Inversion Kurztest: Zu viel Schwerkraft, zu wenig Spaß
Das Genre der Third-Person-Shooter hat ein Kind, auf das es nicht sehr stolz ist. Es ist das Kind, das den ganzen Tag zu Hause rumhängt und nicht so recht weiß, was es mit seinem Leben anfangen will, das schwarze Schaf in der Familie. Ab und zu kommt es jedoch daher und hat eine neue Idee, wie es seine Eltern endlich stolz machen kann. Die Idee hört sich klasse an, die ganze Familie freut sich darauf, dass das Kind endlich etwas mit seinem Leben anfängt – nur um kurz darauf bitter enttäuscht zu werden. Wieder und wieder. „Inversion“ ist ein solches Kind – ein Third-Person-Gimmick-Shooter.
Damit reiht sich „Inversion“ in die gleiche Reihe wie etwa „Dark Sector“ und „Fracture“ ein. Beides sind durch und durch klassische Shooter, die nichts Besonderes zu bieten haben – außer einem Gimmick. Bei „Dark Sector“ war es der übergroße Ninja-Stern, bei „Fracture“ der Geländeverformer. „Inversions“ Gimmick ist, dass ihr mit einem Gerät an eurem Arm die Schwerkraft beeinflussen könnt. Leider tritt das Spiel jedoch in die gleiche Falle, wie seine Brüder und Schwestern auch schon: Während viel Zeit der Entwicklung mit dem Gimmick verbracht wurde, hat man die grundsätzlichen Spielmechaniken sträflich vernachlässigt.
„Inversion“ ist durch und durch ein “Gears of War“-Klon. Von der Steuerung über die Animationen bis hin zu den Waffen scheint alles direkt aus Epics Erfolgshooter kopiert worden zu sein. Anstelle der präzisen Steuerung tritt jedoch schwammiges Umherfuchteln, statt toller Grafik eine hässliche Mischung aus grau-braunen, hässlichen Texturen. Der erste Teil der “Gears of War”-Reihe sah bereits 2006 wesentlich besser aus.
Das eine Feature, auf das sich die gesamte Werbekampagne und so ziemlich jedes Interview des Entwicklers konzentriert, ist die Manipulation der Schwerkraft. Das geschieht entweder an bestimmten Momenten automatisch im Level, oder ihr könnt kleinerer Bereiche mit einem Gerät an eurem Arm manipulieren. Entweder ihr erhöht die Schwerkraft und nagelt damit eure Gegner am Boden fest oder ihr hebt sie auf und lasst die Feinde durch die Luft schwerben. Der Einsatzbereich dieser Fähigkeit ist schlussendlich jedoch stark begrenzt. Wenn sich ein Lutadore, so heißen die Bösewichte, hinter einer Wand versteckt, hebt ihr ihn in die Luft und schaltet ihn dann mit eurer Waffe aus. Sollten die Level mal genug Platz bieten könnt ihr zudem Gegenstände in eurer Umgebung aufheben und sie durch die Gegend feuern. Beides ist jedoch nur selten nützlich.
In geskripteten Momenten verändert sich automatisch die Schwerkraft – dann lauft ihr kurzzeitig an Wänden oder Decken entlang. Im Endeffekt macht das aber keinen Unterschied, sind die Sequenzen doch sehr selten und dauern dann auch selten länger als eine Minute. Schwebt ihr mal durch die komplette Aufhebung der Schwerkraft durch die Luft, könnt ihr euch lediglich von Deckung zu Deckung gleiten lassen – freies Bewegen ist bis auf wenige Schübe in eine Richtung nicht möglich. So sorgt Entwickler Saber Interactive dafür, dass sich „Inversion“ selbst in kompletter Schwerelosigkeit genauso spielt, wie jeder andere Third-Person-Shooter auch.
Die Story ist so schlecht erzählt, wie sie belanglos ist. Vanguard City wird von fremd aussehenden, übergroßen Menschen angegriffen. Nachdem sie scheinbar alle Kinder zu einem unbekannten Ort entführen wollen, macht sich Hauptcharakter Davis Russel auf, um seine Tochter zu finden. Dabei begleitet ihn sein Polizisten-Kollegen, dessen Rolle zu jeder Zeit ein Coop-Partner übernehmen kann. Wieso die Fremden die Gravitation beeinflussen können und was sie mit den Kindern wollen wird nie erklärt, auf einen sehr elementaren Plot-Twist im letzten Drittel des Spiels wird nie weiter eingegangen. Was bleibt ist eine vielversprechende, jedoch sehr schlecht erzählte und komplett unbefriedigende Geschichte.
Fazit
„Inversion“ ist nett gemeint, das war es dann aber auch schon. Es gibt dutzende, bessere Third-Person-Shooter und das Gravitations-Gimmick wird frustrierend wenig genutzt. Dadurch wird schnell deutlich, wie langweilig die grundlegenden Spielmechaniken eigentlich sind. Deckung, Ballern, Deckung, Ballern. Ohne cooles Leveldesign (die Hälfte der Zeit verbringt ihr in der gleichen, profillosen Stadt), abwechslungsreiche Gegner, beeindruckende Skript-Sequenzen oder einfallsreiche Waffen kann man damit niemanden mehr beeindrucken. Immerhin: Das Spiel kommt gleich zum Budget-Preis von 40 Euro auf den Markt.
„Inversion“ bietet zwar einen kompetitiven Mehrspielermodus, den kann man jedoch getrost ignorieren. In Amerika, wo das Spiel bereits Anfang Juni erschien, sind die Server bereits komplett verwaist.
Wertung: 50%
Robin Schweiger



