Details, die ich neu entdecke. Dafür – und für seine hervorragend inszenierten und abwechslungsreichen Missionen, seine drei ungleichen Hauptcharaktere, seinen Humor, seine Welt, seine Dialoge – liebe ich dieses Spiel. An Los Santos werden sich künftige Spielwelten messen müssen.

Unsere Wertungsphilosophie 

Wertung

10/10
Getestet von Thomas

Der Hype stimmt: GTA 5 ist ein Meisterwerk!

Weitere Themen: GTA, Rockstar Games

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