Homefront - Test: Frischer Wind im Shooter-Alltag

Tobias Heidemann
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Es ist ein Szenario, so alltäglich wie eine Alieninvasion. Nein, eher wie der Fund eines jahrelang versteckten Unterwasser-Eden, in dem ein Schneckengift den totalen gesellschaftlichen Kollaps auslöst. Oder eher wie ein Massaker auf dem Mars, wo unvorsichtige Wissenschaftler das Tor zur Hölle geöffnet haben. Wenn in "Homefront" also plötzlich Korea zur Weltmacht aufsteigt und in den USA einreitet, dann ist das nicht unlogisch, sondern purer Shooter-Alltag.

Homefront - Test: Frischer Wind im Shooter-Alltag

Gut, gut. Man verzeihe uns bitte den leicht sarkastischen Unterton im vorangegangenen Einleitungstext. Denn um das mal gleich vorwegzunehmen: Trotz aller Fantasterei mögen wir das “Homefront”-Szenario. Es ist erfrischend zur Abwechslung mal nicht durch einen der Weltkriege gehetzt oder auf einen fremden Planeten geschossen zu werden. “Homefront” verdreht den aktuellen global-politischen Status Quo zwar stark ins Verquere, aber dass es überhaupt einen Titel gibt, der sich in derartige Gefilde begibt, ist mehr als begrüßenswert.

Vor allem verankern die Kaos Studios ihre Geschichte in einem realistischen Fundament. Das Intro führt in die fiktiven historischen Rahmen ein, im Spiel halten uns Flugblätter und Nachrichtensprecher über das Geschehen auf dem Laufenden. Dieser Krieg fühlt sich echt an – wenn es irgendwann eine koreanische Weltinvasion gäbe, sie würde sich wahrscheinlich genau so abspielen. Zu verdanken haben wir diese Story übrigens John Milius, der bereits an “Apocalypse Now”, “Conan” und “Red Dawn” mitgeschrieben hat.

Wenn ihr die “Homefront”-Kampagne durchgespielt habt, habt ihr den Krieg nicht mal eben im Alleingang beendet, sondern lediglich einen Teil eines viel größeren Feldzuges erlebt. Hier sind wir nicht der omnipotente Über-Rambo, sondern ein kleines Zahnrad innerhalb eines gigantischen Uhrwerkes. In den Missionen kracht es in der Ferne, Flieger zischen über uns hinweg, oftmals blicken wir aus erhobener Position auf entfernte Kriegsschauplätze.


All dies sind Momente, die ihrerseits kleine Geschichten am Rande erzählen, in denen wir zu gern neugierig inne halten und zum Ort des Geschehens wechseln würden, um zu erfahren, was dort vor überhaupt sich geht. Etwa in der Mitte des Spiels erreichen wir z.B. ein Flüchtlingslager, in dem die Koreaner ein Massaker anrichten. “Homefront” zeigt die Bluttat nicht, wir sehen später nur die Ausmaße der Zerstörung. Es wäre ein Leichtes gewesen, euch in eben diese Situation zu verfrachten, mitten in das blutige Gemetzel, um so den Sensationseffekt zu erhöhen. Die Kaos Studios verzichten bewusst darauf und erzeugen so die perfekte Illusion einer atmenden Schlacht.

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