Guild Wars 2 Vorab-Test – Krieg der Welten

von

Es hat doch etwas sehr erfrischendes, sich ahnungslos in ein riesiges Online-Rollenspiel zu stürzen. Ich habe weder das erste „Guild Wars“ gespielt, noch mich großartig mit Teil 2 auseinander gesetzt. Das gibt ArenaNets MMO-Heilbringer „Guild Wars 2“ natürlich eine großartige Gelegenheit: Mich zu überraschen. Ob das dem ambitionierten Online-Epos gelungen ist, erfahrt ihr jetzt.

Drei Tage vor dem Launch am heutigen Dienstag ging es los: Die Server öffneten ihre Pforten und wurden erwartungsgemäß geflutet und teils lahmgelegt. Einloggen war nicht, diverse Fan-Foren und die offizielle Facebook-Seite von „Guild Wars“ liefen heiß. So ist das nun mal, dachte ich mir und verschob meinen Spielstart auf den Abend.

Nach einer kleinen Session „Diablo 3“ und ein paar Folgen „Castle“ ging es dann endlich: Direkt stand ich vor Entscheidung Nummero Uno. Welchen Server soll ich wählen? Diese Frage ist in „Guild Wars“ weit wichtiger als in anderen Vertretern des Genres, denn hier kämpfen Welten gegeneinander. Im „World vs. World“ treten die verschiedenen Server gegeneinander an und kämpfen um die Vorherrschaft auf vier riesigen Gebieten. Doch dazu später – meine Wahl fiel auf den deutschen Realm Drakkar-See. Noch ist der Serverwechsel übrigens kostenlos, später wird man dafür zahlen müssen – schließlich müssen hinterhältige Überläufer so gut es geht vermieden werden.

Dann Entscheidung Nummer 2: Welche Rasse und welche Klasse werde ich spielen? Da gibt es so illustre Wesen wie die Charr, gehörnte Bestien, die äußerst bedrohlich dreinblicken. Es sei denn man wählt als Klasse den Mesmer, der in seinem lila-Startgewand den pelzigen Gesellen jeglicher Anmut beraubt. Dann wären da noch die Kobold-ähnlichen Asura, die Menschen, die etwas größeren Menschen (aka Norn) und die Sylvari, Baum-Wesen, die tatsächlich aus Rinde und Blättern bestehen.

Ich bin es zunächst klassisch angegangen und wählte einen Norn Krieger – anschließend galt es noch, die persönliche Geschichte zu bestimmen. Dazu müssen einige Fragen beantwortet werden, etwa aus welchem Hintergrund man stammt oder welche Götter man anbetet. Ist das alles geschafft fehlt nur noch der Name und die Reise kann losgehen.

Sowie die ersten Schritte hinter mir lagen, wurde mir einiges klar. „Guild Wars 2“ ist viel mehr Evolution denn Revolution. Grundlegende Spielmechaniken werden hier weder umgekippt noch erfunden, stattdessen werden sie weiterentwickelt und ergänzt. Klassische Quests gibt es nicht – dafür schon mal einen dicken Pluspunkt. Die Gefallen, denen man NPCs tun muss, fühlen sich mehr an wie Public Quests aus „Warhammer Online“ oder die Events aus „Rift“.

Die Aufgabe muss nämlich nicht angenommen werden – ich näherte mich etwa einem Bauernhof und schon ploppte oben rechts eine Anzeige auf, die mir sagte, wie ich dem Bauern helfen kann. Nachdem ich ein paar Felder bewässert und Nutztiere gefüttert habe – so wie es zahlreiche andere Spieler um mich herum taten – füllte sich eine Leiste. Ist sie gefüllt, so gilt die Quest als abgeschlossen und der NPC bietet mir seine Waren an. Doch bevor es überhaupt dazu kam, brachen plötzlich haufenweise Riesenwürmer aus dem Boden und griffen den Hof an, inklusive haushohem Bosswurm am Schluss.

Diese Art Event gibt es überall auf der Welt – zusammen mit den quasi-öffentlichen Quests machen sie den PVE-Teil von „Guild Wars 2“ sehr dynamisch. Es macht einfach Spaß. Hinzu kommen Aussichtspunkte à la „Assassin's Creed“, die es zu erklimmen gilt, Orte, die man entdecken soll und so weiter – wie viel man davon erledigt hat wird  stets in einer Statistik erfasst. Achievements gibt's auch. Da wurde mir schnell klar: Hier gibt es unglaublich viel zu tun, vor allem, wenn ich mir die schiere Größe der Karte anschaue.

Nach der Erkundung des ersten großen Gebiets und diversen Story-Quests habe ich Level 10 erreicht. Das Kampfsystem, bei dem sich die Fähigkeiten nach der ausgerüsteten Waffe richten, ist verinnerlicht, erste Skillpunkte sind verteilt und auf dem großen Platz der ersten Stadt habe ich auch schon getanzt. Zeit für das PvP!

Erst nachdem ich auf das „World vs. World“-Fenster am oberen Bildschirmrand geklickt und das Schlachtfeld betreten hatte, wurde mir die Größe und potentielle Langzeitmotivation von „Guild Wars 2“ bewusst. Drei Welten, also drei Server, kämpfen um diverse Gebiete, um Flaggen, Türme und Festungen, um Artefakte und Ressourcen. Nach einer kurzen Erklärung eines hilfreichen NPCs habe ich mich zusammen mit einer großen Gruppe von Spielern aufgemacht, eine Burg zu stürmen.

Unser erster Versuch, das Tor mit einer Ramme zu zerstören, wurde von den Spielern des Servers Abaddons-Mund vereitelt – die Schweine! Unsere Vergeltung kam sogleich, die zweite Welle durchbrach das Tor im Handumdrehen. Sobald der Weg zur Feste geebnet war, lief alles wie am Schnürchen. Einzelne Mitglieder der Opposition wurden unter unseren Stiefeln zertrampelt, wenige Minuten später gehört die Burg Drakkar-See.

„Guild Wars 2“ schafft es in diesen Momenten gut, mir das Gefühl zu vermitteln, Teil eines großen Ganzen zu sein. Nachdem ich nun ein paar Schlachten mit meinen Server-Kollegen geschlagen habe, empfinde ich so etwas wie Loyalität und Zugehörigkeit. Drakkar-See ist jetzt nicht mehr einfach nur ein Server, nein, es ist mein Server, meine virtuelle Heimat in „Guild Wars 2“, die ich so gut es geht vertreten werde.

Zwischen all diesen positiven Eindrücken gibt es aber auch ein paar Nervereien: Da die Server gerade stark überlastet sind, werden von Gebieten zusätzliche Instanzen (also Kopien) erstellt – im Spiel „Überlauf“ genannt. Dort spielt man dann so lange, bis genug Platz auf dem eigenen Server geschaffen wurde. Dumm nur, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, in das Gebiet eines Gruppenmitglieds zu wechseln. Zwar existiert die Option, sich in den Überlauf des Freundes teleportieren zu lassen, irgendwie funktioniert das aber nur in 10% aller Fälle.

Fazit:

Nach diesen ersten Tagen hat mich „Guild Wars 2“ tatsächlich überrascht. Die Story-Quests und PvE-Gebiete machen Spaß und die Welt ist stimmig. Die Krönung ist jedoch das PvP – ganze Welten aufeinander treffen zu lassen zwingt zwar meinen Rechner in die Knie, macht aber unheimlich Laune. Nach dem Ersteindruck bekommt „Guild Wars 2“ von mir also einen dicken Daumen nach oben – ob es auch dabei bleibt, zeigt dann der Langzeittest.

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.

Weitere Themen: gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, NCSoft

Klassen

  • von Maurice Urban

    Ende letzten Monats veröffentlichte NCsoft zusammen mit Arena Net Guild Wars 2 und die Nachfrage war wie erwartet groß – zum Launch mussten sich die Spieler mal wieder auf überforderte Server einstellen. Jetzt gab man erste Verkaufszahlen bekannt.


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

Anzeige
GIGA Marktplatz