Horizon Zero Dawn - Frozen Wilds im Test: Der DLC von Eis und Metall

Michael Sonntag
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Frozen Wilds zeigt dir die schönen und kalten Seiten des Winters. Zieh dich warm an!

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Horizon Zero Dawn - Frozen Wilds DLC - Trailer

Die Fans von Horizon Zero Dawn nahmen die Nachricht von Entwickler Guerilla Games überraschend positiv auf, dass es nur einen DLC zu ihrem Spiel geben wird. Warum auch nicht? Wenn die Fans voll und ganz zufrieden mit einem Hauptspiel waren, das alles richtig gemacht hat. Da ist ein DLC mehr ein Geschenk als etwas, was das Hauptspiel noch retten soll. Aber was beinhaltet dieses Geschenk alles? Sehen wir es uns an.

Ein unerwarteter Winterurlaub

Wer sich nach der Installation des DLCs mit Aloy weit in den Norden verirrt, wird auf eine Wanderin aufmerksam werden, die so schnell wie möglich von hier weg will. Sie redet von tödlicher Kälte, gefährlichen Monstern und beinharten Stämmen. Ganz klar: Um uns zu überzeugen, muss sie gar nicht mehr sagen.

Die nächsten 15 bis 20 Stunden (je nach Schwierigkeitsgrad und Spieltempo) verbringst du im sogenannten Schnitt-Territorium. Das ist eine einzigartige Schnee- und Eislandschaft, die von dem Banuk-Stamm bewohnt wird. Für diesen sind die Gefahren, die Aloy kennt, ganz alltäglich: Sie werden hier von einer rätselhaften Macht bedroht, den sie Daemon nennen. Dieser entsendet seit geraumer Zeit neuartige Tötungsbestien aus seiner Fabrik am Donnerkamm. Selbst die normalen Tiere hat er befallen und bösartig gestimmt.

Weil Aloy eine selbtlose Heldin ist und nicht als bloße Touristin abgestempelt werden möchte, bietet sie dem Stamm ihre Hilfe an. Bis auf die Schamanin Ourea möchte sich aber niemand mehr mit einem direkten Angriff gegen die Bedrohung beschäftigen, besonders nachdem die letzte Schlacht so verlustreich gewesen ist. Vor allem Häuptling Amatak hat das hier letzte Wort.

Um ihn umzustimmen, muss Aloy sich Respekt beim Stamm verschaffen, wozu es praktischerweise viele Gelegenheiten gibt. Das Gebiet wird von einem Banditenlager bedroht, ein Langhals muss aus dem Eis befreit werden und etliche andere Bewohner brauchen ebenfalls Aloys Hilfe.

Die Geschichte der Erweiterung ist kurz, aber spannend. Ähnlich wie im Hauptspiel versuchst du anhand von Hinweisen zu verstehen, was vor der Apokalypse geschehen ist und welches Unheil diese überlebt hat. Die Geschichte erfüllt ihren Zweck und bietet ein paar Überraschungen — Also das, was ich von einem DLC auch erwarte. Selbstverständlich wäre mit diesem Setting noch mehr möglich gewesen. Nur ist das, wenn überhaupt, die Aufgabe eines zweiten Teils. Horizon: Zero Dawn spricht ohnehin mehr durch seine Welt als durch seine Geschehnisse.

Ein Paradies, gemacht aus Schnee und Eis

Ja, es ist schon schwer, sich auf die edle Mission zu konzentrieren, wenn du alle paar Minuten in der Spielwelt anhalten musst, um die Naturfotografin aus dir herauszulassen. Es gibt den Mythos, dass die in Grönland lebenden Inuits 100 verschiedene Schneearten kennen. Gefühlt begegnest du hier jeder von diesen: Pulverschnee, Flockenschnee, Feuchtschnee, und, und, und.

Die Idee des Winterwunderlands ist zweischneidig. Einerseits bist du jedes Mal erstaunt, Schnee doch noch aus einer neuen Perspektive wahrnehmen zu können. Andererseits befürchtest du, dass es doch irgendwann eintönig wird. Bis ich mich aber an dem immer neuen Wechselspiel zwischen Wetter, Tageszeit und Vegetation sattgesehen habe, kann es doch noch etwas dauern.

