Kino: V wie Vendetta – Endlich im Kino: V wie Vendetta

Leserbeitrag

(Daniel) England in naher Zukunft. Nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Weltmacht USA und einigen innenpolitischen Krisen hat die nationalistische Partei Nordfeuer mit ihrem Kanzler Sutler (John Hurt) die Macht übernommen und begründet ein faschistisches System, in dem für kritische Fragen kein Platz mehr ist und Minderheiten wie Ausländer oder Homosexuelle gnadenlos verfolgt werden.

Kino: V wie Vendetta – Endlich im Kino: V wie Vendetta

Die gleichgeschalteten Medien verbreiten ihre Propaganda über jeden Lautsprecher des Landes und die uniformierten Staatsangestellten nutzen ihre Macht rücksichtslos aus. Als die junge Evey (Natalie Portman) während einer Ausgangssperre von Ermittlern vergewaltigt zu werden droht, greift plötzlich ein maskierter Mann (Hugo Weaving) ein, der munter Shakespeare rezitiert und die Übermacht scheinbar mühelos außer Gefecht setzt. Noch in derselben Nacht wird Evey Zeugin, wie der Mann, der sich “V” nennt, mehrere staatliche Gebäude in die Luft sprengt. Die Regierung spielt die Ereignisse zwar herunter, intern herrscht allerdings große Unruhe. Inspektor Finch (Stephen Rea) wird auf die Sache an- und mächtig unter Druck gesetzt. Stück für Stück entwirrt er zwar die Hintergrundgeschichte des “Terroristen”, nicht jedoch dessen Identität. Als V den staatlichen Fernsehsender besetzt und seine aufrührerischen Botschaften direkt ans Volk sendet, eskaliert die Situation.

Mit “V wie Vendetta” liegt einer der intelligentesten und vielschichtigsten Filme der letzten Jahre vor, und in dieser Hinsicht vielleicht sogar der beste im Mainstream-Bereich überhaupt. Er vertritt dabei zwar eine klare Kernbotschaft, nämlich die Forderung nach der unantastbaren Freiheit jedes Individuums, verklärt dabei aber keinesfalls seine Protagonisten und verfällt auch nicht ins simple Gut/Böse-Schema. Der Charakter des “V” ist von vornherein zwiespältig angelegt, denn es handelt sich hier in der Tat um einen Terroristen, der für die Verwirklichung seiner Ziele bereit ist, rücksichtslos zu töten. Und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er leidenschaftlich für Ideen kämpft, die wohl fast jeder für richtig hält. Gleichzeitig handelt es sich aber auch um einen persönlichen Rachefeldzug für erlittene Grausamkeiten, bei dem selbst mittlerweile geläuterte Verbrecher nicht verschont werden, wie in der berührendsten Szene des Films deutlich wird, bei der sich Täter und ehemaliges Opfer fast zärtlich auf den Tod des Einen einigen.

Die Figur “V” erscheint bei der perfekt durchkalkulierten Umsetzung ihrer Pläne dabei fast überlebensgroß, und das soll sie auch sein, denn die “Idee”, für die sie steht, ist weit größer als der Mensch hinter der Maske. Die bleibt deshalb auch auf, und selten war es schwieriger etwas zur Leistung eines Hauptdarstellers zu sagen, dessen Gesicht man nicht sieht und dessen Stimme man dazu auch bisher nur in der deutschen Synchronisation hören konnte. Die Wachowskis griffen dabei auf Bewährtes zurück und besetzten die Rolle nach einigem Hin und Her mit Hugo Weaving, der ihnen schon als “Agent Smith” in allen drei Matrix-Filmen gute Dienste geleistet hat. Weaving vermittelt tatsächlich auch mit Maske eine erstaunliche Präsenz, und für die deutsche Umsetzung der zahlreichen Wortspiele und Zitate von V kann man ebenfalls ein deutliches Lob aussprechen. Bei der Maske handelt es sich übrigens um ein Abbild des Revolutionärs Guy Fawkes, der im Jahre 1605 versuchte, das englische Parlament in die Luft zu jagen. Dieses Gesicht kennt in England tatsächlich jedes Kind.

Die Personen um V herum durchlaufen dagegen gewaltige Veränderungen ihrer Weltsicht. Die erstaunliche und anscheinend hoch motivierte Natalie Portman ließ sich nicht umsonst für diesen Film ihrer Haarpracht berauben, ihre Evey ist zuerst eine von der Regierung zwar nicht gerade begeisterte, aber politisch doch eher desinteressierte junge Frau, deren Persönlichkeit dann im Verlauf fast gebrochen und wieder neugeboren wird. Eine starke Leistung von Portman, wie auch von Stephen Rea, dessen Inspektor Finch sich ebenfalls entwickelt und plötzlich viele Dinge mit neuen Augen sieht. Lediglich die Person des Kanzlers wurde im Vergleich zur Vorlage stark simplifiziert und kommt hier deutlich eindimensionaler daher, als die von ihrer Weltsicht zutiefst überzeugte und in einer fast erotischen Beziehung zu ihren Überwachungscomputern lebende Figur des Comics.

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.

Weitere Themen: Intenium

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz