Heavy Rain – Move Edition Test – Wie gut ist Heavy Rain – Move Edition wirklich?

Ein neue Edition des interaktiven Thrillers „Heavy Rain“ ermöglicht neben der traditionellen Spielweise, nun auch die Benutzung von Sonys “Playstation Move“ Controllern. Ist das die Zukunft des Videospiels? Im Bereich der Steuerung und des Interface beschritten die Entwickler von “Quantic Dreams” bereits in der Originalfassung von „Heavy Rain“ recht ungewöhnliche Wege.

Das selbst gesteckte Ziel war es, die seit jeher bestehende Lücke zwischen dem Spieler und seinem virtuellen Akteur etwas weniger sichtbar werden zu lassen. Um dies zu erreichen, ließ man die Spieler unkonventionelle Bewegungen an den Gamepads ausführen. So sollte man sich der Körperlichkeit der Protagonisten von „Heavy Rain“ näher fühlen. Eine komplette Neuauflage der Bedienungsmethoden von „Heavy Rain“ auf der Grundlage von „Playstation Move“ macht also nicht nur Sinn – sie bietet sich förmlich an. Bleibt die Frage: Wird das Spiel dadurch auch besser?

Zum Thema: So könnt ihr Heavy Rain am PC spielen

Über das neuartige „Move“ Bedienungssystem von „Heavy Rain“ zu schreiben, ist ein bisschen so, als würde man den Schrifttyp der iPad-Version von Melvilles „Moby Dick“ rezensieren. Die Geschichte von Ahab und dem weißen Wal bleibt auf immer und ewig eine sehr gute Erzählung – daran wird auch das iPad nichts ändern. Mit „Heavy Rain“ ist es nicht anders. Die komplexe und höchst versiert erzählte Geschichte um den „Origami-Killer“ ist eine verdammt gute. Sie ist es, die das Spiel zu etwas Besonderen macht. Ihre Charaktere, ihre Atmosphäre und die Art und Weise wie sie erzählt wird – darum geht es in „Heavy Rain“ und auch “Playstation Move“ wird daran nichts ändern.

Heavy_Rain_Test

Allerdings; die wirklich besonderen Momente erschuf „Heavy Rain“, immer dann, wenn es spielerisch Nähe zu den Figuren herstellte. Man merkt, dass sich die Entwickler sehr viel Mühe gemacht haben, um eine ganz neue Form der Nähe zu den handelnden Charakteren herzustellen. Belanglose Tätigkeiten -  wie einen Tisch zu decken, wurden so zu einem echten Ereignis, weil diese Tätigkeiten – wie im echten Leben eben auch – oft mehr sind. Sie sind überlagert mit Gefühlen und Gedanken. Wenn wir als traumatisierter Vater “Ethan” in “Heavy Rain” unser verunsichertes Kind auf der Schaukel anstoßen, dann darf nichts schief gehen, denn wir haben Angst, ein Fehler könnte die Stimmung ruinieren. Auch das simple Überqueren eines vollen Bahnhofplatzes wird auf diese Weise dramatisch, weil wir die Figur „Ethan“ zuvor kennengelernt haben, weil wir verstehen, warum diese Schritte ihr so unglaublich schwerfallen, weil wir es nachempfinden können. Dieses Nachempfinden nicht nur emotional, sondern auch praktisch-körperlich zu erreichen – das ist etwas, das man mit Sonys „Move“ System tatsächlich verbessern könnte.

Wie funktioniert das Ganze?

Über den „Motion Controller“ (das ist das Ding mit der leuchtenden Kugel) steuert man die Kopfbewegung des jeweiligen Protagonisten. Das ist jedoch aufgrund der stets gelungenen Kameraführung und der Möglichkeit, diese per Knopfdruck zu ändern, aber schnell überflüssig. Tatsächlich wirkt „Heavy Rain“ über das Weglassen dieser Funktion sogar etwas besser – sprich filmischer. Ganz anders hingegen die Interaktionstaste. Wird diese gedrückt gehalten – erkennt das Spiel die dann folgende Handbewegung. Die Herausforderung besteht nun darin, exakt die richtige Bewegung zu vollziehen. Sitzt die gesteuerte Figur also gerade, muss eine Bewegung nach oben durchgeführt werden. Soll sie eine Schublade öffnen, zieht man den Controller zu sich.  Dreht man einen Schlüssel, wird auch der Controller gedreht usw. Hinzu kommen komplexere Bewegungen, die eine bestimmte Geschwindigkeit voraussetzen oder aus ganzen Tastenkombinationen bestehen.

Was uns nervt:

So weit so gut und sinnvoll. Leider sitzt die „Heavy Rain – Move Edition“ zwischen den Stühlen des alten und neuen Bedienungssystems. Aufstehen, Türöffnen, Geben, Nehmen, Ducken, Schlagen – alles Bewegungen die man mit „Move“ prinzipiell einfach nur MACHEN muss, damit sie von der Hardware erkannt werden. Den Entwicklern gelingt es aber nicht dieses System in „Heavy Rain“ gewinnbringend einzusetzen. Mit gewinnbringend ist hier der oben dargestellte Mehrwert der „Nähe“ zur virtuellen Figur gemeint. Anstatt uns in die Körper der Figuren schlüpfen zu lassen, macht „Heavy Rain – Move Edition“ alles viel zu kompliziert: Wer aufstehen möchte, muss eine Bewegung machen, die nicht nur eingeblendet wird – ein klarer Nachteil bei einem interaktiven Filmerlebnis, sondern auch rein gar nichts mit dem Aufstehen an sich zu tun hat (Knopf drücken und „Motion Controller“ senkrecht nach oben bewegen). So besteht die eigentliche Herausforderung zu Beginn des Spiels darin, schnell zu begreifen, welche der knapp sechs Bewegungstypen von uns verlangt werden. Hier macht man automatisch viele Fehler, der Einstieg ist so leider etwas holpriger als das Original geraten.

Da „Heavy Rain“ aber genug Atmosphäre für zehn Spiele hat, bleibt das Erlebnis noch ausgewogen. Später hat man das System gemeistert und weiß, was von einem erwartet wird. Doch hier hat man längst begriffen, dass es sich eben nur um eine bestimmte Anzahl von Eingabemöglichkeiten handelt, die zur richtigen Zeit angebracht werden wollen. Allerdings bleibt ein gewisser Fehlerquotient bestehen, was leider auf die Technik zurückzuführen ist.

Was uns gefällt:

Große Ausnahme sind die Kampfsequenzen. Hier ist „Heavy Rain – Move Edition“ deutlich  intensiver. Sie bestehen zwar weiterhin aus Tasten-Abfolgen und Richtungseingaben – doch einen ankommenden Schlag, mit einer tatsächlichen Bewegung abzuwehren, erhöht den dramatischen Wert dieser Szenen ungemein.Das hätte man sich auch vom Rest der „Move“ Portierung gewünscht.

Fazit:

Kaum auszudenken, was für ein Spiel „Heavy Rain“ geworden wäre, wenn es von Anfang an auf „Move“ programmiert worden wäre. So bleibt das unglaublich packende und emotional ergreifende Interaktionskino, das „Heavy Rain“, nur ein sehr gutes Spiel der Gegenwart. Die Zukunft des Videospiels hat begonnen – jetzt muss sie nur noch genutzt werden.

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