Der Schnee ist nachts nicht nur besonders schön, er begrenzt auch die Sicht des Spielers. Dadurch kommt es zu schönen Momenten, wo in vollkommener Dunkelheit nur noch die blauleuchtenden Tiere durch die Bäume zu sehen sind. Details wie Fußspuren im Schnee oder Aloy, die frierend ihre Elllbogen umfasst, runden den Gesamteindruck ab.

Bildergalerie Horizon Zero Dawn - Frozen Wilds

Dazu gibt es noch malerische vom Eis umschlungene Ruinen, heiße Quellen, zugefrorene Seen, tiefe Schluchten und dichte Wälder. Falls du doch eine Abwechslung zu den melancholischen und ruhigen Landschaften brauchst, können die kontrastreichen Industrieanlagen gegen Ende diese bieten.

Gefüllt ist die Welt mit allerhand Tieren, fleischiger wie auch metallischer Gattung. Nebenquests, in denen spezielle Farben für eine Malerin oder Tierfiguren für einen Händler gesucht werden sollen, laden dazu ein, die Welt noch genauer zu erkunden.

Härtere Monster brauchen härtere Heldinnen

Zwar kann die Erweiterung parallael und unabhängig von der Hauptgeschichte gespielt werden, dennoch wird für die meisten neuen Aufgaben ein Mindestlevel von 30 vorausgesetzt. Diese subtile Hinweis im Menü hätte gerne deutlicher markiert werden dürfen, denn die kleine Exkursion verlangt dir doch ein hohes Maß an Können ab. Die erste Begegnung mit einem Versenger lehrt dich deine bisherige taktische Vorsicht zu verdreifachen und massenweise Scherben für neue Waffen zurückzulegen. Davon gibt es auch ein paar neue, unter anderem verschiedene Bögen und Speer-Erweiterungen. Eine Blitzkanone stellt dabei die größte Schöpfung der Banuk dar.

Nach der brutalen Begrüßung und einer neuen Ausstattung geht die Lernkurve fair, aber streng hoch. Du machst deine Erfahrungen, lernst aus Fehlen und erkennst, dass unmöglich zu bewältigende Situationen nur halb unmöglich sind. Die Belohnung am Ende eines halbstündigen Kampfes bleibt dennoch angemessen. Der Schnee kühlt anschließend das erhitzte Gemüt ab.

Neben ein paar neuen Tieren wie der Frostklaue und Feuerklaue treten die üblichen Geschöpfe in stärkerer Erscheinung auf. An jeder Ecke lernst du wieder einen neuen Erzfeind kennen. Äußerst ungemütlich wird es, wenn die Tiere einen naheliegenden Kontrollturm beschützen, der sie alle Sekunden repariert. Der Kampf bleibt so immer schön fordernd, wenn er auch in seltenen Fällen etwas gemein ist. Nicht, weil der Kampf zu schwer wäre, sondern das Monster für das kleine Schlachtfeld in einer Fabrik viel zu groß.

Der neue Reisen-Fähigkeitsbaum ermöglicht dir unter anderem, Reittiere zu reparieren, von ihnen aus in den Kampf zu springen und Gegenstände im Inventar direkt in ihren Geld-Wert zu zerlegen. Gerade weil dir selten im Kampf ein Reittier zur Verfügung steht, ist an sich nur die letzte Fähigkeit hilfreich, um das Beute-Verstauen besser zu managen.

Mein Test-Fazit zu Frozen Wilds

frozenwilds

Der DLC Frozen Wilds ist eine gelungene, kompakte Erweiterung zum Hauptspiel. Darüber hinaus zeigt er, wie viel Luft nach oben Horizon: Zero Dawn noch besitzt. Jeder Bereich hat sich weiterentwickelt: Eine neue malerische Landschaft, gefährliche Tiere, ein spannender Konflikt, eine Erweiterung des Fotomodus und hübschere Charakteranimationen in den Gesprächen. Wer nach einer neuen Herausforderung sucht, wird sie hier erhalten.

Wird dir gefallen, wenn du das Hauptspiel mochtest, Panoramen genießen kannst und gerne bockschwere Monster jagst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du eher der Strandtyp bist oder Spiele mit dichterer Handlung brauchst.

Wertung

8/10
Getestet von Michael

Der DLC ist fast so lang wie ein komplettes Spiel. Ein schönes Geschenk der Entwickler mit einem neuen Gebiet, neuer Story und neuen Gegnern. Ich habe beim Fotografieren oft die Jagd vergessen.

Weitere Themen: Sony Computer Entertainment

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