I Am Alive Test – Der Friedhof der guten Ideen

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Am Anfang steht immer eine gute Idee. Jeder Spieleentwickler glaubt sie zu haben. Sie ist der Kern eines jeden Projektes. Ohne sie gibt kein Publisher grünes Licht. Ohne sie wird kein Spieler auf das Vorhaben aufmerksam. Selbst die schlechtesten Spiele haben meist irgendwo tief in ihrem Code noch eine gute Idee versteckt. Leider ist sie immer nur eine Vorrausetzung und nie eine Garantie dafür, dass am Ende auch etwas Gutes dabei rauskommt. Wie schwer es sein kann, aus einer guten Idee auch ein gutes Spiel zu machen, das zeigt die Geschichte von „I Am Alive“. 

Das postapokalyptische Survival-Game hat eine beeindruckende Anzahl an innovativen Ansätzen und überzeugenden Konzepten. In unserer I Am Alive-Vorschau aus dem vergangenen Monat waren wir deshalb auch voll des Lobes für den Xbox-360- und PS3-Downloadtitel.

Die spannenden Kletterpartien, die dramatisch an unserem Ausdauerbalken zehren. Die psychologische Wirkung der Feuerwaffen, die uns Gegner einschüchtern lässt, ohne einen Schuss abgeben zu müssen. Das mutige Szenario, das den Überlebensgedanken mit einer bisher unerreichten Konsequenz umsetzt. Alles richtig gute Ideen.

Die ersten zwei Stunden in den staubverhangenen Ruinen der fiktiven Geisterstadt Haventon vergehen so auch wie im Flug. Ständig fordert uns das Spiel auf eine neue Weise, führt uns in frische Mechaniken ein und zieht uns durch seine ungewohnte Inszenierung tiefer in seine harte und erbarmungslose Welt hinein.

Es wäre zu schön gewesen, wenn Ubisoft Shanghai die Qualität dieser ersten Stunden hätte halten können. Doch leider verspielt „I Am Alive“ einen Großteil seines Reizes in der zweiten Hälfte wieder. Überzeugen die unverbrauchten Gameplay-Ideen zu Beginn noch, werden sie im weiteren Verlauf durch ihre ständige Wiederholung zusehends langweilig. Mehr noch – je häufiger wir eine Fassade erklettern, eine Gruppe von bewaffneten Plünderern erledigen oder unter Zeitdruck durch die dichte Staubglocke rennen, desto mehr werden die Schwächen von „I Am Alive“ sichtbar.

Mal kostet uns die ungenaue Kollisionsabfrage ein wertvolles Leben, mal ärgern wir uns über die statischen KI-Routinen in den Kampfsituationen. Dass man uns zudem immer häufiger durch bereits erkundete Gebietet führt, macht die Sache nicht besser. Versteht sich „I Am Alive“ anfangs noch überraschend gut darauf, seine problematische Entwicklungsgeschichte (vom Mega-Open-World Titel zum kleinen Downloadspiel) durch die geschickte Verknüpfung frischer Ideen zu verbergen, wird später immer deutlicher, dass die wenigsten davon zu Ende gedacht wurden.

Vielleicht hätte man „I Am Alive“ mit der emotionalen Hintergrundgeschichte über die Suche eines Vaters nach seiner Familie noch vor der Bedeutungslosigkeit retten können. Leider schwächelt auch die Story in der zweiten Hälfte immer mehr. Besser gesagt, sie versackt. Das süße Versprechen, dass man uns mit Hilfe der ungewöhnlichen Inszenierung über die Camcorder-Aufzeichnung des Familienvaters gab, wird einfach nicht eingelöst. „I Am Alive“ hat sicherlich seine Momente – das hohe Maß an Repetition und die Unausgegorenheit in der zweiten Spielhälfte lassen sie uns dennoch nicht vergessen.

Fazit:

Ein gutes Spiel braucht mehr als eine gute Idee. Eine nicht selten tragische Tatsache, die sich am Beispiel von „I Am Alive“ bestens belegen lässt. Der stimmungsvolle  Kampf ums Überleben bombadiert uns zu Beginn förmlich mit hervorragenden Einfällen, tollen Schauplätzen und einer ungewöhnlichen Erzählweise. Die ständigen Wiederholungen dieser Elemente lässt dann allerdings zusehends den Lack bröckeln. Was als einmalige Spielerfahrung beginnt, endet als bestenfalls durchschnittliche Geschicklichkeitsübung. So bleibt am Ende doch nur die große Frage danach, was man aus „I Am Alive“ nicht alles hätte machen können. In dieser Form ist der Downloadtitel nur ein Friedhof für verdammt viele gute Ideen. Sehr, sehr schade.

Wertung: 72% 

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